Suchen

Fehlmann AG: «Made in Germany» dank Schweizer Präzision

Redakteur: Matthias Böhm

>> Das deutsche Unternehmen Rigo Spanntechnik hat sich auf die Fertigung höchst anspruchsvoller Bauteile aus der Luft- und Raumfahrt spezialisiert. Wenn Werkstücke bis zu 75 000 Euro kosten, muss das erste Teil ein Gutteil sein. Zuverlässigkeit ist das A und O. Nicht zuletzt aus diesem Grund setzt das Unternehmen auf Schweizer Werkzeugmaschinen aus Seon und investierte in zwei 5-Achsen-Bearbeitungszentren des Typs Picomax 825 Versa.

Firmen zum Thema

Die Picomax 825 Versa für die mannlose Schicht ist mit einer automatischen Werkstückbeschickung ausgestattet. (Bild: Rigo)
Die Picomax 825 Versa für die mannlose Schicht ist mit einer automatischen Werkstückbeschickung ausgestattet. (Bild: Rigo)

Die letzte Wirtschaftskrise war fatal und hat bis auf wenige Ausnahmen die gesamte Lohnfertigung getroffen. Zu den wenigen Ausnahmen zählt das Unternehmen Rigo-Spanntechnik in D-Sersheim mit dem Fertigungsschwerpunkt Raumfahrt.

Für die nahezu ausschliesslich komplexen Bauteile, mit teilweise höchsten Präzisionsvorgaben waren deshalb Investitionen zwingend erforderlich. So entschied man sich unter anderem für zwei 5-Achsen-Bearbeitungszentren Picomax 825 Versa des Schweizer Unternehmens Fehlmann.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 8 Bildern

Eine Entscheidung, die sich Rüdiger Goltz, Geschäftsführer und bekennender Fehlmann-Fan aber nicht leicht gemacht hat: «Obwohl wir bereits seit Jahren mit Fehlmann arbeiten und damit ausgesprochen zufrieden sind, war das kein Selbstläufer. Bei der Versa hat mir zum Beispiel der drehbare Tisch – auch wie er unter der Brücke durchfährt – sowie die gute Zugänglichkeit und der jederzeit mögliche Blick auf das Werkstück sehr gefallen. So etwas finden Sie heute kaum mehr.»

Seon: noch echter Maschinenbau zu sehen

Präzision, Stabilität, Leistung und Ergonomie, all das sollte das Bearbeitungszentrum allerdings zusätzlich miteinander vereinen. Mit seinem Sohn und Fertigungsleiter Ralf Goltz bei Rigo besuchte er deshalb auch das Unternehmen Fehlmann in Seon zu Fräsversuchen.

Ein Besuch, der die beiden durchwegs überzeugte, denn sie hatten die Gelegenheit, die Versa zerlegt, also in den einzelnen Aufbaustadien und damit nach ihren Worten noch echten Maschinenbau zu sehen. Bei den praxisnahen Vergleichen trennte sich so auch schnell die Spreu vom Weizen.

Was auf dem Papier steht, steckt in der Maschine

Für Ralf Goltz war beispielsweise die Spindelleistung ein wichtiges Thema: «Wir bearbeiten auch nicht rostende Stähle. Dafür brauchen wir eine Spindel mit einer Leistung von mindestens 120 Nm. Eine solche Leistung hatten fast alle Anbieter auf dem Papier versprochen. Aber Papier ist bekanntlich geduldig. So habe ich im Bekanntenkreis erfahren müssen, dass diese Leistung bei einigen Herstellern nicht abrufbar ist. Das deckt sich aber auch mit unseren Besuchen auf Fachmessen. Da fliegen die Späne wild und spektakulär. Mit unserer Praxis hat das nur wenig zu tun. Bei der Standardspindel von Fehlmann dagegen stehen 120 Nm drauf und die bringt sie auch wirklich.»

Die Präzision hat einen aussergewöhnlichen Stellenwert

Nun sind die beiden Versa nicht die ersten 5-Achsen-Bearbeitungszentren, man arbeitet in Sersheim seit über 12 Jahren damit. Allerdings von unterschiedlichen Herstellern und so konnte man bei der Abwägung auch fundierte Erfahrungen zu Grunde legen. Deshalb und weil die Präzision bei den Zerspanungsspezialisten einen aussergewöhnlichen Stellenwert hat, ging es den Verantwortlichen unter anderem auch um die Wärmekompensation der Maschine. Während nahezu alle Hersteller die Temperatur an der Spindel abgreifen, geht Fehlmann den Weg über die Raumtemperatur. Für Ralf Goltz ist das der einzig richtige Weg, denn selbst wenn auch da nachjustiert werden muss, ist die Kompensation einfacher in den Griff zu bekommen.

Nur zwei Unternehmen haben diese Zulassung

Hart wie Stahl, leichter als Aluminium, auf der Suche nach einem solchen Werkstoff ist die Raumfahrt bei AlBeMet fündig geworden. Die Zulassung, die Legierung aus Aluminium, Beryllium und Metall zu bearbeiten, haben in Deutschland bislang nur zwei Unternehmen.

Die Rigo Spanntechnik gehört dazu und hat so auch ein entsprechendes Standing-in der Raumfahrt. Dass in dieser Branche allerdings aussergewöhnliche Präzision gefragt ist, machen zahlreiche Beispiele deutlich. Beispiele, bei denen allerdings auch die Versa ihre Klasse unter Beweis stellen kann.

So weiss Rüdiger Goltz von einem für ihn «gigantischen Erlebnis»: «Wir hatten ein Bauteil, bei dem uns beim Programmieren ein kleiner, nicht gravierender Fehler unterlaufen ist. Das hat dazu geführt, dass die programmierte Fläche einmal gestirnt und einmal gewalzt wurde. Die Maschine war dann beim 90°-Schwenken so präzise, dass man beide Fräsbilder klar erkennen konnte. Das konnten wir zunächst nicht glauben und hat uns tief beeindruckt.»

Die mögliche Zeit- und Kosteneinsparung sowie die hohe Präzision macht aber noch ein anderes konkretes Beispiel deutlich. Es musste – ebenfalls ein Bauteil aus der Raumfahrt – mit einer Toleranz von einem Hundertstel Millimeter im Raum bearbeitet werden. Wegen des kostenintensiven Werkstoffs und der Komplexität wagte man sich zunächst nur in kleinen Schritten an die Bearbeitung. So wurde insgesamt dreimal mit Aufmass vorgefräst, immer wieder gemessen, bis man sich dann an die Fertigstellung wagte. Mit dem Einzug der Versa hat sich das relativ schnell geändert. Heute wird nur noch einmal mit Aufmass gefräst, zugestellt und fertig bearbeitet.

Nur die Besten dürfen ran

Ein weiterer Aspekt bei der Investition von Rigo war aus wirtschaftlichen Aspekten die Automatisierung und damit auch die Prozesssicherheit. Was die beiden Bearbeitungszentren angeht, hatten die Verantwortlichen Vertrauen in Fehlmann. Bei der Automatisierung dagegen hat man auf die Spannsysteme MTS und bei einer der beiden Maschinen auf eine Werkstückbeschickung mit Erowa sowie den Fehlmann-MCMTM (Milling Center Manager) gesetzt. Das Leitrechnersystem MCMTM steuert und überwacht Maschine und Roboter. Dabei werden Bearbeitungsreihenfolge, Nullpunkte etc. in eine Jobtabelle eingegeben. Per Mausklick lassen sich die Reihenfolge oder einzelne Parameter ändern. Mit Standard hat die automatisierte Picomax 825 Versa bei Rigo nicht mehr viel gemeinsam, denn es wurden die grosse Kühlmittelanlage mit regelbarer IKZ, Bandfilteranlage, dynamisches Kollisionsmonitoring oder auch der Werkzeugspeicher mit 80 Plätzen verbaut.

Mittlerweile arbeitet man in Sersheim mit sechs Maschinen von Fehlmann. Das heisst aber noch nicht, dass das etwas Selbstverständliches geworden ist. Zumindest nicht, was die beiden Versa angeht. Die Mitarbeiter, die die Maschinen bedienen, haben nach Auskunft von Rüdiger Goltz besondere Qualifikationen, sind die Besten und sind sich bewusst, dass die etwas «Wertvolles» sind. <<

Die letzte Wirtschaftskrise war fatal und hat bis auf wenige Ausnahmen die gesamte Lohnfertigung getroffen. Zu den wenigen Ausnahmen zählt das Unternehmen Rigo-Spanntechnik in D-Sersheim mit dem Fertigungsschwerpunkt Raumfahrt.

Für die nahezu ausschliesslich komplexen Bauteile, mit teilweise höchsten Präzisionsvorgaben waren deshalb Investitionen zwingend erforderlich. So entschied man sich unter anderem für zwei 5-Achsen-Bearbeitungszentren Picomax 825 Versa des Schweizer Unternehmens Fehlmann.

Eine Entscheidung, die sich Rüdiger Goltz, Geschäftsführer und bekennender Fehlmann-Fan aber nicht leicht gemacht hat: «Obwohl wir bereits seit Jahren mit Fehlmann arbeiten und damit ausgesprochen zufrieden sind, war das kein Selbstläufer. Bei der Versa hat mir zum Beispiel der drehbare Tisch – auch wie er unter der Brücke durchfährt – sowie die gute Zugänglichkeit und der jederzeit mögliche Blick auf das Werkstück sehr gefallen. So etwas finden Sie heute kaum mehr.»

Seon: noch echter Maschinenbau zu sehen

Präzision, Stabilität, Leistung und Ergonomie, all das sollte das Bearbeitungszentrum allerdings zusätzlich miteinander vereinen. Mit seinem Sohn und Fertigungsleiter Ralf Goltz bei Rigo besuchte er deshalb auch das Unternehmen Fehlmann in Seon zu Fräsversuchen.

Ein Besuch, der die beiden durchwegs überzeugte, denn sie hatten die Gelegenheit, die Versa zerlegt, also in den einzelnen Aufbaustadien und damit nach ihren Worten noch echten Maschinenbau zu sehen. Bei den praxisnahen Vergleichen trennte sich so auch schnell die Spreu vom Weizen.

Was auf dem Papier steht, steckt in der Maschine

Für Ralf Goltz war beispielsweise die Spindelleistung ein wichtiges Thema: «Wir bearbeiten auch nicht rostende Stähle. Dafür brauchen wir eine Spindel mit einer Leistung von mindestens 120 Nm. Eine solche Leistung hatten fast alle Anbieter auf dem Papier versprochen. Aber Papier ist bekanntlich geduldig. So habe ich im Bekanntenkreis erfahren müssen, dass diese Leistung bei einigen Herstellern nicht abrufbar ist. Das deckt sich aber auch mit unseren Besuchen auf Fachmessen. Da fliegen die Späne wild und spektakulär. Mit unserer Praxis hat das nur wenig zu tun. Bei der Standardspindel von Fehlmann dagegen stehen 120 Nm drauf und die bringt sie auch wirklich.»

Die Präzision hat einen aussergewöhnlichen Stellenwert

Nun sind die beiden Versa nicht die ersten 5-Achsen-Bearbeitungszentren, man arbeitet in Sersheim seit über 12 Jahren damit. Allerdings von unterschiedlichen Herstellern und so konnte man bei der Abwägung auch fundierte Erfahrungen zu Grunde legen. Deshalb und weil die Präzision bei den Zerspanungsspezialisten einen aussergewöhnlichen Stellenwert hat, ging es den Verantwortlichen unter anderem auch um die Wärmekompensation der Maschine.

Während nahezu alle Hersteller die Temperatur an der Spindel abgreifen, geht Fehlmann den Weg über die Raumtemperatur. Für Ralf Goltz ist das der einzig richtige Weg, denn selbst wenn auch da nachjustiert werden muss, ist die Kompensation einfacher in den Griff zu bekommen.

Nur zwei Unternehmen haben diese Zulassung

Hart wie Stahl, leichter als Aluminium, auf der Suche nach einem solchen Werkstoff ist die Raumfahrt bei AlBeMet fündig geworden. Die Zulassung, die Legierung aus Aluminium, Beryllium und Metall zu bearbeiten, haben in Deutschland bislang nur zwei Unternehmen.

Die Rigo Spanntechnik gehört dazu und hat so auch ein entsprechendes Standing-in der Raumfahrt. Dass in dieser Branche allerdings aussergewöhnliche Präzision gefragt ist, machen zahlreiche Beispiele deutlich. Beispiele, bei denen allerdings auch die Versa ihre Klasse unter Beweis stellen kann.

So weiss Rüdiger Goltz von einem für ihn «gigantischen Erlebnis»: «Wir hatten ein Bauteil, bei dem uns beim Programmieren ein kleiner, nicht gravierender Fehler unterlaufen ist. Das hat dazu geführt, dass die programmierte Fläche einmal gestirnt und einmal gewalzt wurde. Die Maschine war dann beim 90°-Schwenken so präzise, dass man beide Fräsbilder klar erkennen konnte. Das konnten wir zunächst nicht glauben und hat uns tief beeindruckt.»

Die mögliche Zeit- und Kosteneinsparung sowie die hohe Präzision macht aber noch ein anderes konkretes Beispiel deutlich. Es musste – ebenfalls ein Bauteil aus der Raumfahrt – mit einer Toleranz von einem Hundertstel Millimeter im Raum bearbeitet werden. Wegen des kostenintensiven Werkstoffs und der Komplexität wagte man sich zunächst nur in kleinen Schritten an die Bearbeitung. So wurde insgesamt dreimal mit Aufmass vorgefräst, immer wieder gemessen, bis man sich dann an die Fertigstellung wagte. Mit dem Einzug der Versa hat sich das relativ schnell geändert. Heute wird nur noch einmal mit Aufmass gefräst, zugestellt und fertig bearbeitet.

Nur die Besten dürfen ran

Ein weiterer Aspekt bei der Investition von Rigo war aus wirtschaftlichen Aspekten die Automatisierung und damit auch die Prozesssicherheit. Was die beiden Bearbeitungszentren angeht, hatten die Verantwortlichen Vertrauen in Fehlmann. Bei der Automatisierung dagegen hat man auf die Spannsysteme MTS und bei einer der beiden Maschinen auf eine Werkstückbeschickung mit Erowa sowie den Fehlmann-MCMTM (Milling Center Manager) gesetzt. Das Leitrechnersystem MCMTM steuert und überwacht Maschine und Roboter. Dabei werden Bearbeitungsreihenfolge, Nullpunkte etc. in eine Jobtabelle eingegeben. Per Mausklick lassen sich die Reihenfolge oder einzelne Parameter ändern. Mit Standard hat die automatisierte Picomax 825 Versa bei Rigo nicht mehr viel gemeinsam, denn es wurden die grosse Kühlmittelanlage mit regelbarer IKZ, Bandfilteranlage, dynamisches Kollisionsmonitoring oder auch der Werkzeugspeicher mit 80 Plätzen verbaut.

Mittlerweile arbeitet man in Sersheim mit sechs Maschinen von Fehlmann. Das heisst aber noch nicht, dass das etwas Selbstverständliches geworden ist. Zumindest nicht, was die beiden Versa angeht. Die Mitarbeiter, die die Maschinen bedienen, haben nach Auskunft von Rüdiger Goltz besondere Qualifikationen, sind die Besten und sind sich bewusst, dass die etwas «Wertvolles» sind. <<

(ID:28002400)