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Welchen Einfluss hat die positive Entwicklung in den USA?
P. Dietrich: Das ist für uns ein Lichtblick. Der US-amerikanische Markt wird immer wichtiger für die MEM-Industrie. Der Marktanteil der USA steigt zu Lasten des EU-Marktes. Vor etwa 6 Jahren hatte die EU einen Marktanteil von 67 %, heute liegt er noch bei etwa 58 %. Der Marktanteil der USA hat sich von 9 auf 11 % gesteigert. Der Anteil ist dennoch zu gering, um die derzeitigen Wettbewerbsnachteile im EU-Markt zu kompensieren.
Dann ist es für die Branche umso wichtiger, dass Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen mit den USA vorangetrieben werden. Wo steht man heute?
P. Dietrich: Das ist sehr wichtig für uns und eine der politischen Forderungen, die wir stellen. Wenn das TTIP kommt, d.h. das Freihandelsabkommen (FHA) zwischen der EU und den USA, ist es wichtig, dass wir als Schweiz nicht aussen vor stehen. Dann hätten wir ein zusätzliches Problem und die Schweizer Industrie wäre im Nachteil. Deshalb ist eine unserer Forderungen, dass der Bundesrat sich engagiert und geschickt agiert.
Wie sehen Sie die Chancen?
P. Dietrich: Man muss ganz klar sehen, dass es Parteien und Branchen gibt, die gegen ein FHA mit den USA sind. So zum Beispiel SVP oder CVP, die damit die Interessen der Landwirtschaft vertreten. Der Einfluss der Bauern auf politische Entscheide ist viel grösser als jener der Industrie, und das obwohl der Beitrag der Industrie ans BIP zehnmal höher ist als jener der Landwirtschaft.
Verstehen denn die Parlamentarier die Situation der Unternehmen in der MEM-Industrie?
P. Dietrich: Wir müssen immer wieder erklären, was in der Branche geschieht. Viele verstehen nicht, was es für ein KMU bedeutet, wenn es über Nacht mit einer Frankenaufwertung von knapp 20 % konfrontiert wird. Ein Unternehmen mit einer durchschnittlichen Marge von 5 bis 7 % kommt dadurch unverschuldet von einem Tag auf den anderen in die roten Zahlen.
Was erwarten Sie von der Politik?
P. Dietrich: Wenn ich Bilanz ziehe, dann sind in den letzten drei Jahren zusätzliche Belastungen für die Unternehmen gekommen. Dabei handelt es sich nicht nur um administrative Belastungen, sondern auch um Belastungen, die durch den politischen Prozess, d.h. durch die Volksinitiative, entstehen. Dieses Mittel wird heute für parteipolitische Zwecke instrumentalisiert mit der Folge, dass daraus für die KMU, die als Rückgrat der Schweizer Wirtschaft gelten, Nachteile entstehen. Hier möchte ich die Erbschaftssteuerinitiative erwähnen. Die Unsicherheit für den Standort Schweiz wird dadurch erhöht. Wir müssen darauf achten, dass wir uns nicht «zuregulieren» und dass das Investitionsklima weiterhin positiv bleibt.
Mit Bundesrat Johann Schneider-Ammann sitzt ein Industrieller in der Regierung. Kann er sich zu wenig durchsetzen?
P. Dietrich: Mit Bundesrat Johann Schneider-Ammann ist die Schweizer Industrie in der Regierung so gut vertreten wie noch nie zuvor. Aber es ist die Pflicht aller Bundesräte, sich für den Standort Schweiz einzusetzen.
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