SMM-Exklusiv-Interview mit Prof. Dr. Hans Gut, Managing Director MAN Diesel & Turbo Schweiz AG

Dr. Hans Gut: «Das können nur wir»

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Wie und wo würden Sie Ihr Unternehmen gegenüber Ihrem Umfeld positionieren?

H. Gut: In der Luftzerlegung sind wir bei den grossen Anlagen Weltmarktführer. Sowohl der Vertrieb als auch die Auslegung und Projektleitung findet direkt hier in Zürich statt. Im Bereich der Öl- und Gasförderung sind wir der Technologieführer im Bereich der hermetisch gekapselten Kompressoren.

Woran stellen Sie eine solche Technologieführerschaft fest? Verfügen Sie über Alleinstellungsmerkmale?

H. Gut: Ja, absolut. Bei den Offshore-Öl- und Gas-Quellen sind wir der einzige Kompressorenhersteller weltweit, dem es vor rund 2 Jahren gelungen ist, eine gesamte Kompressoren-Anlage direkt auf dem Meeresboden in Betrieb zu nehmen. MAN ist in diesem Bereich der Pionier.

Was bringt Ihr neues Fördersystem am Meeresboden den Öl- und Gas-produzierenden Unternehmen?

H. Gut: Dank unserer Technologie wird die Öl- und Gasförderung wieder ein sehr profitables Geschäft. Verglichen mit der konventionellen Offshore-Förderung von Öl und Gas, bedeutet der Einsatz der neuen Unterwasser-Technologie eine signifikante Erhöhung von Förderraten. Beim Åsgard-Feld in der Norwegischen See werden beispielsweise rund 306 Millionen Barrel Öl-Einheiten zusätzlich gefördert. Zudem sind die Investitionskosten niedriger, bei gleichzeitig geringerem Energiebedarf und sinkenden CO2-Emissionen.

Wer ist noch in der Lage, ein Fördersystem für den Unterwassereinsatz zu entwickeln und am Meeresboden zu installieren?

H. Gut: Niemand! Wir sind die Einzigen, die das können. Die beiden 11,5-MW-HOFIM-Motor-Kompressor-Anlagen sind die Ersten weltweit, die auf dem Meeresboden installiert und in Betrieb genommen wurden. Die gesamte Projektleitung ist in Zürich angesiedelt. Das System ist in Zürich entwickelt, produziert, montiert und getestet worden. Unser Prüfstand ist einzigartig, um solch anspruchsvolle Technologien testen zu können. Schlussendlich wurde die Montage und Inbetriebsetzung bei unserem Kunden in Norwegen von unserem Personal aus Zürich gemacht. Unsere Systeme sind sozusagen 100 Prozent Swiss Made.

Wie kann man sich eine solche Montage auf dem Meeresboden vorstellen?

H. Gut: Die Installation wurde ca. 300 Meter unter Wasser komplett per Roboter durchgeführt. Das sind sowohl ferngesteuerte als auch bemannte Roboter. Unser Unterwasser-Kompressoren-System ist eine bahnbrechende Innovation in der Öl- & Gas- Industrie.

Solche Systeme müssen doch extrem prozesssicher ausgelegt werden. Wie machen Sie das?

H. Gut: Wir müssen einige Subsysteme redundant auslegen. Sollte eine Baugruppe einen Defekt haben, ist immer ein Ersatz auf der Plattform vorhanden. Die defekte Baugruppe wird voll automatisiert aus- und eingekoppelt. Eine grundlegende Voraussetzung für den Betrieb einer Unterwasser-Maschine ist die Fernbetätigung und -überwachung des Systems. Wir reden hier von 12-kV-Stromleitungen und die Systeme erzeugen einen Druck von 100 bar. Es ist schon verrückt, was man heute machen kann.

Was passiert, wenn ein solcher Kompressor ausfällt?

H. Gut: Unsere Anlagen fallen nicht aus. Wir haben vorgesorgt. Typische Verschleissteile an unseren Kompressoren sind die Lager. Wir setzen deshalb auf berührungslose Magnetlager – mehr Sicherheit geht nicht. Selbst wenn ein Magnetlager ausfällt, würde die Welle in ein keramisches Stützlager fallen. Gleichwohl, wenn etwas defekt ist, muss es innerhalb von 24 Stunden ersetzt werden. Wenn eine Gasförderung ausfällt, dann gehen bis zu 1 Million Dollar pro Tag an Umsatz verloren. Deshalb müssen wir extrem schnell reagieren können.

Dann müssen Sie über entsprechend gut ausgebildetes Personal verfügen?

H. Gut: In Zürich können wir auf ausgezeichnetes und hervorragend ausgebildetes Personal zählen. Aus meiner Sicht haben wir hier für die Personalrekrutierung sehr gute Voraussetzungen und auch allgemein ist Zürich ein wirtschaftsfreundlicher Standort. Der tertiäre Sektor wie Banken und Versicherungen ist sehr wichtig, aber der sekundäre Sektor, wie die Industrie, ist für die Stadt nach wie vor bedeutend. Wir hatten mit Ursula Koch eine sehr gute Stadträtin, die die Weichen für Zürich und deren industrielle Entwicklung richtig gestellt hat.

Der Ölpreis ist in den letzten Jahren massiv gesunken, welche Auswirkungen hatte das für Ihr Unternehmen?

H. Gut: BP, Shell, Gazprom, Chevron und Exxon, nur um einige Grosse zu nennen, profitierten lange Zeit von einem Preisniveau um die 100 $ pro Barrel bis etwa 2014. Heute liegen die Rohölpreise bei 50 $ pro Barrel. Das ist ein Umsatzverlust von 50 Prozent gegenüber 2014.

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