Software AG: Profitieren KMU von der Digitalisierung? Digitalisiert produzieren – Chance oder Risiko?

Redakteur: Konrad Mücke

Die zunehmende Digitalisierung beschäftigt zahlreiche kleinere und mittelständische Fertigungsbetriebe (KMU). Über den Sinn und Nutzen von Daten in einer Cloud und von Software zur unternehmensweiten Digitalisierung sprachen wir mit Georg Berner, Geschäftsführer der SAG Software Systems AG in Zürich.

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Welche Chancen bieten die digitalisierte Produktion, das Internet-of-Things und die Datenhaltung in der Cloud?
Welche Chancen bieten die digitalisierte Produktion, das Internet-of-Things und die Datenhaltung in der Cloud?
(Bild: AdobeStock)

SMM: Herr Berner, welchen Nutzen können Sie Unternehmen versprechen, die sich ernsthaft mit Prozessen, Digitalisierung und Datenorganisation in der Cloud befassen?

Georg Berner: Da wir uns in einem sehr breiten Feld bewegen, kann auf verschiedenen Wegen Nutzen erzeugt werden, zum Beispiel durch Monetarisierung der Daten, Steigerung des Wachstums durch datengestützte Entscheidungen oder Reduzierung der Kosten durch Vereinfachung der IT-Landschaft. Wir haben über die Jahre viele nationale und internationale Projekte begleitet und damit auch sehr grosse Erfahrung mit unseren Kunden im Bereich Transformation, Digitalisierung und deren Wertschöpfung gesammelt. Dabei haben wir uns auf die firmenübergreifenden Verbindungen all der digitalen Anknüpfungspunkte in Unternehmen spezialisiert. Weiter unterstützen wir unsere Kunden im Gesamtprozess für den nötigen Reifegrad von intelligenten und vernetzten Produkten, deren Daten und aussagerelevanten Auswertungen. Die Produkte der Software AG sind herstellerneutral und bieten eine sehr gute Gesamtplattform für unternehmensweite Digitalisierungsaufgaben, ob on-premise, also vor Ort, oder in der Cloud. Dies auch unabhängig von der vorhandenen IT/ERP-Landschaft, deren Grös­se und Komplexität.

Software zur unternehmensweiten Digitalisierung und für das Internet of Things (IoT) gilt häufig als weit abgehoben von den realen Umgebungen in produzierenden Betrieben. Wie erreichen Sie speziell mittelständische Betriebe mit Ihren Softwarekonzepten?

G. Berner: Unsere IoT-Plattform Cumulocity ist modular aufgebaut. Man kann daher auch mit kleineren und dedizierten Aufgabenstellungen starten. Unsere Plattform kann dann – je nach Anforderung – erweitert werden und skaliert mit ihrer weitreichenden Funktionalität und ihren Architektureigenschaften sehr gut. Somit ist sie auch für ein KMU – auch unter Berücksichtigung der Gesamtkosten – klar erschwinglich. Zudem haben wir bestehende Use-Cases, die Neukunden schnell anwenden können, um den Einstieg in das Thema noch mehr zu vereinfachen.

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Was sollten interessierte Unternehmen tun, um zum Beispiel eine Plattform im Bereich IoT erfolgreich zu verwirklichen und aus dieser Digitalisierung einen Nutzen zu ziehen?

G. Berner: Eine solche IoT-Plattform bietet vielfach die Grundlage zur Entwicklung innovativer Geschäftsmodelle. Klar verbesserte Kundenbindung entsteht dabei auch vielfach durch die Analyse, Verarbeitung und Wiederverwendung gewonnener Sensordaten aller Art.

Dies geht dann meist einher mit einer klar besser harmonisierten IT-Landschaft und Prozessoptimierungen, bis hin zu vorbeugender Wartung der eigenen Produkte und Dienstleistungen. Häufig ergeben sich innovative Use-Cases ganz von allein, wenn die ersten Schritte gemacht wurden und damit Konzeptions- und Umsetzungskompetenz intern erlangt wurde. Neben der Datensammlung ist auch die Datenanalyse besonders hervorzuheben. Der effektive Nutzen kommt erst mit deren Auswertung und den daraus folgenden Entscheidungen und Aktionen.

Welche Akzeptanz findet die Digitalisierung mit Datenhaltung in der Cloud nach Ihren Erfahrungen bei den produzierenden Unternehmen in der Schweiz?

G. Berner: Beim Projekt Adamos zum Beispiel haben sich deutsche Maschinenbauer zusammengetan und eine gemeinsame IoT-Plattform – in einem für alle Interessenten offenen Joint Venture – gegründet, um gemeinsam einzelne Aspekte der Digitalisierung von produzierenden Unternehmen umzusetzen. Dieses Beispiel könnte auch in der Schweiz erfolgreich Schule machen.

Eine allgemeine Akzeptanz und Adaption ist zwingend notwendig, um auf dem Markt bestehen zu können – wie am Beispiel von Adamos erklärt. Es gibt auch sehr bekannte Negativbeispiele wie Blockbuster, Nokia oder Polaroid, die mit Alleingängen scheiterten.

Welche besonderen Hinweise und Tipps, zum Beispiel zu zeitlichen Abläufen, strukturiertem Vorgehen und qualifizierten Partnern, geben Sie mittelständischen Betrieben hinsichtlich der Digitalisierung und Realisierung des vernetzten Unternehmens?

G. Berner: Erarbeiten Sie intern – auf der Stufe Geschäftsleitung – einen validierten Business-Case mit einer belastbaren Machbarkeitsanalyse. Fragen Sie dazu auch Ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Diese haben meist viele sehr gute und innovative Anwendungsbeispiele bereits im Kopf und freuen Sie sich auf diesen strukturierten internen innovativen Dialog und Prozess.

Investieren Sie als Management persönliche Zeit, um intern Ihre Beschäftigten mitzunehmen auf diesen wichtigen Weg einer klar verbesserten Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Ihren Kunden.

Suchen Sie sich industrierelevante IoT-Beratung und somit entsprechende Anbieter und Partner. Wichtig ist auch, nicht mehr lange zuzuwarten.

Wir haben viel Erfahrung, wie es nicht geht. Es gibt keinen einzig richtigen Weg, sondern nur viele falsche – wir kennen die falschen.

Wie schätzen Sie die Chancen ein, dass in der Schweiz produzierende Betriebe durch IoT und Digitalisierung international wettbewerbsfähig bleiben?

G. Berner: Digitale Transformation ist für fast alle Unternehmen schon länger ein Thema. Was neu ist, ist die zunehmende Geschwindigkeit, mit der Innovationen entstehen. Amazon hat vorgemacht, wie man mit neuen Technologien den Handel neu erfindet. So ein Umbruch geschieht aktuell auch in anderen Branchen, ob bei Konsumgütern, in der Finanzindustrie oder bei produzierenden Betrieben. Während sich früher vielfach ausschliesslich die IT-Organisation um Innovationen kümmerte, treiben heute die CEOs sowie deren Fachpersonal die Transformation voran. Genau diese neue Art der Kollaboration lässt den Erfolg jedes Unternehmens steigen.

Herr Berner, vielen Dank für diese ausführlichen Informationen.

Georg Berner ist Managing Director Switzerland bei der Software AG in Zürich.

Das Interview führte Konrad Mücke. SMM

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