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So geht es also nicht nur darum, ein Produkt zu verkaufen, sondern Prozesse?
F. Gaegauf: Für uns ist es selbstverständlich, dass wir immer die gesamte Prozesskette betrachten. Wir diskutieren mit dem Kunden oft über alle Prozesse. Zum Beispiel wie der verhältnismässig teure Schleifprozess effizienter wird. Das kann man schaffen, wenn man gewisse Vorprozesse verändert. Wenn wir solche Gespräche führen können, haben wir eine gute und professionelle Basis für die gemeinsame Zusammenarbeit.
Im Oktober 2015 hat Studer eine Fliessmontage am Standort in Thun als eine Antwort auf den starken Schweizer Franken eingeführt. Welche Resultate konnten Sie damit erreichen?
F. Gaegauf: Die Fliessmontage Plus nahmen wir glücklicherweise schon vor dem Frankenschock in Betrieb. Die Durchlaufzeiten in der Endmontage haben sich dadurch halbiert. Insgesamt ist festzustellen, dass wir die Anlagen besser ausnutzen und effizienter sind. Der wichtigste Erfolgspunkt ist allerdings, dass wir mit der Fliessmontage Plus die Lieferzeiten verkürzen konnten. Bei den einfacheren Maschinen ist das besonders auffällig.
Wie entwickelt sich die Situation auf dem Schleifmaschinenmarkt? Wohin geht die Entwicklung?
F. Gaegauf: Hier zeigen sich mehrere Themen, mit denen wir uns beschäftigen. Dazu gehört die Entwicklung in der Automobil- und Antriebstechnik in Richtung Elektromobilität und die Frage, wohin das in Bezug auf die Fertigung führt. In kraftstoffangetriebenen Fahrzeugen werden Tausende mechanische Bauteile verbaut, für Elektroantriebe braucht es viel weniger Teile. Es wird für Elektro-Automobile zwar immer noch Bauteile geben, die geschliffen werden müssen, aber es werden weniger sein als bisher. Das ist unsere Herausforderung. Zunehmen dagegen wird die Bearbeitung von sehr harten und spröden Materialien wie Glas und Keramik. Bei diesen Materialien ist Schleifen ein wichtiger Bearbeitungsprozess. Hier sind wir sehr gut aufgestellt, beispielsweise auch mit dem Wiredress-Verfahren, mit dem man schnittigere Schleifscheiben herstellen kann. Aber auf diesem Gebiet wird sich in der nächsten Zeit noch einiges tun.
Wie sehen Sie das Thema Industrie 4.0 und Digitalisierung? Welche Antworten hat Studer darauf?
F. Gaegauf: Wir sehen die Digitalisierung und Industrie 4.0 als ganz grosse Chance. Auf diesem Gebiet gibt es ganz viele interessante Themen zu bearbeiten, bei denen wir uns engagieren müssen. Und wir tun es auch schon seit einiger Zeit. Doch dieses Thema betrifft nicht nur speziell die Schleifmaschinen. Kernpunkt ist die Smart Factory mit einer intelligenten Produktion als Ziel. Dafür müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Dazu gehört, dass die Bearbeitungsanlagen konstant produzieren, wofür wiederum eine vorausschauende Wartung notwendig ist. In Bezug auf Vernetzung sollen die Produktionsanlagen befähigt werden, Informationen weiterzuleiten. Vom Vorprozess werden beispielsweise die entsprechenden Informationen zum Bauteil weitergeleitet. Ziel ist, dass die Maschine nur die CAD-Zeichnung benötigt, mit den Informationen, wie das Bauteil aussehen soll und wie die Ausgangsdaten sind. Die Maschine löst alle Aufgaben dazwischen selbständig, sie ist in der Lage, sich selbständig einzurichten usw. Das können unsere Maschinen heute schon in Einzelthemen, aber die Selbständigkeit der Maschine muss noch weiterentwickelt werden. Ein weiteres spannendes Thema in der Smart Factory ist das «Feedback». Die Maschinen sollen untereinander die Prozesse abstimmen und verbessern. Im Idealfall organisieren sich die Maschinen selber. Doch nicht als Selbstzweck, sondern entscheidendes Kriterium ist immer die Effizienz. Die Anlagen müssen fähig sein, rund um die Uhr produzieren zu können. Nur dann ist man produktiv. SMM
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