«Eine Neuentwicklung ist ein Gemeinschaftswerk» - Reiden Technik AG
>> Während der Reiden Hausausstellung wurden bereits erste Baugruppen des neuen Bearbeitungszentrums RX 18 präsentiert. Die RX 18 ist ergänzt die RX 10 und verfügt darüber hinaus über einen Drehtisch, so dass auch Drehbearbeitungen direkt in einer Aufspannung gefertigt werden können. Im SMM-Interview zeigt Geschäftsführer Ruedi Willimann auf, was Interessenten auf der EMO erwarten können.
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SMM: Die RX 10 scheint bei vielen Fertigungsunternehmen sehr gut angekommen zu sein. Woran liegt das aus Ihrer Sicht?
Ruedi Willimann: Die RX 10 wird als 'Raumwunder' bezeichnet. Das heisst die Anlage verfügt über eine kleine Aufstellfläche und ist sehr kompakt gebaut. Trotzdem kann sie im kubischen Bereich sehr grosse Werkstücke bearbeiten: in einen Würfel von 700 mm Kantenklänge kann man immer noch eine Bohrung von 400 mm horizontal einbringen. Wenn ich ehrlich bin, war uns die extrem kompakte Bauweise am Anfang gar nicht bewusst, bis ein österreichischer Kunde die RX 10 als 'Raumwunder' bezeichnete.
Welche technologischen Aspekte sind aus Ihrer Sicht besonders hervorzuheben?
R. Willimann: Ein wesentlicher Vorteil ist die DDT-Spindel. Man hat sowohl eine dynamische als auch eine sehr kräftige Spindel. Mit ihr können sie sowohl Grobzerspanung tätigen als auch hochdynamisch die Oberflächen abzeilen. Ein weiterer Pluspunkt ist der variable Werkzeug-Wechsler. Als Standard-Ausführung verfügt er über 73 Werkzeuge und kann auf 173 oder 273 erweitert werden, ohne dass die Maschine dadurch grösser wird. Und der letzte grosse Vorteil ist, dass man an die Maschine an der linken Seite ein Palettensystem anschliessen kann, dass als zwei oder 5-fach-Palletisierung ausgeführt werden kann, ohne das die Einzelteilbeladung dadurch eingeschränkt würde.
Sie planen bereits die Weiterentwicklung der RX 10, die RX 18. Ist das einfach eine grössere RX 10 oder musste das Maschinen-Konzept geändert werden?
R. Willimann: Die RX18 ist im Prinzip der Grosse Bruder der RX10 mit doppelten Fahrwegen. Das Maschinenkonzept ist sehr ähnlich. Die fertigungstechnischen Möglichkeiten sind identisch mit der RX 10. Allerdings mit zwei zusätzlichen Optionen: man kann den Trigonal Fräskopf um einen Schwenkbereich von +/- 15° erweitern und wir können eine Drehfunktion des Maschinentisches von 250 1/min integrieren. Die Spindel kann für diese Operation geklemmt werden.
Erstmalig setzen Sie nicht ihre eigene Spindel ein, warum das?
R. Willimann: Das ist eine erstmalige Zusammenarbeit mit dem Spindelspezialisten Fischer. Mit der Standard Fischer Spindel können wir mit einem hochsteifen HSK 100 bis auf 15000 1/min Touren fahren. Das Drehmoment liegt mit 348 Nm sehr hoch für eine Motorspindel. Und 557 Nm erreichen wir mit der 8000 1/min Fischer Spindel. Mit unserem DDT-Spindelantrieb können wir dann bis auf 800 Nm hochgehen, aber das kommt erst zu einem späteren Zeitpunkt. Aber nochmals zur Fischer-Spindel. Fischer hat ein neues Spindelkonzept mit einer dynamischen Überwachung der Schnittdaten und Belastungen. Damit kann die Lebensdauer der Spindel sehr gut hoch gehalten werden, indem man die Lager durch falsche Schnittparameter nicht zu hoch belastet.
Welche Kriterien fliessen bei der Neuentwicklung in eine neue Werkzeugmaschine ein?
R. Willimann: Die Anforderungs-Kriterien kommen vorwiegend von unseren Kunden, das heisst direkt aus der praktischen Anwendung. An unserem jährlich stattfindenden Vertriebspartner-Meeting, orientieren wir über unsere aktuellen Entwicklungen und gleichzeitig wollen wir von Ihnen wissen, welche Maschinen an der Front, d. h. beim Kunden gefragt sind. Daraus entwickeln sich erste Konzepte. Wir versuchen schliesslich die Maschine in allen Facetten optimaler zu gestalten als unsere Mitbewerber. Insofern ist so eine Neuentwicklung ein Gemeinschaftswerk, das unsere Vertriebspartner an den Endkunden mit entsprechend hoher Motivation anbieten.
Inwieweit arbeiten Sie bei Neuentwicklungen mit Hochschulen zusammen?
R. Willimann: Wir haben unter anderem eng mit Inspire (ETH) zusammengearbeitet. Bei der RX 10 haben wir die den Wärmegang mit Inspire gemeinsam optimiert. Letztlich zeigt sich das in den hohen Genauigkeiten am Werkstück über den gesamten Fertigungsverlauf von morgens bis abends.
Nicht wenige Ihrer Anwender nutzen die Maschinen sicher auch in 5-Achs-Simultanbearbeitungen. Stellt das besondere Herausforderungen an das Maschinenkonzept?
R. Willimann: Das A und O ist eine sehr hohe Grundstabilität der Maschine. Diese kann nur mit den richtig eingesetzten Materialien erreicht werden. Wir setzen bei dem Maschinengestell der RX 18 erstmalig auf ?Hydropol? von einem österreichischen Anbieter. Es handelt sich um einen Verbundwerkstoff aus Spezialbeton und Stahl. (Anm. d. Red.: Hydropol-Grundgestelle weisen ein dreifach besseres Dämpfungsverhalten gegenüber Grauguss-Gestellen auf. Dies wurde vom Institut für Werkzeugmaschinen und Betriebswissenschaft (iwb München) bestätigt). Wenn die Grundstabilität gegeben ist, muss eine sehr hohe Grundgenauigkeit erreicht werden, mit Reserven in den Führungskonzepten. Darüber hinaus muss die gesamte Maschinenkinematik einwandfrei programmiert sein. Die thermische Stabilität muss gegeben sein. Hierfür müssen beispielsweise wärmeerzeugende Komponenten abgeschottet, gekühlt und kontinuierlich thermisch überwacht werden.
Wenn Sie aus Ihrer Sicht die Reiden-Maschinen beschreiben würden, was können Sie als Werkzeugmaschinenbauer anders machen als ihre Mitbewerber?
R. Willimann: Wir versuchen Dynamik, Power, Universalität und Präzision für mittlere bis grosse Verfahrbereiche unter einen Hut zu bringen. Aber das wichtigste ist, dass die gesamte Anlage sehr kompakt baut und minimale Ausmasse bei maximalen Bearbeitungsmassen hat. Praxistauglichkeit steht immer im Vordergrund, das zeigt sich nicht zuletzt daran, dass die RX 18 ebenerdig aufgestellt. Wichtig ist zudem eine sehr gute Zugänglichkeit für Beladung, Wartung und Instandhaltung. Ein weiterer Punkt ist für uns sehr wichtig: Reiden hat sich immer mehr einen Namen geschaffen als Nischen-Player: Wir können Sonderwünsche umsetzten und können dem Kunden eine massgeschneiderte Maschine zu einem zahlbaren Preis anbieten. <<
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