Anwender konnten sich auf der EMO Hannover davon überzeugen, wie man mit kleinem Aufwand die Produktivität deutlich erhöhen kann. Die schleppende Nachfrage auf europäischer Ebene bremst die Investitionsbereitschaft der Metallbearbeitungsbranche, erhöht aber gleichzeitig den Wettbewerbsdruck auf die Unternehmen.
Bei Standardkomponenten bewältigen die Kurzklemmhalter einen Durchmesserbereich von 28 bis 3200 Millimeter.
(Bild: Wohlhaupter)
Deshalb lohnt sich der Blick auf die Stellschrauben, bei denen bereits kleine Investitionen eine vergleichsweise grosse Wirkung entfalten. Werkzeughersteller wissen das und entwickeln für ihre Kunden immer effizientere Lösungen. Davon konnte sich das Fachpublikum auf der EMO 2025 überzeugen. Denn die Aussteller zeigten, wie Anwender Produktivität, Präzision und Standzeit mit kleinem Aufwand deutlich steigern und ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken können. Einblicke geben vier Praxisbeispiele.
Kurzklemmhalter mit Digitalanzeige erhöht Produktivität
Die Weiterentwicklung bereits bewährter Lösungen ist eine der Stellschrauben. Sie kommt etwa dann zum Zug, wenn es bei der Finish-Bearbeitung von Bohrungen wegen sehr geringer Toleranzen um höchste Einstellgenauigkeit der Werkzeuge geht.
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«Unsere mit dem ‹ES-Bore Kurzklemmhalter› gekoppelte Digitalanzeige ‹3E Tech+› sorgt für höhere Produktivität, indem sie Nebenzeiten reduziert. Die Anzeige visualisiert den Verstellweg mit einer Ablesegenauigkeit von 1 μm im Durchmesser», erklärt Axel Wagner, Business Development Manager bei Wohlhaupter. Das vereinfacht den Einstellprozess enorm, denn zusätzliche Hilfsmittel wie Reiterlehren entfallen.
«Bei einer Reihenbohrstange mit fünf Verstelleinheiten reduziert sich die Einstelldauer von durchschnittlich zehn Minuten auf weniger als eine Minute», rechnet Wagner exemplarisch vor. Ein weiterer Effekt: Die optimierte OLED-Digitalanzeige dreht sich wie das Display eines Handys automatisch mit – egal ob das Werkzeug horizontal oder vertikal ausgerichtet ist. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil in engen, dunklen Maschinenräumen. Und sollte das Bedienpersonal einmal vergessen, das Display abzunehmen, fällt es beim Einschalten der Spindel automatisch ab, was das Unfallrisiko auf 0 senkt.
Einstellgenauigkeit von 0,005 mm im Durchmesser
Die Kurzklemmhalter gibt es auch als analoge Variante mit einer Einstellgenauigkeit von 0,005 mm im Durchmesser. Zudem können die Kurzklemmhalter auch in von Kunden selbst hergestellten Sonderbohrstangen eingesetzt werden. Sogar bestehende Werkzeuge, in denen Kurzklemmhalter mit analoger Verstellung verbaut sind, können mit den digitalen Kurzklemmhaltern ausgestattet werden, wovon sich Interessierte auf der EMO 2025 überzeugen konnten.
Gewindebohren – Change a running System
Der Gewindebohrer bietet hohe Prozesssicherheit gerade bei Kleinserien.
(Bild: Reime Noris)
Eine viel zu oft übersehene Optimierungsmöglichkeit ist Christoph Schneider zufolge das Gewindebohren. Der Produktmanager bei Reime Noris weiss, dass der Prozess, der meist am Ende der Produktionskette steht, gerne durchs Optimierungsraster fällt.
«Nach dem Motto ‹never change a running sytem› greifen Anwender gerne auf bewährte Prozesse zurück. Dabei können sich schon kleine Verbesserungen an der Werkzeugaufnahme erheblich auf Standzeit, Prozesssicherheit und letztlich Kosten auswirken», sagt Schneider.
Je nach Prozess können Anwender dank der kürzlich weiterentwickelten Werkzeugaufnahme gepaart mit dem Gewindebohrer aus Pulverstahl, die Standzeit auf mehr als das Doppelte erhöhen. Insbesondere die Werkzeugaufnahme mit Minimallängenausgleich hat erheblichen Einfluss auf die Produktlebensdauer.
Den Ingenieuren des Herstellers ist es gelungen, die im Prozess entstehenden Axialkräfte zu senken, was die Prozessstabilität deutlich verbessert und damit die Standzeit erhöht. Im integrierten Spannfutter sitzt ein Elastomer, das leicht federt und die axiale Belastung auf das Werkzeug beim Gewindeschneiden nahezu auf null senkt.
«Aufgrund der modernen Werkstoffe wachsen bei unseren Kunden ständig die Anforderungen an die Bearbeitung. Deshalb ist es wichtig, prozessverbessernde Lösungen im Produktionsalltag einfach einbinden zu können», führt Schneider aus. Das optimierte Pulverstahl-Programm stand auf der EMO 2025 beim Hersteller im Fokus.
Dreischneidiger Aufbohrkopf bewältigt alle Werkstückstoffgruppen
Die sehr zeitaufwändigen Bohrzirkular-Fräsoperationen von vorgegossenen Bohrungen gaben Iscar den Anstoss, diesen zeitraubenden Prozess zu beschleunigen. Seit kurzem beschert die dreischneidige Geometrie eines neuen Flachbohrkopfs Anwendern eine weitere Bearbeitungsoption.
Aufbohren statt Bohrzirkularfräsen heisst das Motto. Denn der neue Bohrkopf kann vorhandene Bohrungen bearbeiten, auch wenn sie exzentrisch angebracht sind – und das bei allen Werkstückstoffen, auch bei exotischen wie ISO M, N und S.
«Seine Geometrie mit einem geschliffenen Spandeflector erzeugt beim Aufbohren sehr kurze Späne», erklärt Patrick Muller, Product Manager Drilling bei Iscar, und ergänzt: «Das sorgt für hohe Prozesssicherheit.»
Stand vom 30.10.2020
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Dies ist zentral, denn je nach Werkstoff können die Späne bei der Innenbearbeitung zu lang ausfallen, um sicher abtransportiert werden zu können. Und die Geometrie des Flachbohrkopfs kann noch mehr: Sie verdreifacht den Vorschub. So können Anwender, je nach zu bearbeitendem Material, ihre Produktivität um das Dreifache steigern. Der Flachbohrkopf «Quick3Cham» lässt sich als rotierendes Werkzeug zur Bearbeitung von vorgegossenen Bohrungen oder auf Drehmaschinen als stehendes Werkzeug einsetzen.
Dass der Blick aufs Ganze immer lohnt, weiss Tobias Stolz. Der Component Manager General Machining bei Mapal nimmt grundsätzlich den kompletten Prozess seiner Kunden in den Blick. Dabei konzentriert er sich auf die Kostentreiber, die es zu reduzieren gilt – egal ob es um kleine, mittlere oder grosse Serien geht.
«Wir entwickeln die Prozesse gemeinsam mit unseren Kunden branchenspezifisch weiter. Ein Anbieter von Hydraulik-Ventilen hat schliesslich andere Anforderungen als ein Automobilist», berichtet Stolz. So ist es den Aalenern Fluidtechnikspezialisten beispielweise gelungen, für einen Kunden mit mittlerer Serienfertigung bei dem Komplettprozess der Schieberbohrung in Guss für signifikante Ersparnisse zu sorgen.
Kosten und Produktionszeit reduziert
Dank innovativer Werkzeugtechnologie konnte ein Anwender bei Schieberbohrungen in Guss die Herstellkosten um 40 Prozent senken.
(Bild: Mapal)
Brauchte der Anwender zuvor drei Werkzeuge für die Bearbeitung der Steuerkanten und der Entgratfasen, gelingt ihm dies jetzt mit nur einem Kombinationswerkzeug. Durch die Neuausrichtung des Prozesses senkte der Anwender bei 30 000 produzierten Bauteilen pro Jahr seine Herstellkosten um 40 Prozent – in Zahlen 14 000 Euro. Darüber hinaus reduzierte er auch noch seine Produktionszeit um 1250 Stunden.
«Für uns steht aber nicht nur die wirtschaftlichste Lösung im Fokus. Zentral ist für uns auch die Prozesssicherheit», sagt Stolz und ergänzt: «Um unseren Ansatz greifbar zu machen, zeigten wir auf der EMO 2025 Einblicke in verschiedene Best-Practice-Beispiele und führten unsere Besucher auf dem Messestand beginnend beim jeweiligen Marktsegment über ihre Komponente hin zu unseren Lösungen.»