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Was sind im Moment die grössten Herausforderungen für Schweizer Hersteller?
F. Gaegauf: Die meisten der Schweizer Werkzeugmaschinenbauer stellen häufig Spitzenprodukte her, die am Markt zur gehobenen Preisklasse gehören. Der Kunde muss daher von der Qualität und dem Mehrwert der Maschinen überzeugt werden. Das Motto bei Studer ist, dass wir die Kunden erfolgreicher machen wollen. Hier besteht Argumentationsbedarf. Studer gelingt es gut, den Kunden zu überzeugen, dass in der Schweiz hergestellte Produkte mit dem Swiss-Made-Label einen gewissen Wert darstellen. Die Herausforderung ist auf der Kostenseite. Mit dem derzeitigen Kurs von 1,06 CHF zum Euro wurde die Lage noch einmal verschärft. Wir verlieren viel Marge. Als Gegenmassnahme geht es für uns darum, effizienter zu werden. Eine weitere Unsicherheit sind die bilateralen Verträge. Je nachdem wie die Verträge verhandelt werden, kann das für uns von Vorteil oder auch von Nachteil sein. Nicht zu wissen, in welche Richtung sich die Dinge entwickeln, betrifft übrigens die gesamte weltpolitische und wirtschaftliche Lage. Doch ich sehe die Schweiz generell sehr gut aufgestellt, um diese Herausforderungen zu meistern. Wir haben clevere Mitarbeiter und wir arbeiten effizient. Und wir versuchen grundsätzlich, das Beste aus einer Situation zu machen. Diese Herangehensweise hat uns auch in der Vergangenheit schon geholfen, verschiedene Krisen gut zu bewältigen.
Was bedeuten die gegenwärtigen Entwicklungen für die Fritz Studer AG?
F. Gaegauf: Wir nehmen jede Herausforderung an. Wir kennen den Markt und können auf viel Erfahrung zurückgreifen. Ein Stichwort dazu sind die Veränderungen in der Automobilindustrie in Richtung Elektromobilität, was einen starken Einfluss auf den produzierenden Bereich hat. Hier müssen wir reagieren.
Wie schon angesprochen ist nach wie vor für viele Schweizer Unternehmen der starke Schweizer Franken ein Thema. Was sind die Antworten von Studer darauf?
F. Gaegauf: Es ist unbedingt notwendig, auf der Kostenseite aktiv zu werden, vor allem bei den Struktur- und Fixkosten. Effizienz ist dabei das bestimmende Thema. Wir haben unsere gruppenweite Unternehmensphilosophie «Puls – Präzision und Leidenschaft». Doch das ist kein Selbstläufer. So können Lösungsprojekte nach anfänglicher positiver Wirkung schnell im Sande verlaufen, wenn sie nicht weiter verfolgt werden und es keine Kontrolle gibt. Wir haben mit diversen organisatorischen Massnahmen und einem Mess-System sichergestellt, dass wir die Projekte nicht aus dem Fokus verlieren. Das muss bewusst getan werden und es gibt immer weiteres Potenzial. Irgendwann sind zwar die offensichtlichen, grossen Brocken abgearbeitet, aber danach geht es um die Details, die auch substantiell sein können, aber vielleicht nicht so offensichtlich.
Welche Rolle spielen dabei Innovationen?
F. Gaegauf: Innovationen hat Studer nie vernachlässigt, sowohl Innovationen im Sinne von innovativen Produktionsanlagen als auch von innovativen Produkten. So haben wir im letzten Jahr die neue Innenschleif-Baureihe abgeschlossen. Die ist auf dem Markt sehr erfolgreich. Wir behaupten auch, dass wir Trendsetter im Schleifen sind, denn wir packen immer wieder neue Themen an. Wir haben hierfür verschiedene Prozesse etabliert, um herauszufinden, was auf dem Markt sinnvoll sein könnte. Wir arbeiten auch mit Roadmaps: Damit schauen wir mehrere Jahre voraus und sehen, wo die Technologie auf den verschiedenen Gebieten hinführt.
Wenn Sie sich rückblickend ihre Roadmaps von vor zehn Jahren anschauen, wie deckt sich das mit der heutigen Zeit?
F. Gaegauf: In vielen Fällen trifft es sich, die Fragestellung ist eher, wie schnell das zum Erfolg führt. In der Werkzeugmaschinenbranche braucht es mehr Zeit, bis sich Innovationen durchsetzen. Man braucht grosses Durchhaltevermögen, bis ein Produkt sich in der Breite durchsetzt. Ein Beispiel dafür ist unser Wiredress-Verfahren. Es ist offensichtlich, dass Wiredress riesige Vorteile vor allem auf der Kostenseite bringt, da es viel effizienter als andere Verfahren ist. Doch bis sich ein Kunde an solch einen neuen Prozess heranwagt, braucht es eine gewisse Zeit.
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