Interview, Linde Material Handling Schweiz AG Die Energieeffizienz steht bei uns an oberster Stelle

Autor Silvano Böni

Der SMM sprach mit Maik Manthey, Vice President vom Linde-Geschäftsbereich «New Business & Products», über das Thema Elektromobilität. Im Gespräch erläutert er unter anderem, wieso es so einfach ist, die unterschiedlichsten Fahrzeuge mit Linde-Technik zu elektrifizieren. Ausserdem erklärt er, warum seiner Meinung nach der Durchbruch der E-Mobilität noch auf sich warten lässt und wieso er gerne mal einen Porsche auf einen E-Antrieb umrüsten möchte.

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(Bild: Linde)

SMM: Der Geschäftsbereich «New Business & Products» ist bekannt dafür, Elektrogabelstapler-Technik in andere Fahrzeuge und Anwendungen zu transferieren. Wie darf man sich das vorstellen?

Maik Manthey: Grundsätzlich nehmen wir tatsächlich die Technik aus unseren Elektrostaplern und bauen diese in die unterschiedlichsten Fahrzeuge ein. Es sind kleine Anpassungen an der Welle und am Flansch nötig, aber ansonsten gehen die Komponenten eins zu eins in die Fahrzeuge. Dafür bieten wir drei unterschiedlich leistungsfähige Kits in den Grössen S, M und L an.

Der Geschäftsbereich «New Business & Products», dem diese Idee entspringt, ist noch sehr jung. Was haben Sie in dieser Zeit bereits alles erreicht?

M. Manthey: Wir haben zahlreiche Belege geschaffen, dass es funktioniert, eine bestehende Technologie, die wir seit Jahren erfolgreich in unseren Elektro-Staplern einsetzen, in andere Anwendungen zu transferieren. Zum einen funktioniert es auf der technischen Seite, zum anderen aber auch kommerziell. Wir haben beispielsweise einen Fiat 500 elektrifiziert, momentan sind wir eine Stufe grösser beim Fiat Ducato angelangt. Dieser wurde an der World of Material Handling erstmals vorgestellt. Wir bringen also E-Mobilität in kleine Fahrzeuge wie den Fiat 500, aber auch grössere wie den Fiat Ducato. Und alles, was dazwischen ist, schaffen wir auch. Aber auch weitere Anwendungen wie Draisinen, Kommunalmaschinen oder Container-Verladegeräte rüsten wir um. Ein weiteres Beispiel sind unsere Racing Karts, welche mittlerweile in zweiter Generation gebaut werden.

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Da sind also überall die Eco-Kits eingebaut, welche Linde anbietet?

M. Manthey: Ja, das sind genau diese drei Eco-Kits. Im Fiat Ducato ist beispielsweise die «L»-Version eingebaut, der Fiat 500 wurde mit dem «M»-Paket ausgestattet. In den Racing Karts wird die kleinste Variante «S» verbaut. Mit diesen drei Grössen können wir bereits sehr viele Applikationen abdecken. Und diese Kits machen den Umbau auch extrem einfach. Als Beispiel sei hier der erwähnte Ducato genannt. Vom ersten Gedanken bis zum Vorzeige-Modell sind sechs Wochen vergangen, der Umrüstprozess selbst nahm dabei gerade mal zwei Wochen in Anspruch.

Man kann also zu Ihnen kommen und ein beliebiges Fahrzeug elektrifizieren lassen?

M. Manthey: Grundsätzlich ja, man muss natürlich noch schauen, was es genau für ein Fahrzeug ist. Ein LKW oder ein Flugzeugträger wird schwierig, aber ansonsten ist vieles möglich. Wir haben schon Fiats, Mazdas oder Renaults elektrifiziert, das war alles kein Problem.

Sie sprechen von ausländischen Autoherstellern. Wo bleiben die Deutschen?

M. Manthey: Ehrlich gesagt, das frage ich mich auch. Ich weiss es nicht. Aber natürlich haben die grossen OEMs ihre eigene Elektro-Road-Map. Zudem sind die Autobauer nicht unsere Zielgruppe. Bei uns melden sich kleinere und mittlere Unternehmen in Eigeninitiative. Wenn Firmen wie BMW, Audi oder VW einen Elektromotor in ein Fahrzeug einbauen, ist dieser 1 : 1 für dieses Auto gemacht und angepasst, das funktioniert mit Standard-Kits, wie wir sie anbieten, nicht. Wir behandeln eher die Nischen- und Sondermärkte.

Strom ist ein kostbares Gut, man wird ständig dazu angehalten, Energie zu sparen. Zudem kommt ein grosser Teil der Energie aus nicht sauberer Produktion wie Kernkraft- oder Kohlekraftwerken. Wie löst man diesen Widerspruch auf, trotzdem auf Elektro-Fahrzeuge zu setzen?

M. Manthey: Also zum Thema Strom sparen: Bei uns steht die Energieeffizienz immer an oberster Stelle. Als Beweis können wir den Fiat 500 heranziehen. Der wurde von einer italienischen Firma bereits einmal elektrifiziert. Ausgestattet mit einer 22 kWh-Batterie fuhr er ungefähr 150 km weit. Mit unserer Linde-Technik konnten wir die Batteriegrösse halbieren und haben Distanzen bis zu 120 km geschafft. Also eine Reduktion von nur 30 km, aber mit der Hälfte der Batterie. Das spricht für sich. Die Produktion von sauberem Strom wäre auch kein Problem, aber da sind uns die Hände gebunden, darauf haben wir keinen Einfluss. Aber wir sind darauf vorbereitet, unser Motor dreht genauso gut mit Ökostrom wie mit Kohlekraftstrom.

Deutschland wurde lange als Vorzeigestaat für Elektromobilität geadelt. Ziel ist es, dass bis 2020 eine Million Elektroautos auf den Strassen der Bundesrepublik unterwegs sein sollen. Die Absatzzahlen von einigen tausend Stück sprechen aber klar dagegen. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

M. Manthey: Es gibt viele Gründe, woran das liegt. Zum einen ist es ein Henne-Ei-Problem. Erstens ist zu wenig Infrastruktur vorhanden, sprich Ladesäulen. Der Grund dafür ist, es gibt zu wenig E-Autos. Gäbe es mehr, wären die Energieversorger eher bereit, in Ladesäulen zu investieren. Da entsteht ein Teufelskreis. Ein anderer Punkt ist die Akzeptanz. Die Leute kaufen ein Auto, um von Frankfurt zum Gardasee fahren zu können. Dass genau diese Menschen aber zu 95 Prozent der Zeit nur ein Auto benötigen würden, welches 50 km weit fahren könnte, wird ausser Acht gelassen. Das Auto wird für die letzten 5 Prozent gekauft. Aber so ist der Mensch. Das ist vergleichbar mit einer teuren Uhr. Kein Mensch kauft sich eine solche, um zu wissen, wie spät es ist. Trotzdem fühlt es sich charmant an, eine eine teure Uhr zu tragen. Für einen Weg von A nach B brauche ich keinen Porsche, trotzdem macht es Spass, hin und wieder mit dem Porsche zu fahren. Hinzu kommt auch die Bequemlichkeit. Ein Auto mit Verbrennungsmotor ist in drei Minuten vollgetankt, ein E-Auto muss stundenlang an die Steckdose. Da gibt es also doch noch einige Hürden zu nehmen.

Wäre denn eine Unterstützung der Regierung durch Subventionen nicht auch eine Idee? Bei der Abwrackprämie hat das ja prima geklappt?

M. Manthey: Unter Umständen. Aber Subventionen kann man nicht ewig aufrechterhalten. Irgendwann muss die Technologie selber laufen lernen. Zudem sind Subventionen immer gefährlich, da diese künstlich einen Markt schaffen. Fällt die Förderung weg, ist es der Markt meistens auch.

Aber man könnte dadurch das angesprochene Henne-Ei-Problem lösen …

M. Manthey: Wenn man die Unterstützung sehr kontrolliert einsetzt, wäre das vielleicht durchaus eine Möglichkeit, den Markt in Schwung zu bringen.

Die Achillesferse der Elektromobilität ist also nach wie vor die Batterietechnik. Wie sieht es da in den nächsten Jahren aus?

M. Manthey: Die Branche ist in Bewegung und stark am Wachsen. Und es werden grosse Fortschritte kommen, das haben die letzten Jahre gezeigt. Die Kosten sind gesunken, die Effizienz gestiegen. Die Energiedichte im Vergleich zu Brennstoffen ist aber nach wie vor ein grosses Problem. Ein voller Tank wiegt circa 70 kg, eine gleichschwere Batterie bringt in etwa 11 kWh, damit kommt man nur einen Bruchteil so weit wie mit einem vollen Tank. Aber mit Schnell- oder Induktivladesystemen in den Strassen könnte man dieser Problematik schnell Herr werden.

Einen E-Kart, einen Containerlader oder Kehrmaschinen. Das klingt alles abenteuerlich. Was dürfen wir noch von Linde erwarten?

M. Manthey: Wir werden nicht aufhören, uns weiter diversifiziert aufzustellen. Wir werden uns stark machen für Sondermaschinen, wir möchten für uns selber einen Impuls setzen und natürlich auffallen im Markt, damit wir nicht in die Ecke geschoben werden mit dem Verweis, die können nur Karts oder kleine Fiats elektrifizieren.

Zum Abschluss noch eine persönliche Frage. Welches Fahrzeug würden Sie persönlich gerne auf einen E-Antrieb umrüsten, wenn man wirtschaftliche Aspekte mal aussen vor lässt?

M. Manthey: Ich würde gerne einen Porsche 911 umrüsten. Einfach um zu zeigen, dass ein hochtechnologisches Auto mit einem sportlichen Aussehen, gepaart mit einem Elektroantrieb, keinerlei Einbussen bedeutet. <<

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