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«Die grösste Euroguss, die es je gab»

| Redakteur: Anne Richter

>> Vom 17. bis 19. Januar 2012 drehte sich im Messezentrum Nürnberg wieder alles um Druckgiessverfahren und die dabei verwendeten Werkstoffe Aluminium, Zink und Magnesium. Auf der Euroguss, der internationalen Fachmesse für Druckguss-Technik, -Prozesse und -Produkte, präsentierten sich 383 Aussteller – rund 7000 Fachbesucher aus dem In- und Ausland waren erwartet worden. Die DGS Druckguss Systeme aus St. Gallen gewann einen ersten Preis beim Aluminium-Druckguss-Wettbewerb.

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Ein Grossteil der Druckguss-Produktion geht in die Unternehmen der Automobilbranche. (Bild: Euroguss)
Ein Grossteil der Druckguss-Produktion geht in die Unternehmen der Automobilbranche. (Bild: Euroguss)

ari. «Das ist die grösste Euroguss, die es je gab. Sie toppt sogar das Ergebnis aus dem Messe-Boomjahr 2008», erklärt Heike Slotta, Leiterin Veranstaltungen bei der Nürnberg Messe, stolz. «Im Vergleich zur letzten Euroguss vor zwei Jahren wuchs die Nettofläche in diesem Jahr um 15 Prozent auf jetzt 11 197 Quadratmeter.

«Unsere Fachbesucher finden also ein noch grösseres Messeangebot rund um die gesamte Druckguss-Wertschöpfungskette vor», so Slotta weiter. Und Gerhard Eder, Vorsitzender des Verbandes Deutscher Druckgiessereien (VDD), konstatierte während der Eröffnungsfeier: «Auch wenn das, was die Aussteller auf der Messe zeigen, lediglich ein kleiner Auszug ihres Könnens und Wirkens ist, wird Nürnberg für die nächsten drei Tage die Druckgussmetropole Europas sein!»

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Italien stärkste Ausstellernation nach Deutschland

Druckgiessereien und deren Zulieferer, Ausrüster und Dienstleister stellen auf der Euroguss aus. Dabei zeigte die Messe ihre internationale Ausrichtung: 42 Prozent der 383 Aussteller kamen nicht aus Deutschland. Die Aussteller reisten aus insgesamt 28 Ländern an, neben der Schweiz mit elf Unternehmen kamen aus Italien 65 Aussteller, aus Österreich 11, aus Schweden 10 und aus Frankreich 9 Aussteller.

Die rund 7000 erwarteten Besucher kamen aus den Industrien, die Druckguss-Produkte einsetzen. Den Löwenanteil macht dabei die Automobilbranche aus. Über drei Viertel der gesamten europäischen Druckgussproduktion wird an die Automobilhersteller geliefert, gefolgt vom Maschinen- und Anlagenbau, der Elektro- und Elektronikbranche, dem Formenbau, der Möbelindustrie sowie innovativen Industriezweigen wie der Energie- oder Medizintechnik.

Schweizer Erfolg beim Aluminium-Druckguss-Wettbewerb

Mit dem Internationalen Aluminium-Druckguss-Wettbewerb wollen der Verband der Aluminiumrecycling-Industrie (VAR) und die Organisation of the European Aluminium Recycling Industry (OEA) den hohen Qualitätsstand von Aluminium-Druckguss vor Augen führen. Der erste Platz ging an eine Schweizer Giesserei – die DGS Druckguss Systeme AG aus St. Gallen. Für ihren Längsträger beim Audi A8 Space Frame konnte das Unternehmen bereits im Sommer 2011 in Düsseldorf den Newcast Award gewinnen. (SMM berichtete in der Ausgabe 17 vom 17. August 2011). In diesem Jahr gab es zwei erste Plätze; den zweiten ersten Platz gewann Martinrea Honsel Germany GmbH aus Meschede für ein einteiliges Getriebegehäuse-Mittelteil mit gusstechnisch integrierten Getriebetragarmen. Der 3. Preis ging an die Trimet Aluminium AG aus Harzgerode in Deutschland für ein Kurbelgehäuse-Unterteil K48 für BMW-Motorräder K1600GT/GTL. Die eingereichten Gussstücke wurden nach Gussqualität, druckgussgerechter Konstruktion und Einsatz von recyceltem Aluminium bewertet.

Gewinner des Zinkdruckguss-Wettbewerbs ausgezeichnet

Bereits zum vierten Mal wurde anlässlich der Euroguss der Zinkdruckguss-Wettbewerb von der Initiative Zink ausgeschrieben. Hersteller von Zinkdruckgussteilen aus dem deutschsprachigen Raum waren aufgerufen, Gussstücke aus der Produktion der letzten 18 Monate einzureichen. Im Rahmen der feierlichen Eröffnung der Euroguss wurden folgende drei Unternehmen mit ihren Sieger-Produkten ausgezeichnet: Ganz oben auf dem Siegertreppchen stand die HZD Havelländische Zink-Druckguss GmbH mit einer Baugruppe aus Bedienhebeln und mechanischen Elementen für ein modernes Lifestyle-Haushaltsgerät. Den zweiten Platz belegte die Artur Monse GmbH & Co KG mit einem Signal- und Leistungssteckverbinder, der in der Elektronik industrieller Anwendungen zum Einsatz kommt. Dritter wurde die Kaspar Lüther GmbH & Co. KG aus dem fränkischen Gunzenhausen mit einer zentralen Trägereinheit zur Befestigung aller optischen, elektrischen und mechanischen Bauteile für die Speicherfolientechnologie im Bereich Zahnmedizin. Bewertet wurden Konstruktion, Gestaltung, Formenbau, Giesstechnik, Bearbeitung, Oberflächenbehandlung und dekorative Eigenschaften 1.

Sonderschau: Neues aus der Druckguss-Forschung

Einen guten Überblick über die aktuelle Forschung im Bereich Druckguss bot die neue Sonderschau «Forschung, die Wissen schaf(f)t». Zehn Forschungsinstitute, Fachhochschulen und Universitäten aus dem In- und Ausland stellten sich hier mit ihrem Aus- und Weiterbildungsangebot, ihren Dienstleistungen und Forschungsprojekten vor. Es ging dabei zum Beispiel um die Prozessoptimierung von Giessverfahren, die Legierungsentwicklung, Qualitätssicherung oder das Energiemanagement.

Druckgiessereien: Rekordumsatz und Beschäftigungsplus

Die Druckguss-Branche scheint die weltweite Finanzkrise von 2008/2009 und ihre Auswirkungen überwunden zu haben und kann sich über die wirtschaftliche Situation derzeit nicht beklagen. Die Auftragsbücher der deutschen Druckgiessereien sind voll. Der Verband Deutscher Druckgiessereien (VDD) meldet für 2010 einen neuen Rekord beim Gesamtumsatz von 3,5 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Im Boomjahr 2007 lag der Umsatz bei 3,1 Milliarden Euro. «Speziell der deutschen Automobilindustrie ging es in den letzten zwei Jahren sehr gut. Die Premium-Markenhersteller erzielten neue Rekordumsätze. Deshalb ist es wenig erstaunlich, dass die Auftragslage unserer Industrie momentan blendend ist. Aluminium-, Zink- oder Magnesiumdruckguss – in allen Bereichen liegen die Werte des Auftragseingangs über denen der aktuellen Fertigung. Mit anderen Worten: Die Druckgiessereien werden auch mittelfristig gut beschäftigt bleiben», so Gerhard Eder, Vorsitzender des Verbands deutscher Druckgiessereien e.V. (VDD). Eder verweist allerdings auch auf die Schattenseiten in seiner Branche: Die Verteuerung der Energie- und Rohstoffkosten belasten die Giessereien, da diese nicht oder nur schwer an die Kunden weitergegeben werden können. Der effiziente Einsatz von Rohstoffen und die Reduzierung von Energie sind wichtige Themen, denen sich die Druckgiessereien stellen. <<

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