Albert Kodraj, CEO der Gühring (Schweiz) AG, zeigt auf, dass die aktuelle wirtschaftliche Lage am Werkplatz Schweiz sehr herausfordernd ist. Entsprechend wichtig sei das Thema Automation. Welche Rolle hier die Werkzeuge spielen, werde oftmals unterschätzt. Denn erst mit hoher Prozesssicherheit und langen Werkzeugstandzeiten seien voll automatisierte Prozesse machbar.
Albert Kodraj, CEO der Gühring (Schweiz) AG: «Automatisierte Fertigung verlangt nach stabilen und zuverlässigen Prozessen.»
(Bild: Gühring)
SMM: Wie ist die aktuelle wirtschaftliche Situation im Bereich der Werkzeuge am Standort Schweiz?
Albert Kodraj: Die Schweizer Industrie für Zerspanungswerkzeuge steht aktuell vor erheblichen wirtschaftlichen Herausforderungen. Im Jahr 2024 verzeichnete die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM-Industrie) einen Umsatzrückgang von 4,2 Prozent und einen Exportrückgang von 3,6 Prozent in den ersten neun Monaten, was auf eine schwächere Nachfrage aus Europa und die Stärke des Schweizer Frankens zurückzuführen ist. Die Stimmung unter den Unternehmen ist entsprechend pessimistisch. Viele der Unternehmen betrachten die aktuelle Geschäftslage als ungünstig. Zudem ist bei vielen die Auslastung auf den niedrigen Stand von Januar 2021 gesunken.
Zusätzlich belasten geopolitische Unsicherheiten und Handelskonflikte unsere Branche. Die Aussicht auf mögliche höhere Exportzölle, insbesondere im Handel mit den USA, trägt zur Unsicherheit bei. Trotz einer leichten Verbesserung im dritten Quartal 2024 wird dies nicht als Zeichen einer Erholung gewertet, sondern eher als Stabilisierung auf niedrigem Niveau, was der Januar 2025 bestätigt.
Insgesamt sieht sich die Schweizer Zerspanungswerkzeugindustrie mit einer Kombination aus nachlassender Nachfrage, ungünstigen Wechselkursbedingungen und globalen Handelsrisiken konfrontiert, was die wirtschaftliche Situation derzeit anspruchsvoll gestaltet.
Welche Innovationen zeigt Gühring zur Innoteq?
A. Kodraj: Die Gühring (Schweiz) AG, Tochtergesellschaft der Gühring KG, stellt auf der Innoteq 2025 bahnbrechende Innovationen in der Zerspanungstechnologie vor. Als weltweit führendes Unternehmen im Bereich rotierender Präzisionswerkzeuge setzt Gühring neue Massstäbe für die Metallbearbeitung und präsentiert in der Schweiz erstmals die auf der AMB 2024 gezeigten Produktneuheiten:
«Flachbohrer FB 200 U»: Dieser Bohrer mit drei Schneiden bietet bis zu 50 Prozent höhere Schnittwerte, eine verbesserte Prozesssicherheit und eine optimierte Bohrungsqualität. Ideal für anspruchsvolle Anwendungen in der Metallbearbeitung.
«Micro-Fräser RF 100 AL»: Speziell für die Bearbeitung von ISO-N-Werkstoffen wie Aluminium, Kupfer und Messing entwickelt. Mit seiner herausragenden Performance ermöglicht er eine bis zu sechsmal höhere Materialabtragsrate und setzt neue Standards in der Mikrobearbeitung.
Erweitertes «Reibahlen-Programm HR 500»: Durch die Erweiterung des Durchmesserbereichs mit Abstufungen von ±0,05 mm bietet Gühring eine präzisere und flexiblere Lösung für anspruchsvolle Fertigungsprozesse. Die neuen Festmassreibahlen in 5-µm-Schritten decken alle relevanten Toleranzbereiche optimal ab.
Nachhaltiges Hartmetall-Recycling: Gühring setzt sich aktiv für nachhaltige Lösungen ein und stellt ein innovatives Recycling-Programm für Hartmetall vor. Dadurch können wertvolle Rohstoffe effizient wiederverwendet und Ressourcen geschont werden.
Tool-Management: Mit der «Gühring Tool Management Software» («GTMS») bietet das Unternehmen eine umfassende Lösung zur Optimierung des gesamten Werkzeugmanagements. «GTMS» ermöglicht die Überwachung von Maschinenzuständen in Echtzeit, automatisiert den Beschaffungsprozess und bietet individuelle Auswertungen zur Produktionsplanung und -steuerung. Durch die Integration von GTMS können Unternehmen ihre Prozesse digitalisieren, Transparenz erhöhen und Kosten senken.
Wir werden in absehbarer Zeit neue Ideen für digitale Werkzeuglösungen und vernetzte Fertigungssysteme präsentieren und dabei den Fokus auf Effizienzsteigerung und Prozessoptimierung legen.
Im Fertigungsbereich steht vermehrt die Automation und bedienerarme Fertigung im Fokus. Welche Herausforderungen bringt diese Entwicklung für die Werkzeughersteller betreffend Standzeiten, Produktivität und Prozesssicherheit?
A. Kodraj: Werkzeughersteller müssen sich an die steigenden Anforderungen der automatisierten Fertigung anpassen. Höhere Standzeiten, maximale Produktivität und eine verbesserte Prozesssicherheit sind essenziell, um stabile und wirtschaftliche Fertigungsprozesse zu gewährleisten. Durch den Einsatz moderner Schneidstoffe, innovativer Beschichtungen und digitaler Lösungen trägt Gühring aktiv zur Effizienzsteigerung in der zerspanenden Industrie bei.
Höhere Standzeiten für maximale Verfügbarkeit: Da in automatisierten Prozessen Werkzeugwechsel nur begrenzt möglich sind oder den Fertigungsprozess verlängern, steigen die Anforderungen an die Standzeit und die universalen Einsätze (Allrounder) der Werkzeuge erheblich. Hochleistungswerkzeuge mit optimierten Beschichtungen, verschleissfesten Schneidstoffen und innovativen Geometrien minimieren den Verschleiss und verlängern die Einsatzdauer. Gühring setzt hier auf eigene Schneidstoffe und Hochleistungsbeschichtungen wie «Signum» oder «Perrox», die eine signifikant längere Werkzeuglebensdauer ermöglichen.
Produktivität durch optimierte Prozesse steigern: Automatisierte Fertigung verlangt nach stabilen und zuverlässigen Prozessen mit geringen Ausfallzeiten. Werkzeuge mit optimierten Spanleitstufen, vibrationsdämpfender Geometrie und integrierten Kühlkanälen steigern die Produktivität und sorgen für gleichmässigen Verschleiss. Der «RF 100 Diver»-Hochleistungsfräser von Gühring wurde speziell für hohe Zerspanungsvolumen entwickelt und bietet eine optimale Kombination aus Schnittgeschwindigkeit, Vorschub und Standzeit.
Maximale Prozesssicherheit durch digitale Überwachung: In bedienerarmen Fertigungsumgebungen müssen Prozesse stabil und fehlerfrei laufen. Werkzeugbrüche oder Massabweichungen können zu ungeplanten Maschinenstillständen und Ausschuss führen. Digitale Überwachungssysteme wie das «Gühring Tool Management System» («GTMS») ermöglichen eine Echtzeitkontrolle der Werkzeugnutzung. Vorausschauende Wartungskonzepte (Predictive Maintenance) und intelligente Sensortechnologien helfen, den Werkzeugverschleiss frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig Gegenmassnahmen zu ergreifen.
Welche Impulse erhoffen Sie sich von der Innoteq?
A. Kodraj: Die Innoteq 2025 bietet eine wertvolle Plattform für den Austausch mit Fachleuten aus der Fertigungsindustrie und ermöglicht es uns (als Hersteller), zentrale Impulse für die Weiterentwicklung unserer Technologien zu gewinnen. Die Messe dient als Forum für den direkten Dialog mit Anwendern, um aktuelle Herausforderungen in der Zerspanungstechnologie zu identifizieren und gezielt Lösungen zu entwickeln. Insbesondere erwarten wir wertvolle Rückmeldungen zu unseren neuesten Innovationen wie dem Flachbohrer FB 200 U, Micro-Fräser RF 100 AL und Tool-Management GTMS, die uns dabei helfen, massgeschneiderte Lösungen für die spezifischen Bedürfnisse unserer Kunden zu schaffen.
Die Stärkung der Marktposition in der Schweiz steht ebenfalls im Mittelpunkt unseres Messeauftritts. Als verlässlicher Partner für innovative Präzisionswerkzeuge möchten wir unser Netzwerk mit Entscheidungsträgern aus Industrie und Forschung weiter ausbauen und gezielt Partnerschaften zur Entwicklung nachhaltiger und produktivitätssteigernder Fertigungslösungen fördern.
Zudem nehmen wir aktiv an Diskussionen über den Einsatz nachhaltiger Materialien und Recyclingprozesse teil und präsentieren unser innovatives Hartmetall-Recycling-Programm, das einen wichtigen Beitrag zur Ressourcenschonung leistet.
Ein besonderes Highlight für mich ist der Auftritt der Gühring (Schweiz) AG mit unserem Vertriebsteam, das über eine fundierte Fachausbildung in der Zerspanung verfügt. Dieses hoch qualifizierte Team freut sich darauf, mit interessierten Kunden tief in die Materie einzutauchen, um gemeinsam Lösungen für eine wettbewerbsfähigere Fertigung in der Schweiz zu erarbeiten. Unser Ziel ist es, mit unseren Kunden Innovationen zu entwickeln, die es ermöglichen, sich gegen den asiatischen und osteuropäischen Markt zu behaupten. Wir wollen von unseren Kunden lernen!
Auf der ausgebuchten Innoteq 2025 haben wir die einmalige Gelegenheit, unser tiefgehendes Wissen in der Metallbearbeitung unter Beweis zu stellen und das Vertrauen unserer Kunden nachhaltig zu gewinnen. Diese Messe ist für uns nicht nur eine Plattform zur Präsentation unserer Technologien, sondern auch ein entscheidender Schritt in Richtung einer zukunftssicheren und wettbewerbsfähigen Fertigungsindustrie in der Schweiz. Ich freue mich auf die Messe und wünsche uns allen ein erfolgreiches Jahr.
Stand vom 30.10.2020
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