Ergänzendes zum Thema
Kurzinterview zum Thema
Hans Marfurt, Geschäftsführer Trumpf Maschinen AG, Schweiz
SMM: Die SNB hat den Euro-Mindestkurs ohne Ankündigung aufgehoben. Wie beurteilen Sie diesen Entscheid und das Vorgehen der SNB?
Hans Marfurt: Ich habe zwar, in Anbetracht der enormen Devisenbestände der SNB, Verständnis für diese Entscheidung. Dies bringt die Exportwirtschaft, den Werkplatz Schweiz und den Tourismus jedoch in eine äusserst schwierige Position. Bezüglich der Kommunikation hätte sich die SNB ein Beispiel an anderen Notenbanken nehmen können, welche die Märkte über Monate hinweg auf Veränderungen vorbereiten (forward guidance).
Die SNB argumentiert, dass die Unternehmen genug Zeit gehabt hätten, sich an den starken Franken anzupassen. Wie sehen Sie das?
H. Marfurt: Hier verkennt die SNB die sehr schwierige Situation eines grossen Teils der Industrie. Es sind nun 3,5 Jahre vergangen seit der enormen Aufwertung des Frankens, herkommend von CHF 1.60 auf CHF 1.20 zum Euro. Dies war schon eine Aufwertung von 25 %. Bei den üblichen Margen in der Industrie ist dieser Einbruch kaum auszugleichen.
Es brauchte enorme Anstrengungen aller Beteiligten – Kunden, Lieferanten, Mitarbeitende –, um mit vielen Einzelmassnahmen dies wettzumachen, falls dies überhaupt möglich war.
Welche Auswirkungen hat dieser Entscheid auf Ihr Unternehmen?
H. Marfurt: Mit rund 800 Mitarbeitenden in der Schweiz erbringen wir eine hohe Wertschöpfung vor Ort. Ein erheblicher Teil unserer Kosten fällt also in Schweizer Franken an. Daher sind wir direkt betroffen. Unsere Kunden sind ebenfalls unter Druck und wenn es unseren Kunden nicht gut geht, werden auch wir dies spüren. Andererseits haben wir die Möglichkeit, bei unseren ausländischen Konzerngesellschaften in Euro einzukaufen und damit einen Teil des Margenverlustes auszugleichen. Wie bisher werden wir auch diese Herausforderung meistern, indem wir weiter auf Innovationen setzen und über unser Lean Management (SYNCHRO) die Effizienz und Produktivität nochmals erhöhen werden.
Sie geben Ihren Kunden einen Eurobonus. Wie sind die Reaktionen?
H. Marfurt: Ich glaube, mit dem Euro-Bonus unterstützen wir unsere Kunden am wirkungsvollsten, weil er unmittelbar und sofort wirkt. Deshalb haben wir dies bereits am 20. Januar 2015 eingeführt.
Wo wird sich Ihrer Meinung nach der WK einpendeln und welcher Kurs wäre für Sie tragbar?
H. Marfurt: Zu drei Themen gebe ich keine Prognosen ab: dem Wetter, den Aktien- und den Devisenkursen. Historisch betrachtet, orientiert sich der Wechselkurs an der Kaufkraftparität. Der Wechselkurs kann sich jedoch über ein paar Jahre deutlich davon entfernen, bis er sich wieder angleicht. Aktuell sehen einige Experten die Kaufkraftparität bei CHF 1.28 zum Euro. Damit wird deutlich, wie massiv unsere Währung überbewertet ist.
Information: www.ch.trumpf.com