Bystronic: Kleinste Blechteile hochgenau laserschneiden Gemeinsam Grenzen des Machbaren ausloten

Von Jan Graber

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Der Mechaniker Martin Fischer balanciert gekonnt zwischen den Welten des Metalls und der Kunst. Seine Leidenschaft sind elegante Pendeluhren, für die er genaue Bauteile benötigt. Diese lässt er beim Zulieferer Al-Cut auf einer Laserschneidmaschine von Bystronic schneiden.

Speziell der Laser ist geeignet, um kleine Blechteile aus dünnen Blechen hochgenau auszuschneiden.
Speziell der Laser ist geeignet, um kleine Blechteile aus dünnen Blechen hochgenau auszuschneiden.
(Bild: Bystronic )

Die Glocke tönt laut, hell und erwartungsvoll, als hätte soeben jemand an einer über­grossen Tür geklingelt und bitte um Einlass. Der markante Ton zeigt jedoch lediglich die volle Stunde an und stammt von einer der vielen Uhren, die in Martin Fischers Metallwerkstatt ticken. «Früher einmal wollte ich Künstler werden», sagt er und lächelt ebenso schelmisch wie verhalten. Dabei blitzt ein goldener Schneidezahn auf. Er sei aber ziemlich erfolglos geblieben und deshalb irgendwann zurück in die Metallbearbeitung gekommen. Heute kann man sagen, eher irgendwo zwischen Bearbeitung und Kunst. Martin Fischer wirkt drahtig sportlich, ein Mann mit kahlem Kopf, markanten Gesichtszügen und intensiv prüfendem Blick, der einen aber stets offen und freundlich anschaut. Er ist ein typischer Macher. Er führt eine Metallwerkstatt in der Gewerbegenossenschaft «Gleis 70» in Zürich Altstetten. Das ist ein Künstler- und Handwerkerhaus, das es ohne den 61-Jährigen nicht gäbe.

Karriere zwischen Kunst und Industrie

Martin Fischer sagt, er arbeite gerne mit Menschen zusammen, besonders auch mit Künstlern, die mit herausfordernden Projekten zu ihm kämen. «Ich liebe es, Ideen zu entwickeln. Ich gehe gerne über meine Grenzen hinaus, um mein Spektrum zu erweitern», ergänzt er. Deshalb sei er nach der Ausbildung zum Polymechaniker auch nicht direkt in die Industrie eingestiegen, sondern nach London gereist, um Englisch zu lernen. Dort machte er die Bekanntschaft mit dem Glas- und Stahlkünstler Danny Lane, begann bei diesem zu assistieren und kam so mit der Kunstwelt in Kontakt. «Danach wollte ich selbst Künstler werden», sagt er. Es verschlug ihn in die Toskana. Dort half er, eine Kunstschule aufzubauen. Er versuchte sich ein Jahr lang in Mailand als Künstler. «Absolut erfolglos», sagt er heute lachend. Zurück in Zürich, begann er, mechanische Arbeiten und Kulissenbauten für ein bekanntes Theater sowie Film- und Theaterschaffende zu erledigen – er fand den Weg zurück in die Metallbearbeitung und nahm einen Platz zwischen der kreativen und der industriellen Welt ein. Entsprechend führt er nicht nur mechanische, sondern auch gestalterische Auftragsarbeiten aus. Er schweisst für Museen und Galerien, konstruiert Leuchten und Lampen, baut Möbel und erstellte zusammen mit seiner Frau auch schon Inneneinrichtungen für die Gastronomie. Bei Bedarf konstruiert er auch mal eine eigene Hochpräzisionssäge. Sein grösstes Wissen liege in den Bearbeitungsmethoden von Metall. «Mich fasziniert aber vor allem das Spielerische», sagt er. Mit Freunden hat er auch schon ein Rackrohr zum Schiessen von Tennisbällen konstruiert oder Feuerwerke krachen lassen, die er «Fischerwerke» nennt. Sie erinnern an den «Lauf der Dinge» des Künstlerduos Fischli/Weiss.

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Arbeitsplatz eines Künstlers

Die Metallwerkstatt strotzt nur so vor Objekten unterschiedlicher Herkunft. Überall im grossen Raum mit Blick auf die Gleise des Zürcher Rangierbahnhofs stehen Drehbänke, Bohr- und Fräsmaschinen, metallene Arbeitstische, Schweissanlagen, Lager voller Stahlprofile, Röhren und Stangen. Der Zementboden ist wolkig schwarz vom vielen Metallstaub, es riecht nach Eisen, Maschinenöl und verglühten Eisenspänen. An einer Wand hängen ein Velo und die Beine einer alten Schaufensterpuppe, an der anderen Verkehrsschilder und weitere skurrile Objekte. In einer Ecke baumelt eine kleine Discokugel, darunter lässt sich ein löchriger Blechhase auf einer Schiene ausmachen, der offensichtlich schon von mehreren Luftgewehrkugeln getroffen wurde. Auch in Martin Fischers hellem Büro bleibt das Auge immer wieder hängen. Neben seinem Arbeitsplatz tickt eine ultrapräzise Mutteruhr, die als Taktgeber für die anderen Uhren in seiner Werkstatt dient. Zahllose Jagdtrophäen schauen von einer Wand oberhalb des gläsernen Eingangs, sie waren für ein kulinarisches Fest gedacht, das jedoch (noch) nicht stattgefunden hat.

Uhren mit künstlerischem Anspruch

Dann fällt der Blick auf die drei feinen, präzise gefertigten Pendeluhren. Die filigranen metallenen Objekte mit offenem Uhrwerk wurden von Martin Fischer von Grund auf entwickelt und konstruiert. Er hat sie mit einem bestechenden Flair für minimalistisches Design entworfen. Die Uhren sind an Eleganz kaum zu übertreffen. Die jüngste von ihnen – die «Clockwork 2.00B» – ist mit nur vier in sich greifenden Zahnrädern, einem Pendel, einem Aufzugsgewicht und der Hemmung (bestehend aus den «Paletten» und einer Ankergabel) ausgestattet. Mit dem Uhrenvirus wurde Martin Fischer infiziert, als er im Jahr 2006 im Jura ein Gebäude kaufte, in dem einst eine kleine Uhrenfabrik zu Hause war. Neugierig, wie er war, begann er sich mit Uhren zu befassen, lernte die mittelalterlichen Waagbalken-​Uhrwerke kennen und beschloss, sich selbst an die Konstruktion eines Chronometers zu wagen. «Ich brauchte einige Zeit, bis ich es schaffte, die Geo­metrie der Hemmung richtig hinzukriegen», sagt Fischer. Ohne einen Mentor, der ihn in die Geheimnisse des Uhrenmachens einführte, hätte er es wohl nicht geschafft. Habe man den Dreh aber erst einmal raus, bestehe der Rest eigentlich nur noch aus der präzisen Arbeit mit dem Metall.

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Spezialist für genaues Schneiden

In Inwil, beim Zulieferbetrieb Al-Cut, lässt Martin Fischer die Bauteile für die Hemmung seiner Uhren schneiden. Beim Spezialisten für Laser- und Wasserstrahlschneiden herrscht die geschäftige Atmosphäre eines industriellen Metall verarbeitenden Betriebs. Mitarbeitende sitzen in Büros vor Bildschirmen, wechseln hinüber in die Werkhalle, kommen mit Plänen und Tabellen zurück. Mit Toni Räber, Gründer und Geschäftsführer, gehen wir durch die grosse Werkhalle des Betriebs, in der es Laser- und Wasserschneidmaschinen mit Abmessungen einer Autogarage gibt. «Bei uns steht eine ganze Reihe Maschinen von Bystronic», sagt er, als wir vor einer «ByStar Fiber 3015» stehen. Zum Maschinenpark zählen drei Laser- und zwei Wasserstrahlschneidmaschinen sowie zwei Gesenkbiegepressen. «Wir testen auch Prototypen von Bystronic», sagt Toni Räber stolz und führt uns an einem imposanten Metalllager vorbei zurück in den Empfangsbereich, in dem eine Vitrine mit Ausstellungsstücken steht. Er weist auf ein winziges, nur 2 mm langes Fahrrad, bei dem unter einer Lupe Details wie Speichen und Pedale zu erkennen sind. «Mit Lasern lässt sich sehr genau und auch in kleinsten Dimensionen arbei­ten», erläutert Toni Räber.

Gemeinsam zum optimalen Fertigungskonzept

Doch Martin Fischer lässt nicht allein wegen der Präzision seine Bauteile für Uhren bei Al-Cut fertigen. Entscheidend war, dass Toni Räber gern besondere Aufträge annimmt und zusammen mit Auftraggebern nach Lösungen für ungewöhnliche Bearbeitungsaufgaben sucht. «Ich schätze Toni Räbers Gespür für Materialien und wie er mitdenkt», sagt Martin Fischer. Als schwierig erweist sich beispielsweise, dass Metalle beim Laserschneiden an den Schnittkanten ausglühen. Dies betrifft speziell sehr dünne Bleche. «Es macht Spass, mit Kunden wie Martin Fischer die Grenzen des Machbaren auszuloten», sagt Toni Räber. So hätten sie auch für die Hemmungen der künstlerisch gestalteten Uhren zunächst den passenden Werkstoff finden müssen. Toni Räber nennt diese Bauteile «Twicky», ein Kunstwort abgeleitet vom englischen tricky, mit dem man besonders anspruchsvolle Probleme bezeichnet. Wegen der guten Beständigkeit gegen Verschleiss einigte man sich auf den Stahl Ck45. Er lässt sich nach dem Bearbeiten härten. SMM

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