SFS: Effiziente C-Teile-Logistik

Digitalisierung optimiert Materialwirtschaft

| Autor / Redakteur: Konrad Mücke / Konrad Mücke

Wirtschaftlich und effizient: Automatisierte Werkzeugausgabe mit Bewirtschaftung durch den regionalen Service-Dienstleister
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Wirtschaftlich und effizient: Automatisierte Werkzeugausgabe mit Bewirtschaftung durch den regionalen Service-Dienstleister (Bild: Konrad Mücke)

Beim Lohnfertiger und Gerätehersteller Rapid Technik AG in Killwangen überzeugten sich Fachbesucher von den Vorteilen einer zeitgemässen Beschaffungslogistik für Werkzeuge und Industriebedarf. Zusammen mit dem Fachhandelsdienstleister SFS hatte man zum Open House eingeladen.

Am 12. September empfing der Agrar- und Kommunalgerätehersteller in Killwangen mehr als 250 geladene Gäste. Diesen präsentierte man sich vor allem als leistungsfähiger Lohnfertiger. Jüngst haben die Spezialisten in Killwangen ihre Fertigungskapazitäten nochmals erweitert. Damit fokussiert der Lohnfertiger auf grosse Bauteile in kleinen und mittleren Serien.

Aufträge erhält er überwiegend aus der Eisenbahnindustrie, der Luft- und Raumfahrt sowie aus dem allgemeinen Maschinen- und Sondermaschinenbau. Bearbeitet werden beispielsweise Getriebegehäuse und Ventilblöcke aus Gusseisen, aber auch unterschiedliche Bauteile aus Aluminium und Titan. Darüber hinaus fertigen die Techniker bei Rapid selbstverständlich für das eigene Programm an Einachsschleppern sämtliche benötigten Komponenten, wie Achs-, Getriebe- und Kupplungsgehäuse, Ventilblöcke, Achsen und Wellen, sowie die Bauteile für die Anbaugeräte, zum Beispiel Messerbalken.

Spezialist für Rühr-Reib-Schweissen

Besonders aufmerksam und interessiert informierten sich die Fachbesucher in Killwangen über das Rühr-Reib-Schweissen. Der Lohnfertiger Rapid zählt zu einigen wenigen Unternehmen in der Schweiz beziehungsweise sogar europaweit, die dieses Fügeverfahren erfolgreich anwenden. Mit ihm lassen sich Bauteile aus unterschiedlichen Stahl- und NE-Metalllegierungen zuverlässig verbinden. Besonders vorteilhaft ist, dass sich die Werkstücke nur wenig erwärmen und sich somit nur minimal oder gar nicht verziehen. Zudem sind die gefügten Bauteile absolut dicht gegen Flüssigkeiten und Gase. Deshalb können mit diesem Schweissverfahren insbesondere Gehäuse für Wärmetauscher, Kühl- und Heizaggregate, Messgeräte und ähnliche Anwendungen gefertigt werden. Auch Bauteile mit erheblich unterschiedlichen Volumina und Abmessungen lassen sich problemlos fügen. Das betrifft zum Beispiel sehr dünne Platten auf dickwandigen Gehäusen oder sehr kleine Bauteile an grosssen Blöcken. Zum Rühr-Reib-Schweissen dringt ein speziell profiliertes Werkzeug aus Hartmetall (ähnlich einem Bohr-Fräswerkzeug) drehend in den Werkstoff ein und wird dann entlang der zu verbindenden Konturen vorgeschoben. Der Werkstoff wird bis zu einem zäh-plastischen Zustand erwärmt und aus den unterschiedlichen Bauteilen miteinander vermengt. So entsteht ein homogener Werkstoff. Da nur kleine Kräfte eingebracht werden, erfordert das Verfahren nur leichte Vorrichtungen zum Aufspannen der Werkstücke. Der Lohnfertiger Rapid in Killwangen verfügt inzwischen über eine grosse, fünfachsige Portalmaschine. Er kann also neben flächigen auch beliebig dreidimensional geformte Bauteile miteinander verschweissen.

Nach dem Schweissen können die Bauteile unverzüglich aus der Maschine entnommen werden. Als Nacharbeit ist lediglich die Oberfläche auf die geforderte Oberflächengüte zu fräsen oder zu schleifen. Die gefügten Bauteile können problemlos mit allen spanenden Bearbeitungsverfahren auch im Bereich der Schweissnaht bearbeitet werden.

Fertigungsabläufe optimieren

Flexibel arbeitet ein Lohnfertiger wie Rapid vor allem bei minimierten Durchlaufzeiten. Das schafft er beispielsweise, in dem er häufig wiederkehrende Werkstücke in Sondervorrichtungen geschickt mehrfach aufspannt. Das betrifft unter anderem Achsgehäuse für Einachsschlepper. Die Fertigungstechniker in Killwangen zeigten hierzu einige Vorrichtungen und erläuterten die entsprechenden Abläufe. Auf einer Palette werden die Rohteile so aufgespannt, dass sämtliche für ein Gerät benötigten Einzelteile in einem Fertigungsdurchlauf im Flexiblen Fertigungssystem (Fastems) komplett an allen Seiten bearbeitet werden. Wie die Techniker berichten, verwirklicht man damit vor allem ein günstiges Verhältnis von Aufspann- und Bearbeitungszeiten. In den üblichen Arbeitsschichten spannt das Personal die Gussstücke auf Paletten, die die Sondervorrichtungen tragen. Danach stehen diese im Speicher des FFS bereit. Abhängig von den geplanten Auftragsfolgen und den programmierten Prioritäten bearbeiten die Bearbeitungszentren im FFS die Bauteile. Dies kann auch in unbeaufsichtigten Schichten über Nacht oder an Wochenenden geschehen.

Andere Bauteile, die zum Beispiel im Lohnauftrag erstmalig gefertigt werden, spannt das Personal dagegen auf Standardvorrichtungen. Diese Werkstücke werden im FFS üblich in den beaufsichtigten Arbeitsschichten bearbeitet. Das gewährleistet, dass die geforderten Genauigkeiten eingehalten werden. Selbstverständlich verfügt der Lohnfertiger in Killwangen über eine hochwertige Messtechnik – unter anderem Koordinatenmessgeräte –, um die Qualität der Bauteile sichern und nachweisen zu können.

Stillstände vermeiden

Eine Vielzahl kleinerer Bauteile, zum Beispiel Achsen, Bolzen und verzahnte Zahnradwellen, fertigen die Spezialisten in Killwangen auf einzelnen Standardmaschinen, wie CNC- Langdrehautomaten mit Stangenlademagazinen, oder zuvor geschweisste Elektronikgehäuse und Wärmetauscher auf vertikalen Bearbeitungszentren. Um hoch produktiv und wirtschaftlich zu arbeiten, sind dabei die Stillstandszeiten zu minimieren. Diese können beispielsweise durch fehlende oder unrichtig voreingestellte Werkzeuge oder durch mangelnden Vorrat an Rohmaterial verursacht sein. Dafür verfügen die Lohnfertiger inzwischen in Verbindung mit der SFS unimarket AG über ein ausgeklügeltes Materialbeschaffungssystem. Für kleinere Dreh- und Fräswerkzeuge nutzen sie die automatisierte Werkzeugausgabe Tool24 (Hoffmann Garant). In diesem flexibel unterteilbaren Werkzeugschrank befinden sich insbesondere Monoblock-Hartmetallwerkzeuge und Wendeschneidplatten. Die Prozesse zum Befüllen, Entnehmen und Bewirtschaften der Werkzeugausgabe sind weitgehend digitalisiert und automatisiert. Um Werkzeuge zu entnehmen, identifizieren sich die Maschinenbediener mit einer Ausweiskarte. Auf dem Touch-Screen wählen sie auf Fingerdruck das gewünschte Werkzeug oder die Schneidplatte. Das Schubfach öffnet automatisch und schliesst nach dem Bestätigen der Entnahme ebenso wieder selbsttätig.

Die Software des Werkzeugausgabesystems verwaltet automatisch die Bestände und Vorräte. Sind (flexibel und individuell einstellbare) Mindestmengen unterschritten, informiert es online die Spezialisten beim Fach- und Onlinehandel SFS unimarket. Dort bestimmen die Experten über die Software die benötigten Mengen und liefern diese termingerecht aus. So gewährleisten sie, dass beim Lohnfertiger in Killwangen stets ausreichende Mengen an Werkzeugen vorhanden sind. Damit tragen sie mit der digitalisierten und automatisierten Bewirtschaftung der Werkzeuge wesentlich dazu bei, Maschinenstillstände zu vermeiden.

C-Teile-Management digitalisieren und automatisieren

Ähnliche Bewirtschaftungssysteme bieten sie auch für C-Teile, zum Beispiel für Ausrüstung zum persönlichen Arbeitsschutz (Handschuhe, Gehörschutz und ähnliches) sowie für Norm-Montagelemente, wie Bolzen, Schrauben, Sicherungsscheiben. Diese Systeme minimieren zum einen den Arbeits- und Kostenaufwand in der Logistikkette, zum anderen sorgen sie für maximale Sicherheit in allen Prozessen. Fehlmengen sind bei der automatisierten und digitalisierten Bewirtschaftung ausgeschlossen. Zu Beginn beraten die Experten von SFS unimarket ausführlich die Anwender hinsichtlich des Leistungsumfangs. Die jeweils benötigten und bereitzustellenden Mengen (Mindestbestand, maximale Menge pro Einzellieferung) werden individuell bestimmt und können bedarfsgerecht flexibel angepasst werden. Über das System eLogistiks von SFS unimarket können unterschiedliche Lieferanten jeweils nach Bedarf in die Logistikprozesskette integriert werden. Auch die Fakturierung lässt sich mit Hilfe digitalisierter Prozesse weitgehend automatisieren. Somit entlastet diese automatisierte Bewirtschaftung die Fertigungsbetriebe von langwierigen und umständlichen Abläufen in der Beschaffungslogistik.

Sie können sich vollauf auf ihre Kernkompetenz – flexibles und produktives Fertigen hochwertiger Bauteile – konzentrieren. Durch den Entfall beziehungsweise das Übertragen der Verwaltungs- und Logistiktätigkeiten arbeiten sie zudem meist deutlich wirtschaftlicher. - kmu - SMM

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