Laut Branchenverband Swissmem hat sich die Lage in der Schweizer Tech-Industrie im Verlauf des ersten Halbjahres 2025 massiv verschlechtert. In den kommenden Monaten sei mit einem beschleunigten Rückgang der Auftragseingänge zu rechnen. Swissmem ruft Bundesrat und Parlament auf, mit raschen Massnahmen im Inland die Rahmenbedingungen für die Exportwirtschaft zu verbessern.
Auftragseingang Tech-Industrie: Im zweiten Quartal ist das Bestellvolumen gegenüber dem Vorquartal um -13,4 Prozent gesunken. Dieser Einbruch erfolgte noch vor dem US-«Zollhammer».
(Bild: Swissmem)
Die Schweizer Tech-Industrie (Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie sowie verwandte Technologiebranchen) verzeichnet neun Quartale in Folge rückläufige Umsätze im Vergleich zur Vorjahresperiode. Gegenüber dem Vorjahressemester sanken die Umsätze um -2,5 Prozent, die Auftragseingänge um -2,3 Prozent und die Güterexporte um -0,9 Prozent.
Besonders besorgniserregend sei die Geschäftsentwicklung im zweiten Quartal: Innerhalb von drei Monaten ist das Bestellvolumen um -13,4 Prozent eingebrochen – dies erfolgte noch vor der Ankündigung der horrenden US-Zölle von 39 Prozent. Die Kapazitätsauslastung in den Betrieben erreichte im zweiten Quartal noch 80,9 Prozent, was deutlich unter dem langjährigen Mittel von 86,2 Prozent liegt. Mit 324 600 sank die Anzahl der Beschäftigten in der Tech-Industrie im zweiten Quartal um 3100 Personen.
Exporte im Zangengriff von China-Schwäche und US-Zöllen
Die Güterexporte der Schweizer Tech-Industrie lagen im ersten Halbjahr 2025 unter dem Vorjahresniveau (-0,9 Prozent). Hauptverantwortlich für dieses Ergebnis ist die schwache Entwicklung nach Asien (-7 Prozent), wobei China besonders negativ auffällt (-16,8 Prozent). Die Ausfuhren in die EU stagnierten (-0,1 Prozent) und jene in die USA stiegen insgesamt leicht an (+1 Prozent). Allerdings haben sich im Semesterverlauf die Vorzeichen im Handel mit den USA komplett umgedreht. Während die Exporte im ersten Quartal im Vergleich zur Vorjahresperiode noch kräftig angestiegen waren (+5,3 Prozent), brachen sie nach den Zollandrohungen im zweiten Quartal ein (-3,1 Prozent).
Stefan Brupbacher, Direktor Swissmem, ist tief besorgt: «Die politischen Unsicherheiten haben im zweiten Quartal voll auf die Investitionsgüternachfrage durchgeschlagen. Wir befinden uns in einem gefährlichen Abwärtsstrudel, dessen Sogwirkung durch die US-Zölle nun noch verstärkt wird. Das ist dramatisch für die betroffenen Firmen, Mitarbeitenden und Regionen.»
Tech-Industrie zwischen Kampfgeist und Krisenplänen
Swissmem hat nach dem 7. August eine Umfrage unter den Mitgliedfirmen durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass die grössten Belastungsfaktoren der starke Franken und die generelle Nachfrageschwäche sind. Danach folgen der Regulierungsdruck sowie das Wegbrechen des US-Geschäftes, was die Bedeutung dieses Markts unterstreicht. Der grösste negative Hebel sei jedoch die kumulierte Wirkung der insgesamt 15 Belastungsfaktoren: 70 Prozent der Unternehmen bewerten die Gesamtbelastung als erheblich bis sehr stark.
Trotz der schwierigen Lage kämpfen die Unternehmen der Tech-Industrie weiter. 80 Prozent der Firmen wollen neue Märkte erschliessen und 60 Prozent neue Geschäftsfelder aufbauen. «Das zeigt den Spirit der Schweizer Tech-Industrie. Die Firmen jammern nicht, sondern suchen neue Wege», betont Martin Hirzel, Präsident Swissmem. Aber der Anteil der Firmen, die einschneidende Massnahmen wie Stellenabbau (37 Prozent), Verlagerungen in die EU (31 Prozent) oder Kurzarbeit (28 Prozent) planen, ist hoch. Hirzel: «Wir befinden uns in einer heiklen Phase. Zahlreiche Firmen bereiten Abbau- und Verlagerungspläne vor. Entlassungen sind unausweichlich. Wie umfangreich diese ausfallen werden, hängt davon ab, wie schnell die Politik den US-Zoll von 39 Prozent entschärfen kann. Im Inland muss sie dringend die Kosten für die Industrie senken.»
Petition an Bundesrat und Parlament
Swissmem hat eine Petition lanciert, die Bundesrat und Parlament dazu auffordert, die Gesamtbelastung für die Unternehmen zu senken. Laut Swissmem unterstreichen die Umfrageergebnisse, dass es zwingend einen Abbau von Bürokratie und einen Stopp bei neuen Regulierungen braucht. Zudem dürfe es keine zusätzlichen Abgaben geben. Das betreffe u. a. die Lohnnebenkosten. Das Parlament habe es in der Herbstsession überdies in der Hand, die Bezugsdauer für die Kurzarbeitsentschädigung auf 24 Monate zu erhöhen. Das könne Massenentlassungen verhindern. Weiter müsse die Revision des Kriegsmaterialgesetzes abgeschlossen werden. Nur so könne die Rüstungsindustrie in der Schweiz gerettet und die Sicherheit der Schweiz gewährleistet werden.
Stand vom 30.10.2020
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Auch Parteien, NGOs und Verbände seien gefordert, einen Beitrag zu leisten, indem sie auf Referenden gegen neue und aktualisierte Freihandelsabkommen verzichten. Laut Swissmem gewinnen die bilateralen Verträge mit der EU an noch höherer Bedeutung. Um die Beziehungen zum wichtigsten Handelspartner zu festigen, müsse der Prozess zum Abschluss der Bilateralen III beschleunigt werden. Martin Hirzel betont: «Die Firmen brauchen jetzt Zeit und finanzielle Mittel zur Anpassung. Zeit gewinnen sie durch die Verlängerung der Kurzarbeitsentschädigung. Und finanzielle Mittel werden durch tiefere Standortkosten frei.»