SMM-Exklusiv-Interview mit Prof. Dr. Hans Gut, Managing Director MAN Diesel & Turbo Schweiz AG

Dr. Hans Gut: «Das können nur wir»

Seite: 4/4

Firmen zum Thema

Haben Sie nur die Produktion optimiert?

H. Gut: Begonnen haben wir in der Produktion und Montage und haben das PPS schliesslich auf unser gesamtes Unternehmen ausgeweitet. Wir haben den Verkauf, das Engineering bis hin zur Verwaltung in die Produktionsplanung integriert. Wir planen heute die gesamte Wertschöpfungskette vom Büro bis zur Montage per PPS.

Was hat das gebracht?

H. Gut: Das hat uns extrem viel gebracht, weil wir unsere Ressourcen sehr viel sorgfältiger einsetzen. Einer der grossen Vorteile an unserem Schweizer MAN-Standort sind die ausgezeichnet funktionierenden Abläufe. Wenn wir beispielsweise merken, dass wir Engpässe haben, dann wissen wir sofort, wo, wie, wann und mit welchem Personal wir ansetzen müssen.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 6 Bildern

Sie sagten, ihre Auftragslage verbessert sich. Können Sie die Produktion problemlos hochfahren?

H. Gut: Wir haben eine Grundauslastung für das Neugeschäft, aber auch für unsere Servicegeschäfte. Der Service ist ein wichtiger Umsatzbereich. Er liegt über einem Drittel unseres Gesamtumsatzes. Die Produktion ist relativ einfach hochzufahren. Die Spitzen beispielsweise können wir mit Zulieferunternehmen abdecken. Da haben wir unterschiedliche Möglichkeiten, aber wir müssen natürlich entsprechend flexibel sein.

Welche Rolle spielen Zulieferer hier in der Schweiz?

H. Gut: Wir nutzen einen globalen Zuliefermarkt. Die Hälfte unseres Umsatzes ist eingekauft. Da wir global einkaufen, können wir die Währungseinflüsse relativ gut beeinflussen respektive eliminieren. Der Schweizer Zuliefermarkt, sprich die verlängerte Werkbank, spielt für unsere Produktion eine ganz wesentliche Rolle. Das sind typischerweise Unternehmen in einem Umkreis von 50 Kilometern.

Wie schätzen Sie die Zuverlässigkeit und Qualität Ihrer Schweizer Zulieferer ein?

H. Gut: Die Schweizer Zulieferunternehmen sind sowohl technologisch als auch wirtschaftlich sehr gut aufgestellt. Was schon immer ausgezeichnet war und ist, ist deren Qualität und die Einhaltung der Lieferfristen. Ich habe bereits erwähnt, dass unsere Systeme nicht ausfallen dürfen. Das geht nur über Qualität, Qualität und nochmals Qualität. Letzten Endes gilt das auch für unsere Zulieferer. Zudem müssen sie sich immer mit der Effizienz auseinandersetzen. Das sind die wichtigsten Elemente, um zukunftsfähig zu bleiben.

Ist es immer sinnvoll, auf das günstigste Zulieferbauteil zu setzen?

H. Gut: Nein, sicher nicht. Es hängt von vielen Faktoren ab. Nehmen wir ein beliebiges Bauteil, das man in China 30 % günstiger einkaufen kann. Für mich ist wichtig, den Gesamtzusammenhang zu betrachten. Wie viel Geld muss ich gesamthaft investieren, damit ein solches Bauteil in China 30 % günstiger hergestellt werden kann? Wie oft muss ein Techniker von Zürich nach China fliegen, um dort die Produktionsprozesse zu überprüfen? Das fliesst alles mit in die Kosten ein. Aus meiner Sicht ist es entscheidend, die Total Cost of Ownership (TCO, Gesamtbetriebskosten) beim Einkauf zu berücksichtigen.

Werden die Produktionskosten Deutschland versus Schweiz bei MAN verglichen?

H. Gut: Ja, wir vergleichen beispielsweise die Stundensätze. Da sind die deutschen Kollegen natürlich günstiger. Dann komme ich aber auch hier mit dem gesamthaften TCO-Ansatz. Wenn wir auch die Aspekte wie Arbeitszeiten, Ferien, Krankenstand etc. betrachten (schlicht die Effizienz), ist der Schweizer Standort hochwirtschaftlich. SMM

(ID:44773677)

Über den Autor