Interview: Peter Dietrich, Direktor Swissmem

Die MEM-Industrie ist kein Auslaufmodell

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Wo sehen die Unternehmen noch Potenzial, um zu sparen?

P. Dietrich: Heute setzen die Unternehmen bei den direkten Kosten an. Das bedeutet Einstellungs- und Weiterbildungsstopp, Arbeitszeiterhöhung bei gleichem Lohn oder das Sistieren von Projekten. Direkte Lohnkürzungen sind bis jetzt kaum ein Thema.

Das bedeutet, dass die Auftragslage gut sein muss, wenn die Arbeitszeit erhöht werden soll?

P. Dietrich: 2014 war ein durchschnittliches Jahr. Vor allem im ersten Halbjahr verzeichnete die MEM-Industrie einen guten Auftragseingang. Das zweite Halbjahr war dann deutlich schwächer. Wir stellten ein deutliches Nachlassen der Dynamik fest. Die Kapazitäten sind aber immer noch überdurchschnittlich ausgelastet. Längere Arbeitszeit zum gleichen Lohn bringen daher eine gewisse Entlastung. Da die Auftragseingänge voraussichtlich zurückgehen werden, wird diese Massnahme nur kurzfristig greifen. Danach wird man über Kurzarbeit sprechen müssen. Aber auch das ist ein gutes Mittel, um Arbeitsplätze zu erhalten.

Inwieweit sind Arbeitsplätze gefährdet?

P. Dietrich: Die MEM-Industrie steht seit drei Jahren unter starkem Druck. Viele Unternehmen haben an finanzieller Substanz eingebüsst. Die Kostenseite wird auch jetzt wieder unter die Lupe genommen und es wird meiner Meinung nach auch zu Arbeitsplatzabbau kommen. Wie gross dieser sein wird, kann ich nicht beziffern. Die Unternehmen werden zuerst versuchen, mit den bereits erwähnten Massnahmen ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten.

Wie sehen Sie es mit der Innovationsfähigkeit, wird man auf Kosten der Forschung und Entwicklung sparen?

P. Dietrich: Heute ist bestimmt nicht die Zeit des Happy Engineering. Die Unternehmen werden auch diesen Kostenblock genau anschauen. Aber es wäre heikel, wenn man beginnt an der Forschung und Entwicklung zu sparen. Innovation ist die Grundlage unserer Wettbewerbsfähigkeit. Aber es kann durchaus sein, dass Projekte nach hinten geschoben werden.

Der Franken hat ja jetzt im Ausland mehr Wert. Denken Sie, dass die Unternehmen vermehrt Akquisitionen machen werden?

P. Dietrich: Das ist überhaupt nicht ausgeschlossen. Voraussetzung ist eine gute finanzielle Substanz, und die hat bei vielen Unternehmen in den letzten Jahren gelitten. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass es Firmen gibt, die ihr Portfolio durch Firmenübernahmen ergänzen werden.

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