SMM-Exklusiv-Interview mit Prof. Dr. Hans Gut, Managing Director MAN Diesel & Turbo Schweiz AG Dr. Hans Gut: «Das können nur wir»

Autor: Matthias Böhm

Prof. Dr. Hans Gut, Managing Director der 750 Mitarbeiter starken MAN Diesel & Turbo Schweiz AG in Zürich, ist ein wandelndes Lexikon. Da kommt selbst Google ins Hintertreffen. Ein CEO, der mit nahezu allen technischen Details der Kompressionsmaschinen vertraut ist.

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«Unsere Systeme sind 100 Prozent Swiss Made.» Prof. Dr. Hans Gut, Manag­ing Director, MAN Diesel & Turbo Schweiz AG.
«Unsere Systeme sind 100 Prozent Swiss Made.» Prof. Dr. Hans Gut, Manag­ing Director, MAN Diesel & Turbo Schweiz AG.
(Bild: Thomas Entzeroth)

SMM: Können Sie uns einen kurzen Überblick geben, was MAN Diesel & Turbo produziert?

Prof. Dr. Hans Gut: MAN Diesel & Turbo entwickelt und fertigt mittlere bis grosse Zwei- und Viertaktmotoren bis etwa 100 000 PS Leistung, für maritime und stationäre Anwendungen, Turbolader und Propeller sowie Gas- und Dampfturbinen, Kompressoren und chemische Reaktoren. Dazugehören auch Komplettlösungen wie Schiffsantriebssysteme, Motorenkraftwerke und Turbomaschinensätze für die Öl- und Gas- sowie die Prozessindustrie.

Und was wird am Standort Zürich entwickelt?

H. Gut: Wenn ich es in einem kurzen Satz sagen darf: Wir entwickeln, konstruieren und produzieren Kompressoren-Systeme, um Gase und Luft zu komprimieren. In unseren Anwendungsfällen haben wir immer mit sehr hohen Volumenströmen bei hohen Drücken zu tun. Die Leistungen liegen im MW-Bereich.

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Welche Rolle – technologisch, umsatzmässig, Mitarbeiterzahl, strukturell – hat MAN Diesel & Turbo Schweiz AG in Bezug zum Mutterkonzern MAN Diesel & Turbo SE?

H. Gut: MAN in der Schweiz ist eine eigenständige Aktiengesellschaft mit rund 750 Mitarbeitern. Unser Mutterkonzern hat weltweit 14 000 Mitarbeiter, damit verfügen wir in Zürich über einen Anteil von 5 % der Belegschaft.

In welche Regionen exportiert MAN Diesel & Turbo Schweiz?

H. Gut: Zu etwa gleichen Teilen exportieren wir nach Europa, China, dem Nahen Osten und den übrigen Weltregionen. Wir sind ein 100-prozentiges Export­unternehmen, in der Schweiz generieren wir keinen Umsatz.

Wo werden solche Kompressoren-Systeme eingesetzt?

H. Gut: Generell sind die Öl- und Gas-Produzierenden als auch verarbeitenden Industrien unsere wichtigsten Geschäftsfelder. Hier unterteilen wir in folgende Bereiche: Zum einen die Technologien, die direkt für die Öl- und Gasförderung ausgelegt werden, dann der Sektor der Raffinerien und schliesslich Gas-Transport und -Speicherung. Für alle Bereiche entwickeln und produzieren wir massgeschneiderte Lösungen.

Welche Aufgaben haben die MAN-Kompressoren-Systeme in der Öl- und Gasförderung?

H. Gut: Bei der Öl-Förderung kommt das Öl in den seltensten Fällen von alleine aus dem Bohrloch. Das heisst wir müssen Gas in das Feld pumpen, um einen Druck im Ölfeld zu erzeugen. Das hört sich einfach an, ist aber ein extrem komplexes Unterfangen, nicht zuletzt wegen der enormen Volumenströme, der hohen Drücke und den unwirtlichen, schwierigen Umgebungsbedingungen.

Ist MAN zu 100 % abhängig von der Öl- und Gasindustrie?

H. Gut: Nein, zum Glück nicht. Auch die Prozessindustrie, welche unter anderem Gase für die Medizintechnik, die Lebensmittelindustrie oder Industrie-Anwendungen herstellt, gehört zu unserem Kundensegment. Die Industrie benötigt technische Gase für medizinische Anwendungen, beim Schweis­sen oder bei der Stahlherstellung (Frischen mit Sauerstoff bei der Rohstahlherstellung) usw. Luft besteht aus unterschiedlichsten Gasen, die man isolieren, d. h. in ihre verschiedenen Bestandteile zerlegen kann. Grundvoraussetzung für den von uns angewandten Prozess, um Luft in ihre Bestandteile zu trennen, ist, dass die Luft komprimiert wird. Hierfür werden unsere Kompressoren-Systeme benötigt.

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