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Und die Fracking-Förderung in den USA, hat das wirtschaftlich überlebt?
H. Gut: Ja, das haben sie. Wenn der Ölpreis wieder anzieht, wird auch hier wieder investiert werden.
Das heisst, es wird wieder vorwärtsgehen?
H. Gut: Wir bemerken bereits jetzt, dass es mit den Investitionen wieder aufwärtsgeht. Das sind sehr erfreuliche Anzeichen.
Wie kann man an einem Standort wie Zürich als klassisches Maschinenbauunternehmen wirtschaftlich überleben?
H. Gut: Das geht nicht mit Standardanwendungen. Und ich denke, ich habe deutlich gemacht, dass wir in den genannten Bereichen nicht nur Weltmarktführer sind, sondern über technologische Alleinstellungsmerkmale verfügen. Bisher ist kein anderer Anbieter weltweit in der Lage, uns zu konkurrenzieren. Wir entwickeln somit einen beachtlichen Mehrwert hier am Standort Zürich. Zwei Drittel unserer Mitarbeiter sind Ingenieure. Engineering-Leistungen müssen auch in Zukunft in der Schweiz erbracht werden.
Wie schätzen Sie die Zukunftsfähigkeit des Werkplatzes Schweiz ein?
H. Gut: Der Werkplatz Schweiz ist ein High-Tech-Standort. In der Schweiz wird es immer dann interessant, wenn hochtechnologische Engineering-Leistungen gefordert sind. Aus meiner Sicht wäre auch eine automatisierte Massen-Produktion möglich, wie beispielsweise eine Handyproduktion. Mir ist rätselhaft, warum man das nur in China macht.
Wie weit sind Sie bei der Umsetzung von Industrie 4.0?
H. Gut: Wir können unsere Anlagen komplett überwachen. Wir verfügen darüber hinaus über sogenannte digitale Zwillinge unserer installierten Anlagen. Es ist aber auch so, dass uns nur wenige Kunden einen digitalen Zugriff auf ihre Anlagen gewähren. Technologisch wäre vieles möglich, aber der Kunde will es nicht.
Industrie 4.0 umzusetzen, kann am Kundenwunsch scheitern?
H. Gut: Industrie 4.0 bietet aussergewöhnliche Möglichkeiten. Zum Teil gibt es sicherlich Hemmnisse aufgrund der Kundenwünsche aber auch aufgrund rechtlicher Aspekte. Die Daten, die wir aus den Anlagen generieren, gehören dem Kunden, da gibt es nichts zu diskutieren.
Ist es Luxus, in der Schweiz zu produzieren?
H. Gut: Ich würde sagen, es ist anspruchsvoll. Ich habe einen guten Einblick in unsere verschiedenen MAN-Standorte und deren unterschiedliche Produktionskosten. MAN Schweiz steht gut da und ist konkurrenzfähig. Gesamthaft für die Maschinenindustrie gesprochen: In den letzten 20 Jahren haben wir kaum Verschiebungen bekommen. Wir bewegen uns laut Swissmem (dem Branchenverband der Schweizerischen Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie) seit 1997 zwischen 330 000 und 350 000 Mitarbeitern am Werkplatz Schweiz.
Bei MAN Diesel & Turbo wurde in 2016 das Optimierungsprogramm Basecamp 3000+ ins Leben gerufen. Was hat es damit auf sich?
H. Gut: Basecamp 3000+ ist das weltweite MAN-Diesel-&-Turbo-Effizienzsteigerungsprogramm. In der Schweiz spielen zwei wesentliche Faktoren eine Rolle. Erstens: Seit Ende 2014 haben wir eine wirtschaftliche Abschwächung auf uns zukommen sehen. Aufgrund des niedrigen Ölpreises investieren die Ölkonzerne weniger in ihre Produktionsmittel. Zweitens fordert uns der starke Schweizer Franken. Die Wechselkursentwicklung muss man 25 Jahre zurückverfolgen. Damals hat man noch den ECU als europäische Durchschnittswährung als Basis genommen. Zwei Schweizer Franken haben einem ECU entsprochen. Mit der Euro-Einführung in 1999 hat sich der Franken bei 1.60 eingependelt. Jetzt sind wir bei 1.09.
Wie geht man als Maschinenbauunternehmen mit dem starken Schweizer Franken um?
H. Gut: In der Eurozone gab es eine Inflation, die wir so in der Schweiz nicht hatten. Beim Kursrückgang von 1.35 zu 1.25 hatte die Eurozone 3 % Inflation pro Jahr, die Schweiz 0 %. Die Stärke der Schweizer Währung hat sich in 25 Jahren verdoppelt. Das hatte ganz massive Auswirkungen auf die Schweizer Industrie und natürlich auch auf uns. Denn wir mussten uns in den vergangenen 25 Jahren ständig fit machen, um dem wachsenden Wettbewerbsdruck durch die stärker werdende Währung zu widerstehen. Das ist letztlich der Grund, dass MAN ein Effizienzsteigerungsprogramm lanciert hat.
Ihr Unternehmen respektive die Schweizer Industrie sind sozusagen im ständigen Zugzwang, zu optimieren.
H. Gut: Genau, das ist letztendlich das, was die Schweizer Industrie auszeichnet. Sie ist nicht stehen geblieben. Sie hat auf Effizienz gesetzt, sie hat ihre Produktion optimiert, sie hat moderne Produkte entwickelt, die zum Teil Alleinstellungsmerkmale haben, die weltweit nur wenige Mitbewerber anbieten.
Welche Optimierungen haben Sie bei MAN in Zürich durchgeführt?
H. Gut: Wir haben die klassischen Sachen optimiert und modernisiert: Wir haben in den Maschinenpark investiert und auf Lean Manufacturing gesetzt, Stichwort 5S-Methoden. Wir haben vor allem eine saubere Produktionsplanung mit einem PPS (Produktions-Planungs-System) eingeführt, welche die gesamte Wertschöpfungskette berücksichtigt.
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