Schwierige Herausforderungen Europäische Kunststoffindustrie zeigt Optimismus

Redakteur: Luca Meister

>> Im Vorfeld der Kunststoffmesse «K 2013» kämpft die europäische Kunststoffindustrie gleich an mehreren Fronten mit zahlreichen Herausforderungen, die zum grossen Teil auf die unsichere gesamtwirtschaftliche Situation zurückzuführen sind. Strenge Sparmassnahmen in zahlreichen Ländern haben sich auf Investitionen in Bauprojekte ausgewirkt; die Verbraucher kaufen weniger Neufahrzeuge als früher; kleinere, erschwinglichere Produkte, die sich nach wie vor gut verkaufen – z. B. Tablets – werden ausserhalb Europas hergestellt.

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Die «K 2013» findet vom 6. bis am 23. Oktober statt.
Die «K 2013» findet vom 6. bis am 23. Oktober statt.
(Bild: Messe Düsseldorf)

mei. Stark bleibt Europa bei der Entwicklung, Produktion und Anwendung von Hochleistungskunststoffen. So kündigte beispielsweise Victrex kürzlich eine Kapazitätssteigerung um ca. 70 Prozent für Polyaryletherketone(PAEK)-Polymere im Werk Thornton Cleveleys, England, an. PAEK-Polymere (bekanntester Vertreter: PEEK) kommen bei einer Vielzahl unterschiedlicher Anwendungen in Transportwesen, Industrie und Elektronik zum Einsatz.

Der Abschwung in der Automobilindustrie hat beträchtliche Auswirkungen auf die Lieferkette. 2013 könnte die Automobilproduktion in Westeuropa um bis zu 8,5 Prozent sinken. Dies wird sich voraussichtlich auch negativ auf das Geschäft der Hersteller von Kunststoffteilen auswirken.

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Renaissance der Produktion

Eine Ausnahme von diesem Trend scheint Grossbritannien zu bilden. «Die Automobilindustrie in Grossbritannien hat von Investitionen in neue Fahrzeuggenerationen profitiert. Wir erleben derzeit eine Renaissance der industriellen Produktion für Zulieferer der Automobilindustrie», so Philip Law, Public & Industrial Affairs Director beim britischen Kunststoffverband BPF. «Zahlreiche Unternehmen kehren derzeit mit ihrer Produktion nach Grossbritannien zurück.»

Trotz des schwächelnden Automobilsektors liegt das Wachstum im Kunststoffverarbeitungssektor – zumindest in Deutschland – weiterhin mindestens gleichauf mit dem des BIP. Laut dem Gesamtverband der kunststoffverarbeitenden Industrie e. V. (GKV) erreichten die Umsätze 2012 Rekordhöhen, trotz Rückgangs des Wachstums auf BIP-Niveau.

Höherer Mehrwert

GKV-Geschäftsführer Oliver Möllenstädt geht davon aus, dass sich die europäische Kunststoffverarbeitungsindustrie aufgrund höherer relativer Produktionskosten (Energie- und Arbeitskosten) gegenüber anderen Weltregionen auf Produkte mit höherem Mehrwert und Innovationen konzentrieren wird. «Die Umsätze der Verarbeitungsindustrie in Deutschland waren 2012 fast genauso hoch wie im Vorjahr, während der Rohstoffeinsatz zurückging», so Möllenstädt.

Die Umsätze mit Kunststoffverpackungen und -folien in Deutschland sind laut der Industrievereinigung Kunststoffverpackungen e. V. (IK) 2012 um 0,4 Prozent zurückgegangen. Die IK weist auch darauf hin, dass Verpackungshersteller nach wie vor mit steigenden Rohstoff- und Energiepreisen aufgrund des deutschen Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) konfrontiert sind. Man geht jedoch für dieses Jahr davon aus, dass der Markt wieder wachsen wird. Die Mitglieder zeigen sich also eher optimistisch für das zweite Quartal.

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