Editorial SMM 10/2018 Die veränderte Welt durch Karl Marx

Redakteur: Anne Richter

Karl Marx dürfte den meisten Menschen bekannt sein, vor allem weil sich viele Diktaturen auf ihn berufen haben. Doch das entspricht ihm nicht. Seine Analysen zum Kapitalismus sind inzwischen allgemein anerkannt und viele seiner Ideen bereits umgesetzt – vor allem in den westlichen Sozialstaaten. Auch in der Schweiz.

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Anne Richter, Redaktorin Schweizer Maschinenmarkt
Anne Richter, Redaktorin Schweizer Maschinenmarkt
(Bild: Thomas Entzeroth)

Am 5. Mai vor genau 200 Jahren wurde Karl Marx in Trier geboren. Seitdem ist er mächtig in Verruf geraten, denn viele Diktaturen haben ihre Gewaltherrschaft und das nicht funktionierende Wirtschaftssystem mit Marx begründet. Zu Unrecht. Hinzu kommt, dass Marx seine Abhandlungen mit einer pessimistischen Sicht vor dem Hintergrund des Manchester-Kapitalismus geschrieben hat, als ein Massenelend existierte, wie wir es heute noch aus Ländern wie Bangladesch oder Indien kennen. Unbestritten dagegen sind Marx’ Analysen zur kapitalistischen Wirtschaftsform. Dass Krisen dem Kapitalismus notwendigerweise innewohnen, gehört heute zum Einmaleins der Marktwirtschaft. Marx glaubte auch an den Fortschritt durch die bürgerliche Gesellschaft, an die Befreiung der Arbeiter durch kürzere Arbeitszeiten, Unternehmertum und an Leistung. Vieles ist in den westlichen Sozialstaaten sogar schon umgesetzt, Semimarxismus nennt es die NZZ. «Starke Progressivsteuer, Geldmonopol der Nationalbank, Zentralisation des Transportwesens, nationale Industriepolitik, Verstaatlichung des Bauernstandes und unentgeltliche Erziehung aller Kinder gehören längst zu den Errungenschaften avancierter Wohlfahrtsstaaten», schreibt das liberale Blatt und auch die Schweiz ist nicht verschont geblieben: «die erweiterte Fiskalquote, die auch in der angeblich so liberalen Schweiz gegen 50 Prozent beträgt». Und damit hat er die Welt und die Schweiz verändert. <<

Ihre Anne Richter, Redaktorin SMM

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