Fusion bei Swissmechanic Die Sektionen Bern und Biel/Bienne fusionieren

Redakteur: Lya Bartholet

>> In der Vergangenheit war die Zusammenarbeit zwischen den beiden Sektionen Bern und Biel nicht immer optimal. Jede Sektion versuchte ihren eigenen Weg zu gehen. Erst mit der Wahl von neuen Präsidenten in der Sektion Bern mit Hans-Rudolf Graf und Stefan Fluri in der Sektion Biel/Bienne wurde der Weg für einen konstruktiven Dialog und eine engere Zusammenarbeit gelegt.

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Im Gespräch mit Swissmechanic: Markus Kammermann (links) und Stefan Fluri.
Im Gespräch mit Swissmechanic: Markus Kammermann (links) und Stefan Fluri.
(Bild: Swissmechanic)

Mit der Zusammenlegung der beiden Sekretariate nach Brügg im Oktober 2007 wurde die Basis für eine engere und bessere Zusammenarbeit gelegt. Mit der Anstellung eines gemeinsamen Geschäftsführers in der Person von Markus Kammermann auf den 1. Oktober 2008 und den beiden Sekretärinnen Eveline Muniz und Tiziana Perilli Lachat für die französischsprachigen Mitglieder verfügen die beiden Sektionen nun über ein schlagkräftiges gemeinsames Sekretariat. Im Frühling 2013 erfolgte der Spatenstich für ein gemeinsames Ausbildungszentrum in Münchenbuchsee. Es wird die ehemaligen ÜK-Zentren in Thun, Langenthal(2), Langnau und Biel ersetzen.

Swissmechanic: Wie lässt sich dieser Gesinnungswandel in dieser doch relativ kurzen Zeit erklären?

Stefan Fluri: Ich glaube, dass die persönlichen Voraussetzungen ausschlaggebend sind für eine gute Zusammenarbeit zwischen benachbarten Sektionen. Diesbezüglich haben Hans-Rudolf Graf und ich uns stets ausgezeichnet verstanden und konnten so sachbezogen und zielorientiert anstehende Probleme gemeinsam angehen. Zumal es ja auf der Hand liegt, dass Sektionen innerhalb des gleichen Kantons oft identische Aufgaben zu bewältigen haben. Als Unternehmer haben wir beide rasch erkannt, dass es wenig Sinn macht, doppelspurig zu arbeiten, und dass es vorteilhaft ist, die Synergien zu nutzen und die Kosten zu optimieren. Gemäss neuesten GV-Beschlüssen werden wir entsprechend in einem weiteren Schritt die beiden Sektionen per 1. Januar 2014 fusionieren.

Herr Kammermann, war es für Sie, nach der Anstellung zum neuen Geschäftsführer für beide Sektionen, überhaupt möglich festzuhalten, für welche Sektion Sie gerade arbeiten? Oder waren Sie allenfalls sogar mitverantwortlich für die verbesserte Koordination bis hin zur Fusion der beiden bis anhin unabhängigen Sektionen?

Markus Kammermann: Wie erwähnt wurde der Grundsatzentscheid zur Zusammenlegung der beiden Sektionen von den Vorständen gefasst. Unterschiedliche Auffassungen und teilweise auch emotionale Gründe standen am Anfang meiner Tätigkeit bei verschiedenen Mitgliedern einer engeren Zusammenarbeit und der Nutzung von Synergiepotenzial noch etwas im Wege. Nach knapp fünf Jahren freue ich mich nun, dass es gelungen ist, diese Phase mit der geplanten Fusion und dem neuen Kurszentrum positiv «abzuschliessen».

Bis anhin führten die Sektion Bern und die Sektion Biel wie vorgängig schon erwähnt 5 Kurszentren. Diese werden nun in Münchenbuchsee zu einem grossen Ausbildungszentrum vereint. Erfolgte dieser Schritt eher auf Druck der Bildungsdirektion des Kantons Bern oder spielten auch finanzielle Überlegungen der beiden Sektionen eine entscheidende Rolle für diesen doch mutigen Schritt?

S. Fluri.: Der finanzielle Aspekt spielte dabei sicher eine zentrale Rolle. Aber bereits vor dem Entscheid, ein gemeinsames Ausbildungszentrum zu bauen, wurde die Zusammenarbeit verstärkt, indem man sich zum Beispiel bei Ausfällen von Kursleitern gegenseitig ausgeholfen hat. Eine solche Zusammenarbeit wäre noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen. Mit den Bestimmungen des neuen Berufsbildungsgesetzes und den damit verbundenen Forderungen nach einer umfassenden CNC-Ausbildung und auch mit der neuen Subventionspolitik war es aus Kostengründen nicht mehr möglich, an jedem der 5 Standorte die zusätzlichen hohen Investitionen zu tätigen. Die Ausarbeitung verschiedener Standortszenarien, welche im Auftrag des Kantons zusammen mit einem unabhängigen Wirtschaftsexperten erstellt wurde, zeigte eindeutig auf, dass die Konzentration auf 1 Zentrum im Kanton Bern am vorteilhaftesten ist. Dies mit dem Nachteil, dass sich die Anfahrtswege natürlich teilweise verlängern werden. Die Generalversammlungen der beiden Sektionen unterstützten jedoch aus den verschiedenen vorgestellten Varianten klar die mit einem zentralen, topmodernen Ausbildungszentrum im Grossraum Bern.

Bis anhin waren die französischsprachigen Lernenden im Ausbildungszentrum Biel beinahe unter sich. Ergeben sich hier mit dem neuen gemeinsamen Zentrum mit Standort in der Deutschschweiz nicht neue Probleme mit den französischsprachigen Lernenden, aber auch mit den Betrieben aus dem französischsprachigen Kantonsteil?

M. Kammermann: Selbstverständlich wurde dieses Thema während der Phase der Entscheidungsfindung auch mit unseren welschen Verbandsmitgliedern besprochen, und der Entscheid der Zentralisierung war auch an der GV der Sektion Biel/Bienne einstimmig. Es sei erwähnt, dass mit der S-Bahn Münchenbuchsee von Biel aus innerhalb 20 Minuten erreichbar ist. Die Thematik der längeren Anfahrtswege ist für gewisse Mitglieder aus dem Berner Oberland einschneidender. Das Ziel ist klar, dass wir dort zusammen einvernehmliche Lösungen finden wollen. Erfahrungen aus andern Sektionen und Branchenverbänden zeigen, dass dies möglich ist. Im Vordergrund muss stehen, dass sich die Mitglieder für ein zweisprachiges topmodernes Ausbildungszentrum entschieden haben, welches ihren Lernenden eine motivierte und effiziente Grundlagenausbildung zu einem akzeptablen Preis bietet.

Verbunden mit Ihrer Anstellung als Geschäftsführer gehört auch die Akquisition neuer Mitglieder zu Ihren Aufgaben. Nimmt man nun die neuesten Zahlen zur Hand, stellt man fest, dass Ihre Mitgliederzahl stagniert. Was sind die Gründe?

M. Kammermann: Beachtet man nur die effektiven Zahlen, ist effektiv kein grosser Neuzugang an Mitgliedern zu sehen. Unser vereinbartes Ziel ist es, pro Jahr 8 bis10 neue Mitglieder für den Verband zu gewinnen. Innerhalb der letzten 4 Jahre konnten die Vorgaben meistens erreicht werden. Es gilt jedoch zu berücksichtigen, dass wir leider auch immer wieder Mitglieder aus den verschiedensten Gründen verloren haben (Geschäftsaufgabe usw.), was in der Summe zur angesprochenen Stagnation führte.

Vielfach hat man in der SM-Dachorganisation in Weinfelden den Eindruck, dass die Sektionen die Zentrale als Befehlsgeber empfinden. Dabei ist mit den Leistungsvereinbarungen der Kompetenzbereich der Dachorganisation einerseits und den Sektionen anderseits geregelt. Wie sehen Sie die Zusammenarbeit zwischen dem Sekretariat Bern und Biel/Bienne und Weinfelden?

M. Kammermann: Die Zusammenarbeit zwischen den beiden Partnern verbessert sich Schritt für Schritt. Mit der Umsetzung gemeinsamer Projekte insbesondere innerhalb des Berufsmarketings vergrössert sich das gegenseitige Verständnis, und man ist auf die Unterstützung angewiesen, was eine engere Zusammenarbeit fördert. Ich hätte mir gewünscht, dass die gemeinsamen Schritte schon viel früher angegangen worden wären, aber nun bin ich überzeugt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Mit dem Projekt Vision 2005 der Dachorganisation wurde bereits eine längerfristige Regionalisierung, sprich auch Pro-fessionalisierung aufgezeigt. Die Berner, sonst bekannt als eher bedächtige Leute, sind nun Vorreiter dieses gewünschten Regionalisierungs- und Professionalisierungsprozesses. Glauben Sie, dass diese Vorreiterrolle auch für andere Sektionen nun der Anstoss für Fusionierungen oder zumindest für eine ver-tiefte übersektionale Zusammenarbeit von Sektionen führen wird?

S. Fluri: Die in der Vision 2005 aufgezeigte Regionalisierung unserer Sektionen macht absolut Sinn. Wir müssen in Zukunft auf dem Markt professioneller auftreten können. Einerseits kann die Kompetenz gegenüber den Kantonen verstärkt und damit die Glaubhaftigkeit und Akzeptanz erhöht werden und anderseits fördert die eigene Professionalisierung das Verständnis gegenüber der Dachorganisation. Deshalb bin ich überzeugt, dass Sektionen, die weiterhin im Milizsystem geführt werden, die angesprochen umfassende Professionalisierung nicht angehen und sie sich weiterhin einzig auf den Bereich der Grundbildung für die Lernenden konzentrieren können. Ein Gebaren, das aus meiner Sicht aber längerfristig nicht im Sinne der Mitglieder sein kann.

Was erwartet die neue Sektion Bern/Bienne in Zukunft von der Swissmechanic-Dachorganisation?

M. Kammermann: Zusammen müssen gemeinsame Zielsetzungen und Aktivitäten unter Einbezug der Nutzung des Synergiepotenzials erarbeitet werden. Diese sind dann pragmatisch und zielgerichtet (KMU-like) Schritt für Schritt umzusetzen.

S. Fluri: Wir müssen gemeinsam den Schritt der Professionalisierung weiterführen, die vorhandenen Stärken bündeln und kompetent gegenüber aussen vertreten. Ferner müssen wir die stets wechselnden Bedürfnisse unserer Wirtschaft, sprich unserer Mitglieder, noch besser verstehen und diese mit entsprechenden Dienstleistungen seitens des Verbandes und der Sektionen abdecken. <<

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