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Softwarefirmen sind bekannt für beträchtliche Gewinne. Was halten Sie vom Anstreben hoher Umsatzrenditen im zweistelligen Bereich? Kann man sich bei solchen Zahlen nachhaltig entwickeln?
C. Hintermann: Zahlen haben uns nie wirklich interessiert. Unsere Motivation kommt aus einem anderen Bereich. Wir wollten immer die beste Business Software für Schweizer KMU entwickeln. Ist das Produkt erfolgreich, sind wir in der Lage, die erwirtschafteten Mittel in die Weiterentwicklung der Lösung und des Unternehmens zu investieren. Nur der langfristige, nachhaltige Erfolg interessiert uns. Kurzfristige Rentabilitätsüberlegungen haben keinen Platz. Darum sind wir bis heute auch komplett unabhängig geblieben. Die Gründergeneration ist immer noch im operativen Geschäft involviert und ist eine der Konstanten in unserem Unternehmen.
In Zürich hört man von Start-ups, die ihre Steuern nicht zahlen können. Wie beurteilen Sie die Chancen für junge Unternehmer in der Schweiz? Abacus wurde ja 1985 auch durch drei Absolventen der Universität St. Gallen gegründet …
C. Hintermann: An Ideen und auch an Kapital, um Start-ups zu unterstützen, mangelt es wahrlich nicht in der Schweiz. Die Voraussetzungen, um als Jungunternehmen erfolgreich sein zu können, sind prima vista in der Schweiz sicher optimal – auch durch die zahlreichen führenden Universitäten und Hochschulen, die den eigentlichen Nährboden für Start-ups bilden. Doch eine zündende Idee alleine reicht nicht. Es braucht auch ein echtes Bedürfnis im Markt, das mit dieser Idee befriedigt werden kann. Zum Teil fragt man sich schon, was zuerst sein sollte: ein Bedürfnis oder eine Idee?
Alles bejaht Innovation als Lebenselixier für KMU in der Schweiz. Was sind die Voraussetzungen, damit Innovation überhaupt entstehen kann? Kreativität kann sich per Knopfdruck wohl nicht plötzlich entfalten …
C. Hintermann: Es braucht eine Firmenkultur, welche Kreativität erst ermöglicht und auch fördert. Verstehen sich die Mitarbeitenden nicht als Personal oder als Angestellte, die ihren Dienst nach Vorschrift erbringen, sondern als wichtigen Teil des Unternehmens, dann kommt ein Prozess in Gang, der mit der Zeit zum Selbstläufer wird.
«AbaCliK 2.0» ist soeben erschienen. Die App erfasst persönliche betriebswirtschaftliche Daten und synchronisiert im Hintergrund direkt mit dem ERP. Besteht da nicht die Gefahr, dass sich die Grenzen des Privaten und Geschäftlichen verwischen?
C. Hintermann: Diese Vermischung hat schon lange stattgefunden. Im Privatbereich werden geschäftliche Aufgaben erledigt und im geschäftlichen Bereich muss auch für Privates Raum sein. Dies macht die Technologie, welche uns heute zur Verfügung steht, möglich. Mit den intelligenten Telefonen, die heute schon für weit mehr genutzt werden als zum Telefonieren, wird die Business Software auch auf den Smartphones verfügbar. Mit «AbaCliK» kann der Anwender sowohl seine privaten Reisespesen managen und gleichzeitig auch alle geschäftlichen Ausgaben verwalten.
Seit den Achtzigerjahren spricht man vom papierlosen Büro. Das Gegenteil ist eingetroffen. Sind Abacus-Programme die letzte Hoffnung für das Ende des Papierkrams?
C. Hintermann: Ich kann Sie beruhigen, noch ist nicht alle Hoffnung verloren (lacht). Entwicklungen brauchen einfach etwas länger, bis sie beginnen, sich in der Breite durchzusetzen. Wir sehen verschiedene Anzeichen, dass das papierlose Büro in vielen Unternehmen bereits teilweise Einzug gehalten hat. Unsere Lösung für das Digitalisieren von Lieferantenrechnungen, die man immer noch auf Papier erhält, wurde in den letzten drei Jahren immer stärker nachgefragt. Und bei neuen Projekten ist es schon üblich, dass mit der Einführung der neuen ERP-Software selbstredend auf einen papierlosen Kreditorenrechnungsprozess gesetzt wird mit dem entsprechenden Visumsprozess, der ebenfalls papierlos über das System abgewickelt wird. Auch beim E-Business, bei dem Unternehmen ihre Dokumente wie Bestellungen, Lieferscheine und Rechnungen nur noch elektronisch über E-Business-Plattformen austauschen, haben wir eine starke Zunahme der Nachfrage in den letzten zwei Jahren erlebt. Die Unternehmen werden sich der Vorteile einer digitalen Abwicklung der Geschäftsprozesse richtig bewusst. Da ist es natürlich ein Vorteil für uns als Software-Anbieter, dass wir auf solche Bedürfnisse mit unserer Standardsoftware quasi fixfertige Lösungen aus der Schublade ziehen können.
Finanzdaten werden oft irreführend dargestellt. Sorgen Sie mit Ihrer Software auch für Transparenz in den Firmen?
C. Hintermann: Unsere Software ist nur ein Instrument. Was der Kunde damit für Resultate produziert, können wir nicht beeinflussen. Trotzdem haben wir seit geraumer Zeit auch Lösungen entwickelt, mit denen Daten wie Kennzahlen oder Histogramme zum Beispiel in Management-Cockpits den verschiedenen Abteilungen im Unternehmen zur Verfügung gestellt werden können, ganz nach dem Grundsatz «so viel sehen, wie man zur Erledigung seiner Arbeit optimalerweise benötigt».
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