InnovationsForum Automation 2017: Schmalz GmbH Flexible und transparente Prozesse in digitalen Zeiten

Redakteur: Silvano Böni

Die Digitalisierung treibt die Industrie um. Sie verändert Prozesse und Geschäftsmodelle – und erfordert von Unternehmen zum Teil völlig andere Strategien: in der täglichen Zusammenarbeit, im Kontakt mit den Kunden und vor allem in der Produktentwicklung.

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Über eine eigene Service-App von Schmalz lassen sich Smart Field Devices schnell und einfach via Mobilgerät parametrieren.
Über eine eigene Service-App von Schmalz lassen sich Smart Field Devices schnell und einfach via Mobilgerät parametrieren.
(Bild: Schmalz)

Für Schmalz, Spezialist für Vakuum-Automation, bedeutet die Digitalisierung Chance und Herausforderung zugleich. Wie das Unternehmen die vielfältigen Chancen bereits heute nutzt, zeigt ein einfacher Blick in den Produktkatalog. Viele der Lösungen für eine vernetzte Fabrik sind seit Jahren im Feld. Damit erfüllt Schmalz bereits heute die sehr realen Forderungen der Kunden nach mehr Flexibilität und Transparenz.

«Für uns steht gar nicht so sehr der Begriff der ‹Digitalisierung› im Mittelpunkt. Entscheidend ist vielmehr, was sich unsere Kunden dadurch erhoffen – und dementsprechend, was sie von uns als Hersteller für Greifsysteme und Komponenten erwarten», sagt Walter Dunkmann, Leiter Geschäftsfeld Vakuum-Automation. «In der Schweiz stehen wir mit unseren Kunden im ständigen Austausch und nehmen wahr, dass es im Kern darum geht, Produktionsprozesse flexibler und transparenter zu gestalten», ergänzt Christian Landis, Geschäftsführer von Schmalz Schweiz.

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Beispiel Automobilindustrie: Die E-Mobilität erfordert auch von Zulieferern ein grundsätzliches Umdenken. Als Hersteller von Greifsystemen lautete die klare Anforderung an Schmalz, flexible Endeffektoren anzubieten, die mit dem Mix von bisherigen Antrieben auf der einen Seite und Hybrid- und Elektromotoren auf der anderen Seite umgehen können. Dieser Mix führte zu einer deutlich höheren Komplexität bei der Ansteuerung und Überwachung dieser Endeffektoren. Schmalz nutzt für solche Herausforderungen sein über Jahrzehnte aufgebautes Wissen rund um die jeweilige Applikation. Bereits 2008 brachte das Unternehmen Vakuum-Erzeuger mit IO-Link als Kommunikationsschnittstelle auf den Markt. Die Vakuum-Erzeuger sind in allen Feldbussen sichtbar und können via IO-Link je nach Anforderung entsprechend parametriert werden. Sie sind in vielen Branchen seit Jahren etabliert, weil sie den Kunden bei der Prozessüberwachung und -steuerung einen erkenn- und messbaren Mehrwert liefern: Funktionen zur Energie- und Prozesskontrolle ermöglichen beispielsweise eine ressourceneffiziente Nutzung der Komponenten oder eine frühzeitige Wartung von Greifsystemen. Schmalz hat sein Programm an sogenannten Smart Field Devices, also intelligenten Vakuum-Komponenten, in den vergangenen Jahren sukzessive ausgebaut – vom einzelnen Vakuum-Erzeuger über Vakuum-Terminals mit mehreren verblockten Ejektoren bis hin zum intelligenten Nadelgreifer.

«Die steigende Komplexität wird durch diese intelligenten Systeme erst beherrschbar», erklärt Walter Dunkmann. «Es geht also einerseits darum, die immer komplexeren Prozesse transparenter und Produkte einfacher bedienbar zu machen. Andererseits brauchen wir durchgängig digitale Prozesse – von der Konstruktion über die Inbetriebnahme und den Betrieb eines Greifsystems bis zu Service-Angeboten.» Gefordert sind deshalb neben intelligenten Systemen auch «kluge» Kommunikationsschnittstellen, über die sich Greifsysteme einfach und schnell integrieren, parametrieren und bedienen lassen. Denn die besten Feldgeräte sind nutzlos, wenn sie nur Daten sammeln, die Daten aber in der Folge nicht zielgruppengerecht aufbereitet zur Verfügung gestellt und genutzt werden können. So braucht ein Instandhalter beispielsweise ganz anders aufbereitete Informationen als das Management, das sich weniger für einzelne Fehlermeldungen im laufenden Betrieb als vielmehr für aggregierte Daten interessiert.

Daten direkt aus dem Prozess

Die Entwicklung bei Schmalz geht deshalb noch weiter. Das Unternehmen rüstet seine mechatronischen Komponenten und Systeme sukzessive mit NFC (Near Field Communication) aus. Den Auftakt machte bereits 2015 der Vakuumschalter VSi. Wichtige Daten werden nun direkt aus dem Prozessor eines Feldgeräts ausgelesen und beispielsweise am Smartphone zur Verfügung gestellt. «Die Devices sprechen Klartext mit dem Anwender – im wahrsten Sinne des Wortes», sagt Walter Dunkmann. «Steht ein Greifsystem still, liefern sie eindeutige Hinweise zur Fehlerquelle – und keine kryptischen Fehlercodes.»

Mit einer eigenen Service-App schafft Schmalz ausserdem ein neues Geschäftsmodell: Das Unternehmen bietet die App künftig direkt über den Google PlayStore an. In der kostenlosen Version liest die App Daten aus den Smart Field Devices aus. Zudem bietet Schmalz ab Herbst ein Lizenzmodell für eine schreibende Version der App. Mit dieser Version lassen sich Smart Field Devices wie der Vakuumschalter VSi, der elektrische Vakuum-Erzeuger ECBP oder das Compact-Terminal SCTMi einfach und schnell via Mobilgerät parametrieren. Die Inbetriebnahme-Zeit für einen Vakuumschalter beispielsweise sinkt damit um bis zu 75 Prozent. Das Gerät wird dazu einfach per NFC gescannt, im Anschluss lassen sich mit der App die gewünschten Werte übertragen – intuitiv und innerhalb von Sekunden.

Schmalz arbeitet mit Hochdruck daran, die Echtzeit-Kommunikationsdaten seiner Geräte plattform­unabhängig in der Cloud zur Verfügung zu stellen. «Funktionen wie Condition Monitoring oder auch Predictive Maintenance kommen hierdurch erst richtig zu Wirkung», ist Walter Dunkmann überzeugt. «Unsere Kunden profitieren von all diesen Aktivitäten mehrfach», freut sich Christian Landis. «Die Produkte lassen sich sehr einfach in die Produktionsumgebung integrieren und mit geringem Aufwand in Betrieb nehmen. Funktionen zur Zustandsüberwachung oder für vorausschauende Wartung beugen Anlagenstillständen vor und sparen bares Geld.» SMM

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