Suchen

G. Teta: «Wir setzen auf den Werkplatz Schweiz»

Redakteur: Matthias Böhm

>> Das Unternehmen Kaiser Präzisionswerkzeuge AG in Rümlang ist ein Schweizer Vorzeigeunternehmen. Mit höchster Fertigungstiefe produziert das Unternehmen Präzisions-Ausdrehwerkzeuge. Ein Musterbeispiel, wie in der Schweiz effektiv produziert werden kann. Der SMM sprach mit Gennaro Teta (Vice President) über das Unternehmen und den Werkplatz Schweiz.

Firmen zum Thema

«Wir stellen alles selber her, fast alles.» Gennaro Teta (Vice President) Kaiser Präzisionswerkzeuge AG
«Wir stellen alles selber her, fast alles.» Gennaro Teta (Vice President) Kaiser Präzisionswerkzeuge AG
(Bild: Kaiser AG)

SMM: Wie präsentiert sich Ihre aktuelle Situation im Bereich der Präzisions-Ausdrehwerkzeuge?

Gennaro Teta: Durch unseren international grossen Bekanntheitsgrad konnten wir in jüngster Zeit unser Produktspektrum für den europäischen Markt kontinuierlich ausbauen. Der Trend geht in Richtung Erweiterung der Angebote im Bereich der Komplettlösungen zum Ausdrehen.

Wenn man durch Ihre Hallen geht, ist Ihre hohe Fertigungstiefe auffallend.

G. Teta: Richtig, wir stellen alles selber her, fast alles. Unser Maschinenpark ist extrem gut auf unser Produktspektrum hin ausgerichtet.

Bildergalerie

Sie haben auch digitale Ausdrehwerkzeuge im Programm, kaufen Sie die Elektronik- und Software-Technologie zu?

G. Teta: Nein, ganz im Gegenteil. Um über hundertprozentige Elektronik- und Software-Kompetenz zu verfügen, richteten wir ein Elektronik-Labor und -Entwicklung ein und stellten spezialisierte Elektroingenieure ein. Das passt zu unserer Philosophie, dass wir die komplette Entwicklung und Fertigung für Ausdrehwerkzeuge im Hause durchführen.

Seit wann bestehen die Arbeitsplätze im digitalen Bereich?

G. Teta: Vor sechs Jahren entschlossen wir uns, ein Elektronik-Labor für den digitalen Bereich einzurichten und setzten das Vorhaben um. Zwei Elektroingenieure entwickeln und fertigen komplette Problemlösungen im digitalen Bereich. Zur Erinnerung: Die neue digitale Generation der Ausdrehwerkzeuge deckt den Durchmesser-Bereich von 0,4 mm bis 3000 mm ab.

Sie erwähnten den kontinuierlichen Ausbau Ihrer Produktepalette. Führte das zu Investitionen hier in Rümlang?

G. Teta: Wir investierten in der Schweiz einerseits in die Infrastruktur und in den Bereich Aus- und Weiterbildung. Im neuen Seminarzentrum bieten wir praxisnahe Kurse für Kunden an, bei denen der Nutzen unserer Kunden durch unsere Produkte im Zentrum steht. Weiter führen wir mit Kunden Versuche in unserem Technologiezentrum durch, beispielsweise über das Bearbeiten von Titan und anspruchsvollen Werkstoffen. In diesem Zusammenhang muss auch die Investition in unsere klimatisierte Schleiferei erwähnt werden, die wir neulich in Betrieb nehmen konnten. Nicht zu vergessen: Für die Ausbildung unserer Lehrlinge erweiterten wir die Räumlichkeiten und installierten geeignete Maschinen. Auch das ist eine Investition in den Werkplatz Schweiz.

In Ihrem Technologiezentrum sticht ein Struktur-Bauteil Ihres Kunden Pilatus heraus. Können Sie hierzu kurz etwas sagen.

G. Teta: Hierbei handelt es sich um die sogenannte Holmbrückenverbindung des Pilatus PC-12, es wird im Rumpf eingebaut und dient als Halterung der Tragflächen. Das Werkstück wird aus einem 400 kg schweren «Aluminium-Block» herausgearbeitet. Das fertig einzubauende Teil wiegt nur noch 34 Kilogramm. Im Pilatus-Flyer auf unserer Homepage steht dazu, Pilatus brauche hochpräzise und zuverlässige Werkzeuge. Wir, Kaiser, würden beides bieten. Weiter wird uns attestiert, um bei Pilatus flexibel produzieren zu können, sei die hohe Wechselgenauigkeit unserer Ausdrehköpfe essentiell.

Welche Rolle spielt in diesem konkreten Zusammenhang die Prozesssicherheit?

G. Teta: Sie müssen wissen: Das Werkstück ist praktisch fertig bearbeitet. Mit einem enormen Aufwand. Wenn jetzt, beim Ausdrehen etwas schief läuft, ist das Werkstück Ausschuss. Das ist mit sehr hohen Kosten verbunden. Deshalb ist die Prozesssicherheit unserer Ausdrehwerkzeuge enorm wichtig. Bei den Toleranzen, die hier gefordert werden, ist das alles andere als ein Kinderspiel.

Welche Industrien nutzen Ihre Werkzeuge?

G. Teta: Im Prinzip die komplette metallverarbeitende Branche, die Präzisionsbohrungen fertigt. Wir dürfen beispielsweise für Unternehmen wie Victorinox, Suter Racing, Audemars Piguet oder Gartaventa arbeiten, um nur einige bekannte Unternehmen zu nennen. Aus solchen und anderen Zusammenarbeiten resultieren immer wieder grosse Herausforderungen an unser Können, die uns weiterbringen.

Welchen Stellenwert hat denn die Uhrenindustrie für Kaiser?

G. Teta: Insbesondere in der Uhrenindustrie werden Fertigungsschritte zusehends automatisiert. Um diese Prozesse zu unterstützen, haben wir zusammen mit Kunden spezielle Ausdrehwerkzeuge für das Bearbeiten von Platinen entwickelt. Von grösster Bedeutung sind hier die Rundlaufwerte.

Von zentraler Bedeutung dürfte dabei die Präzision Ihrer Werkzeuge sein?

G. Teta: Richtig, die Präzision des Kaiser-Ausdrehkopfes beträgt, mit Zustellgenauigkeit, nur gerade 0,001 mm. Ein zusätzliches Plus für unsere Produkte ist die Prozesssicherheit, durch die teure Arbeitsschritte unserer Kunden wie Schleifen oder Honen teilweise vermieden werden können. Aber letztlich entscheidet die Leistung. Jede Zerspanung muss schnell und mit hundertprozentiger Präzision durchgeführt werden. Nur darum dürfen wir Unternehmen aus der Flugzeugindustrie, dem Motorrennsport, der Uhrenindustrie, der High-Tech-Elektronik und Feinwerktechnik mit massgeschneiderten Werkzeugen beliefern.

Wie ist Ihr Maschinenpark auf Ihre Losgrössen angepasst?

G. Teta: Unsere typischen Losgrössen bewegen sich zwischen 10 und 200 Stück, für Weich- und Hartbearbeitungen. Um unser Ziel zu erreichen – Teile möglichst schnell vollautomatisch herzustellen – setzen wir auf automatisierte Bearbeitungsprozesse. Eine Person kann hier zugleich zwei Maschinen bedienen. Die Präsenzzeit der Mitarbeiter beträgt zwei Schichten zum Einrichten und Produzieren. Nachts wird automatisch mannarm bis mannlos produziert.

Welche Rolle spielt die Lehrlingsausbildung für Ihr Unternehmen?

G. Teta: Unsere Lehrlingsabteilung haben wir kontinuierlich erweitert. Sie sehen hier konventionelle Maschinen und CNC-gesteuerte Fehlmann-Maschinen. In der Regel lernen unsere Lehrlinge ab dem 3. Lehrjahr, beim Drehen, Fräsen usw. mit CNC-Technik umzugehen. Wir vertreten seit Jahren den Grundsatz, rund 10 Prozent der Belegschaft mit Lernenden abzudecken. Eine Win-win-Situation: Fachlich kompetente Lehrmeister sowie ein dem neuesten Stand der Technik entsprechend eingerichteter Betrieb garantieren den Jungen eine erstklassige Ausbildung. Das wiederum kommt unserem Unternehmen zugute.

Sie kooperieren seit langem mit dem japanischen Unternehmen BIG Daishowa, können Sie das näher erläutern?

G. Teta: Ja, mit dem japanischen Werkzeughersteller BIG Daishowa verbindet uns eine 30-jährige Zusammenarbeit. BIG verfügt über fast 700 Mitarbeitende und produziert jährlich über eine halbe Million Spannzangen. Gemeinsam arbeiten wir an Entwicklungen und auch an Projekten, was zu wertvollen Synergien führt. Wir können unseren Kunden ein komplettes Spannprogramm dank dieser Kooperation anbieten. Wir ergänzen uns bestens. Für den japanischen Markt verfügen wir mit BIG Daishowa über einen ausgezeichneten Vertriebspartner.

Seit einigen Jahren haben Sie auch in Deutschland eine Niederlassung.

G. Teta: 2010 gründeten wir die BIG Kaiser GmbH in Vöhringen im Rahmen eines Joint Venture gemeinsam mit BIG. Die Niederlassung bringt uns mittlerweile wichtige Impulse und ebenfalls willkommene Synergien. Der deutsche Markt ist wichtig, aber hier sind sehr gute deutsche Mitbewerber aktiv.

Welche Herausforderungen stellen sich der Firma Kaiser als Schweizer Fertigungsbetrieb?

G. Teta: Wir stehen immer vor enormen Herausforderungen, die es zu lösen gilt. Da sind einerseits unser Potenzial in Form von kompetenten, bestens ausgebildeten Fachkräften und andererseits der Maschinenpark, in den laufend investiert wird. Weitere Vorteile: Vorsprung durch jahrzehntelange Erfahrung und Zuverlässigkeit. Wir setzen auf den Werkplatz Schweiz. <<

(ID:42430391)