Interview mit Gilbert Lile, CEO der LNS Group Es gibt immer mehr Intelligenz in der Peripherie

Autor / Redakteur: Anne Richter / Anne Richter

LNS hat sich von einem lokalen Westschweizer Hersteller von Stangenladern zu einem global aufgestellten, führenden Anbieter von Peripheriegeräten entwickelt. SMM sprach im Interview mit Gilbert Lile, dem CEO der LNS Group, über die Entwicklung und die Ausrichtung des Unternehmens.

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Die Beispielmaschine verdeutlicht das «one stop shop»-Konzept von LNS: Alle Peripheriegeräte wie Stangenlader, Kühlmanagement, Luftfilteranlagen und Spänemanagement kommen aus einer Hand.
Die Beispielmaschine verdeutlicht das «one stop shop»-Konzept von LNS: Alle Peripheriegeräte wie Stangenlader, Kühlmanagement, Luftfilteranlagen und Spänemanagement kommen aus einer Hand.
(Bild: LNS)

SMM: LNS ist weltweit führend auf dem Gebiet der Peripheriegeräte. In der Schweiz ist LNS vor allem für seine Stangenlader bekannt, denn hier liegt auch der Ursprung des Unternehmens. Wie waren die Anfänge?

Gilbert Lile: Unmittelbar nach der Gründung beschäftigte die hLNS AG maximal 30 Mitarbeiter. Geleitet wurde dieses kleine Team von Herrn Neukomm, einem Direktor der LNS AG, der damals persönlich für den reibungslosen Ablauf des Unternehmens verantwortlich war. Die Atmosphäre war familiär. Mit dem Wachstum des Unternehmens wurde das Gebäude an neue Mitarbeiter angepasst, um die bestehenden Teams zu verstärken.

Was macht in der heutigen Zeit einen Qualitäts-Stangenlader aus?

G. Lile: Der Return on Investment ist für alle Fertigungsbetriebe von entscheidender Bedeutung: Wenn Sie erkennen, dass ein Stangenlader maximale Produktivität bietet und gleichzeitig ein kritisches Glied in der Produktionskette ist, ist es klar, dass die Kunden die Leistung – sowohl in der Führung als auch in der Autarkie – der Anlage im gesamten Anwendungsbereichs die Zuverlässigkeit im Verladeprozess und die Prozesssicherheit schätzen. Es ist nicht ungewöhnlich, dass eine zweite oder dritte Maschine mit einem LNS-Stangenlader ausgerüstet wird. Daneben ergeben sich neue Bedürfnisse: Jüngere Anwender legen mehr Wert auf Ergonomie, Komfort und Konnektivität, während weniger anspruchsvolle Anwendungen auf Einstiegsprodukte wie die LNS-Alpha-Reihe umsteigen.

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Wie entscheidend ist dabei eine individuelle Konfiguration?

G. Lile: LNS fertigt Peripheriegeräte für nahezu alle Fabrikate und Typen von Drehmaschinen. Angesichts der Vielfalt der Konstruktionen, der Werkstattausführungen, der Maschinenausstattung und der Besonderheiten jeder Produktionscharge ist es von entscheidender Bedeutung, dass sich der Lieferant an alle Randbedingungen anpasst, um den Kunden maximale Leistung zu liefern. Letztere optimieren aggressiv ihre Produktionszyklen, wir begleiten sie mit Lösungsvorschlägen bei der Konfiguration und Parametrierung unserer Geräte. Beispielsweise können mit den LNS-Kurzstangenladern eine Vielzahl von Anwendungen wie Chargenbeladung, direkte Positionierung in einem Magazin, begleitende Zuführung gegen den Werkzeugrevolver und vieles mehr bewältigt werden.

Bekannt geworden ist LNS vor allem mit dem Hydrobar-Ladesystem. Was ist das Erfolgsgeheimnis und was hat sich seit der Entwicklung im Jahr 1975 verändert?

G. Lile: Hierbei handelt es sich um ein Stangenladesystem, bei dem die Stangen in ein Führungsrohr mit Ölbad eingelegt werden. Im Stillstand wird die Stange an der unteren Wand des Führungsrohres platziert. Einmal gedreht, entsteht rundum ein Ölfilm und die Stange zentriert sich von selbst. Es gibt keine Reibung, keine Erwärmung und die Stange ist perfekt zentriert. Für die Führung der Stäbe mit unserem Hydrobar-System stehen 3 verschiedene Konfigurationen zur Verfügung: mit Rohren, U-förmigen Kanälen oder Schalen, je nach Durchmesser der Stangen und Art des Stangenladers. Bei Drehzahlen, die bis auf 20 000 U/min ansteigen, ist eine perfekte Führung erforderlich, die keine Vibrationen erzeugt, und dafür ist unser Hydrobar-System die beste Lösung.

Heute deckt LNS die gesamte Palette der Peripheriegeräte ab. Anlagen für Späne- und Kühlmittelmanagement sowie Luftfilteranlagen stehen im LNS-Portfolio. Was waren die Gründe für die Erweiterung und was waren die Herausforderungen dabei?

G. Lile: Ziel der Erweiterung unseres Produktportfolios ist es, den Kunden einen Partner zu bieten, der ihre Bedürfnisse kennt und ihnen die passende Peripherie bietet – den One-Stop-Shop. Alle Peripheriegeräte müssen das gleiche Mass an Zuverlässigkeit und Qualität bieten. Wir setzen auf externe und interne Schulungen, um ein hohes Mass an Produktkenntnis bei unseren Kunden und Mitarbeitern zu gewährleisten.

Sie werben mit einer «One-Stop-Shop»-Strategie. Können Sie das erklären?

G. Lile: Mit dem Konzept One-Stop-Shop bieten wir unseren Kunden einen einzigen Ansprechpartner für alle unsere Peripherieprodukte. Ob auf kaufmännischer oder technischer Ebene, unsere Kunden haben immer den gleichen Partner. Das hat uns sehr geholfen, denn einige unserer Kunden, die nur einen Typ unserer Produkte kannten, haben dank des One-Stop-Shops den Rest unseres Angebots entdeckt und sich damit ausgestattet.

Das Kühlmittelmanagement hat einen grossen Einfluss auf die Qualität des Schnitts, die Bearbeitungsgeschwindigkeit und die Werkzeugstandzeit. Was sind die Kriterien für eine optimale Funktionsweise?

G. Lile: Die Qualität der Schneidflüssigkeit beeinflusst Qualität und Effizienz der Produktion entscheidend. Das Management der Schneidflüssigkeit hat daher einen entscheidenden Einfluss. Heute erleben wir ein Wachstum im Bereich der Filtersysteme, denn sie gewährleisten einen optimalen Betrieb des Schneidflüssigkeitsmanagementsystems. Eine saubere, gefilterte Schneidflüssigkeit erhöht nicht nur die Standzeit und Effizienz der Flüssigkeit, sondern trägt auch zur Sicherstellung der Maschinenverfügbarkeit und der Lebensdauer der Komponenten bei. Darüber hinaus bietet LNS Komplettlösungen an, die Druck- und Durchflussmengen garantieren, die an die Anwendung angepasst sind und eine ideale Temperatur der Schneidflüssigkeit aufrechterhalten.

Wie sorgt man für eine lange Lebensdauer und eine gute Leistung des Kühlschmierstoffes?

G. Lile: Um eine optimale Standzeit der Schneidflüssigkeit zu gewährleisten, müssen Sie die Verschmutzungen, die während der Bearbeitung in die Schneidflüssigkeit eindringen, entfernen. LNS bietet innovative Lösungen. Unser neuer Späneförderer sorgt für eine Filtration von bis zu 50µm direkt vom Förderer zum Reservoir, sodass Partikel, die normalerweise im Kühlsystem verbleiben, nicht in den Kühlkreislauf gelangen. In Kombination mit unserem Ölabscheider Phasep stellen wir sicher, dass Verunreinigungen aus dem Rohmaterial oder den Maschinenschlitten die Schneidflüssigkeit nicht belasten und diese somit optimal funktionieren kann.

Wie ist das Vorgehen von LNS für den Einsatz und die Entwicklung von Systemen für das Kühlmittelmanagement?

G. Lile: Der LNS-Ansatz für die Entwicklung und den Einsatz von Systemen für das Kühlmittelmanagement ist einfach. LNS arbeitet eng mit seinen Kunden zusammen, um die Herausforderungen beim Umgang mit Kühlschmierstoffen zu verstehen. Unsere Innovationen sind so konzipiert, dass sie einfache Lösungen für komplexe Probleme darstellen. Unsere Kunden stehen unter dem Druck, die Maschinen optimal und so lange wie möglich am Laufen zu halten. In diesem Bereich ist LNS führend. Das globale Netzwerk von LNS ermöglicht es, Lösungen für Kunden bereitzustellen oder Erfahrungen auf internationaler Ebene auszutauschen. So können wir auf allen Ebenen arbeiten, vom Werkzeugmaschinenhersteller auf einem Kontinent bis zum Endverbraucher auf einem anderen.

Was sind aktuelle Trends bei den Anforderungen an die Systeme für das Kühlmittelmanagement?

G. Lile: Aktuelle Trends führen zu komplexen Schneidprozessen mit exotischen Materialien. Für das Management von Kühlschmierstoffen müssen eine Vielzahl von Werkstoffen und Spanformen beherrscht werden. In den letzten Jahren haben wir erlebt, dass unsere Produkte sich von anwendungsorientierten Produkten zu immer vielseitigeren Lösungen entwickelt haben und sich damit an die sich ändernden Kundenanforderungen angepasst haben. Häufig haben wir Kunden, die mehrere Bearbeitungen auf einer Maschine durchführen. Unsere Produkte müssen dies effektiv bewerkstelligen, um die Maschinenverfügbarkeit zu gewährleisten.

Ein weiteres Standbein der LNS sind Spanförder-Systeme. Wie wichtig ist ein optimal auf die Produktion abgestimmtes Fördersystem?

G. Lile: Leider ist der Späneförderer oft das Letzte, worauf beim Kauf einer Werkzeugmaschine Wert gelegt wird, aber die Leistung eines Späneförderers kann einen grossen Einfluss auf die Produktivität einer Maschine haben. Wir arbeiten eng mit Werkzeugmaschinenherstellern und Industriekunden zusammen, um Produkte zu entwickeln, die die Produktivität von Werkzeugmaschinen durch effizientes Management der Schneidflüssigkeit verbessern können. Ein breit gefächertes Produktportfolio ermöglicht es unseren Kunden, eine Lösung zu finden, die ihren Bedürfnissen entspricht, wir berücksichtigen ihre unterschiedlichen Erwartungen und arbeiten flexibel, um die am besten geeignete Lösung zu finden.

Mit den Fox-Luftfilteranlagen bietet LNS eine breite Produktpalette zur Beseitigung von Verschmutzungen wie Ölnebel, trockener Staub und Rauch. Welche Rolle spielt eine saubere Arbeitsumgebung in der heutigen Zeit?

G. Lile: Heute ist der Arbeitsplatz zu einem zentralen Platz im Leben der Mitarbeiter geworden und sie wollen sich wohlfühlen, deshalb muss er gesund und sicher sein. Arbeitgeber haben eine moralische und oft rechtliche Verpflichtung, ihre Mitarbeiter zu schützen. Unternehmen, die in das Wohlbefinden ihrer Mitarbeiter investieren, vermitteln heute das positive Image eines modernen, zeitgemässen Unternehmens. Dies ist auch ein Weg, um den Wert seines Arbeitsinstruments zu steigern, Beschwerlichkeiten zu bekämpfen und die Gesundheit seiner Mitarbeiter zu sichern. In dieser Richtung arbeiten wir mit der Produktlinie LNS Fox. So sind unsere Ölnebelabscheider serienmässig mit dem höchsten Filtrationsgrad auf dem Markt ausgestattet. Sie begrenzen die Emissionen und tragen dazu bei, die Feinstaubkonzentration in den Werkstätten niedrig zu halten. Die Verbesserung der Luftqualität schützt die Mitarbeiter und trägt dazu bei, elektronische Geräte zu erhalten, Fussböden und Oberflächen zu reinigen und die Lebensdauer von Lüftungs- und Klimaanlagenfiltern zu verlängern.

Ein Schlagwort der letzten Jahre ist Industrie 4.0. Was sind die Antworten von LNS auf die neuen Herausforderungen bezüglich Konnektivität, Vernetzung von Daten und Digitalisierung?

G. Lile: Wir haben nicht gewartet, bis Industry 4.0 gekommen ist. Schon seit einigen Jahren haben wir Systeme, die perfekt mit den Konzepten von Industrie 4.0 kompatibel sind. Seit einigen Jahren ist LNS in der Lage, über Feldbusse mit der Werkzeugmaschine zu kommunizieren und zu interagieren. Wenn z. B. bei der Bearbeitung am Stangenende angelangt wird und das letzte Stück zu kurz ist, um noch ein komplettes Teil zu fertigen, wird dann ein anderes Programm für ein kürzeres Bauteil desselben Durchmessers ausgeführt. Förderbänder werden beispielsweise beschleunigt, wenn ein Schruppvorgang ein viel grösseres Spanvolumen erzeugt, um eine perfekte Späneabfuhr zu gewährleisten. Ein Signal wird auch erzeugt, wenn der Spänebunker voll ist. Derzeit besteht eine wachsende Nachfrage nach solchen Produkten. Unser neuestes Turbo-SF-Compact-Förderband verfügt über eine integrierte SPS. Es gibt immer mehr Intelligenz in der Peripherie. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass wir auf fast allen unseren Stangenladern Touchscreens haben, die es uns ermöglichen, die Erfassung und den Austausch von Informationen mit den Anwendern zu optimieren. Unsere jüngsten Innovationen in diesem Bereich betreffen vor allem die Kommunikation zwischen Mensch und Maschine, insbesondere durch E-Mail-Benachrichtigungen. Dadurch werden Informationen proaktiv und sparen wertvolle Zeit.

LNS hat sich vom Hersteller von Stangenladern zu einem global agierenden, führenden Unternehmen im Bereich der Peripheriegeräte entwickelt. Was sind gegenwärtig weltweit die wichtigsten Trends in diesem Bereich? Welche Antworten hat LNS darauf?

G. Lile: Das stimmt, wir haben uns von einem lokalen Hersteller von Stangenladern zu einem weltweit führenden Anbieter von Peripheriegeräten entwickelt. LNS ist ein Vorreiter in der Globalisierung seiner Struktur und der Entwicklung einer One-Stop-Shop-Strategie, die es seinen Kunden ermöglicht, mehrere Peripheriegeräte von einem einzigen Anbieter zu beziehen. Wir sehen für die Zukunft in der Peripherie eine Polarisierung zwischen Einsteigermodellen und Hightech-Modellen, bei denen Intelligenz und Konnektivität Produktivität und Produktionsautomatisierung unterstützen. Die Kenntnis der Märkte und Akteure ermöglicht es uns, zukünftige Trends zu definieren und die notwendigen Ressourcen zu schaffen, um diese Entwicklungen zu unterstützen.

Welche strategischen Ziele hat sich LNS für die nächsten Jahre gestellt?

G. Lile: In erster Linie wollen wir als globaler Partner das Wachstum unserer Kunden in Europa, Nordamerika und Asien unterstützen. Um dies zu erreichen, verpflichten wir uns, jeden Tag die besten Produkte und Dienstleistungen anzubieten, wobei wir uns auf kontinuierliche Verbesserung und Innovation konzentrieren. Mit mehr als 320 000 installierten Einheiten weltweit ist LNS führend bei One-Stop-Shop-Lösungen für Werkzeugmaschinen. Unser Ziel ist es, unseren Marktanteil in den verschiedenen Regionen entsprechend der Geschichte von LNS auszubauen. In der Tat sind Länder mit Produktionsstätten von Peripheriegeräten am häufigsten führend in ihrer Region. So können wir uns auf die Sortimente konzentrieren, die das One-Stop-Shop-Angebot vervollständigen und unseren Marktanteil ausbauen. Dieses Wachstum wird durch die Stärkung unseres Vertriebs- und Servicenetzes unterstützt, um unseren Kunden stets den besten Service bieten zu können.

Vielen Dank für das Gespräch. SMM

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