Samuel Eglin setzt in dritter Generation konsequent auf Innovation und investiert in moderne Fertigungstechnologien, um die 18 Mitarbeiter starke Eglin Präzisionsmechanik AG in die Zukunft zu führen. 16 CNC-Maschinen (Drehen/Fräsen) sind auf Klein- und Mittelserien ausgerichtet. Ein besonderer Schwerpunkt liegt in der Bearbeitung von Kupferlegierungen und Reinkupfer. Zudem hat das Unternehmen seine Beratungskompetenz für fertigungsgerechtes Konstruieren ausgebaut.
Typisches Bauteilspektrum der Eglin Präzisionsmechanik. Eine besondere Stärke ist die spanende Bearbeitung von Kupferlegierungen bis hin zu Reinkupfer.
(Bild: NIELS FRANKE)
Samuel Eglin führt die Eglin Präzisionsmechanik AG in dritter Generation: «Qualität und Termintreue sind das Herzstück unseres Familienunternehmens. Durch Investitionen in modernste Fertigungstechnologien und den Ausbau unserer Beratungskompetenz haben wir uns in den letzten Jahren vom reinen Lohnfertiger zum Technologiepartner entwickelt. Wir beraten unsere Kunden bereits in der Produktentwicklungsphase, damit ihre Bauteile fertigungsoptimiert entwickelt werden. Durch diesen Know-how-Transfer verkürzen sich nicht nur die Time-to-Market-Zyklen, sondern auch die Produktions- und Montagekosten.»
Heinrich Eglin, Präsident des Verwaltungsrates, zeigte sich beim Besuch der SMM-Redaktion sehr zuversichtlich: «Samuel hat durch das Ingenieurstudium (Schwerpunkt Fertigungstechnik und Module aus Betriebswirtschaft) sowie der höheren Kaderausbildung bei der Armee das Rüstzeug, um ein modernes Industrieunternehmen zu führen. Er wird die richtigen Entscheidungen für die Zukunft des Unternehmens treffen.»
Zur Zusammenarbeit der Eglin Präzisionsmechanik AG mit der Newemag und der Neuinvestition in ein innovatives Miyano-Dreh-Fräszentrum wird der SMM in der Jahreshauptausgabe SMM 11 berichten.
Drehen und Fräsen kleiner und mittlerer Serien
Die fertigungstechnischen Stärken des Unternehmens liegen im CNC-Drehen und CNC-Fräsen von Klein- und Mittelserien. Auch Kleinstserien bis hin zur Prototypenentwicklung sowie die Baugruppenmontage gehören zum Leistungsspektrum der Eglin Präzisionsmechanik AG. S. Eglin: «Im Idealfall fertigen wir alle zur Baugruppe gehörenden Komponenten und kaufen die Normteile zu.»
Im Bereich des 5-Achs-Fräsens können Bauteile bis ca. 200 × 200 mm mittels Beladerobotern in Serie gefertigt werden. Aktuell wurde eine Serie von 40 000 Teilen, 6-seitig, komplett bearbeitet, über einen Zeitraum von mehreren Monaten realisiert. Im Fräsbereich allgemein können bei eher kleineren Stückzahlen auch grössere Bauteile dank Verfahrwegen von 800 × 510 × 500 mm gefertigt werden.
Im Drehbereich liegt der Schwerpunkt auf der Komplettbearbeitung ab Stange bis D=65 mm. Darüber hinaus können Bauteile bis D=90 mm ab Stange und Futterteile bis D=300 mm bearbeitet werden. Typischerweise liegt die Seriengrösse beim Drehen zwischen 10 und 30 000 Teilen.
S. Eglin: «Für uns ist es entscheidend, flexibel zu sein, in dem Sinne, dass wir jederzeit Maschinenkapazitäten zur Verfügung stellen können, wenn ein Auftrag hereinkommt, der priorisiert werden muss.»
Letztlich setzt das Unternehmen konsequent auf vollautomatisierte Prozesse. Alle Drehzentren sind mit einem Stangenlader inklusive Teilehandling für die mannlose Fertigung ausgestattet. Und auch im Fräsbereich wird durch Beladeroboter eine «Rund-um-die-Uhr-Fertigung» realisiert.
Erfahrung trifft auf Innovation
Das Werkstoffspektrum umfasst die Bearbeitung von Buntmetallen, Aluminium, Stählen, Edelstählen und Kunststoffen. Eine Besonderheit stellt die Bearbeitung von Kupferlegierungen und Reinkupfer dar. Die spanende Bearbeitung von Kupfer gehört zu den anspruchsvollsten Aufgaben in der Zerspanung.
S. Eglin: «Unser Fokus auf die Kupferzerspanung liegt unter anderem in einem unserer Kundensegmente begründet: Zulieferer der Elektroindustrie, u. a. Hersteller von Steckverbindern im Hochspannungs- und Starkstrombereich. Ein sehr spezifisches Segment, das je nach Anwendung ganz bestimmte Kupferlegierungen erfordert.»
Kupfer weist bei der Zerspanung eine hohe Wärmeentwicklung und ein schwieriges Spanbruchverhalten auf. Beides Eigenschaften, die die Prozesssicherheit beeinträchtigen. Besonders anspruchsvoll wird es bei der Innenbearbeitung oder bei Bohrungen, wo es durch Spanbruch zu Störungen in den Prozessen kommen kann. S. Eglin: «Kontrollierter Spanbruch ist eine Grundvoraussetzung, um Kupfer prozesssicher bearbeiten zu können. Ohne Erfahrung und die Integration neuester Dreh- und Frässtrategien und modernster Fertigungstechnologien ist dies praktisch nicht realisierbar.»
Umfassende Beratungskompetenz
Dank langjähriger Zusammenarbeit wuchs nicht nur das Vertrauen der Kunden, sondern auch die Beratungskompetenz der Eglin Präzisionsmechanik AG. «Wir begleiten unsere Kunden entlang der gesamten Prozesskette. Der Kunde kann mit einem fertigen 3D-Modell oder mit einer Handskizze zu uns kommen. Wir springen in jeder Projektphase flexibel und kompetent ein und erarbeiten gemeinsam konstruktive Lösungen. Im Idealfall sind wir bereits in der Konzeptionsphase involviert, denn je früher unser fertigungs- und montagespezifisches Know-how in den Entwicklungsprozess einfliesst, desto wirtschaftlicher entwickelt sich der Gesamtprozess des Kunden», sagt Eglin zum Thema Engineering. Aus fertigungstechnischer Sicht gibt es immer wieder Optimierungspotenziale, die aus rein konstruktiver Sicht oft nicht erkennbar sind. S. Eglin: «Im Rahmen eines Kickoff-Meetings besprechen wir mit den Kunden die konstruktiven Aspekte, die für die Fertigung wesentlich sind, um das Bauteil schnell, automatisiert und prozesssicher herstellen zu können. In solchen Teambesprechungen finden Lernprozesse auf beiden Seiten statt, daher schätzen wir die enge Zusammenarbeit zwischen unseren Fertigungsspezialisten mit den Konstruktionsspezialisten unserer Kunden sehr.»
Stand vom 30.10.2020
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Investitionen in die Zukunft
«Um mit unserem Unternehmen zukunftsfähig bleiben zu können, müssen wir unsere bestehenden Prozesse kontinuierlich hinterfragen und optimieren», so Eglin. Dies soll auch durch Investitionen im Bereich der Nachhaltigkeit und des Fachkräftenachwuchs gelingen.
Stichwort Nachhaltigkeit: Generell werden die Späne getrennt und recycelt. S. Eglin: «Das Thema Messing-Bleifrei gewinnt in unserer Branche immer mehr an Bedeutung. Um die Spanbildung zu optimieren, wird Messing jedoch Blei zulegiert. Aktuell werden deswegen Werkzeuge und Fertigungstechnologien entwickelt, die auf die Bearbeitung bleifreier Werkstoffe zugeschnitten sind. Gerade für diese Werkstoffe haben wir in die modernste Fertigungstechnologie am Markt investiert.»
Und zu Stichwort Fachkräftenachwuchs sagt S. Eglin abschliessend: «Wir werden demnächst wieder ausbilden. Um junge Menschen für uns zu begeistern, müssen wir uns jedoch dafür einsetzen, dass das Berufsbild interessant und modern daher kommt. Der Stand der Technik muss sich konsequent in der Ausbildung widerspiegeln. Gut, dass es 2026 eine Revision der MEM-Berufe geben wird, bei der die Digitalisierung im Vordergrund stehen wird.»