GF Machining Solutions verfügt über ein breites Produktportfolio im Bereich der Fertigungstechnik. Schwerpunkte sind Hochleistungsfräsen, Draht- und Formerosion, Laserbearbeitung bis hin zur additiven Fertigung. Im SMM-Interview zeigt Pascal Friche (Head of Software Business Marketing, Digital Business) auf, welche Möglichkeiten sich bieten und was am SMM-Kongress thematisiert wird.
Alle Daten werden getrackt und ausgewertet, um den Erodierprozess der sechs Erodieranlagen zu optimieren.
(Bild: GF Machining Solutions)
Herr Friche, welche Möglichkeiten bieten digitale Lösungen für Ihren Geschäftsbereich?
Pascal Friche (Head of Software Business Marketing, Digital Business): In unserem digitalen Geschäftsbereich verfügen wir über drei Säulen. Die erste digitale Säule ist der Digital Service. Hierzu gehört beispielsweise die Verwaltung digitalen Contents, Live-Remoteunterstützung, mit der wir Ferndiagnosen realisieren können, das geht dann direkt über in intelligente Wartungsdienste und Ermittlung von Maschinenleistungen.
Darüber hinaus sind wir in der Lage, KPI- und OEE-Kennzahlen zu ermitteln (Key Performance Indicator, Overall Equipment Effectiveness). Hier handelt es sich um Methoden zur Überwachung und Verbesserung der Effizienz von Produktionsanlagen. Last but not least gehören unsere e-shops in den Bereich des Digital Service und Success.
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Der zweite digitale Sektor betrifft die erweiterten Maschinenfähigkeiten, was heisst das konkret?
Hier gehören beispielsweise der digitale Zwilling, Künstliche Intelligenz (KI), Technology-Management wie auch Teile- und Prozess-Validierungsprozesse dazu. Und bei der dritten Säule handelt es sich konkret um Prozessoptimierungen im Bereich der Produktion.
Können sie den Bereich der dritten Säule näher erörtern?
Die Entwicklung von CAD/CAM-Prozessen, automatisierte Arbeitsabläufe, perfektionierte Erodier- und Fräsprozesse stehen hier im Fokus. Generell geht es darum, die digitalen Technologien zu nutzen, um höhere Bearbeitungsgeschwindigkeiten bei gleichzeitig höherer Präzision und Oberflächengüte zu erzielen.
Welche Entwicklungen stehen aktuell an?
Hier geht es um die Erweiterung der Maschinenfähigkeiten. Ob Fräsen, Erodieren oder 3D-Additive-Manufacturing, mittels Softwaretechnologien lassen sich in diesen Sektoren die Prozesse erheblich optimieren. Ich möchte auf ein Beispiel verweisen, das viele Anwender bereits kennen: Trochoidale Frästechnologien sind letztlich möglich geworden durch Softwareentwicklungen, verknüpft mit modernen CAM-Prozessen und Steuerungstechnik, die diese hoch dynamischen Prozesse auf das Werkzeug/Werkstück übertragen. Und solche Entwicklungen schreiten kontinuierlich voran.
Was heisst das?
Wir können bei Produktionsprozessen alle Daten analysieren. Nehmen wir einen Fräsprozess. Welche Drehmomente, welche Schnittkräfte, welche Vorschubkräfte, bei welchen Drehzahlen und in welchen Wirkbereichen ergeben sich? Solche Daten müssen bewertet werden, KI kann hier helfen. Die KI basiert aber letztlich immer auf dem Knowhow, dass wir hinterlegt haben. Es ist äusserst komplex, aber im Endeffekt zielführend, wenn es darum geht, die Prozesssicherheit als auch Produktivität zu erhöhen.
Sie haben digitalen Service angesprochen, welche Nutzen bringt ein solcher Service?
Hier gehört zum Beispiel die Bereitstellung aller Maschinendokumentationen hinzu, aber auch eine Performanceanalyse der Anlagen. Wir können im Servicefall darüber hinaus oft im Vorfeld sehr genau eruieren, welche Komponenten einen Defekt aufweisen, womit Serviceeinsätze vor Ort sehr viel effizienter sind. Zum Teil können Fehlermeldungen auch direkt online gelöst werden. Dadurch verkürzen sich die Reparaturzeiten und die Effizienz des Gesamtsystems über das Jahr steigt.
Am Kongress werden Sie die digitale Prozessoptimierung einer Erodierinsel beschreiben, was erwartet den Besucher des Kongresses?
Unsere Gesamtlösung ist letztlich eine komplexere Fertigungsinsel mit 6 Drahterodiermaschinen. Alle 6 Maschinen werden automatisch per Roboter be- und entladen. Die Erodierprozesse laufen vollautomatisch.
Was waren die Herausforderungen für den Kunden
Sie haben die Maschinen bisher manuell be- und entladen. Es gab viele manuelle Operationen. Der Fertigungsprozess war personalintensiv und kostenintensiv.
Das heisst?
Wir verfügen mit System 3R über einen professionellen Automationsspezialisten. Deren Spezialisten haben ein Lean-Automationskonzept entwickelt, wo der komplette Prozess seitens System 3R entwickelt, realisiert und gesteuert wird.
Ok, das ist der Automationsprozess, sie sagten, dass auch Erodierprozesse optimiert werden können.
Ja, ein aktuelles Beispiel: Beim Erodieren entsteht durch die Funkenerosion eine spezifische Oberflächenstruktur die durch Microcracking entsteht. Das ist verfahrensbedingt, weil der Erodierprozess das Material aufschmilzt und verdampft. Diesen Prozess können wir heute sehr präzise steuern, dank unserer Software- und Steuerungsentwicklung, wo wir alle Parameter abbilden. Erkennen wir in der anschliessenden Qualitätskontrolle, dass die Oberflächenstruktur nicht den Qualitätsanforderungen entsprechen sollte, können wir exakt nachverfolgen, mit und unter welchen Prozessparametern das Bauteil gefertigt wurde.
Was bedeutet das konkret?
Im Luft- und Raumfahrtbereich sind solche Schichten bei spezifischen Bauteilen nur in einem kleinen Toleranzfenster erlaubt. Unsere Softwaretools erlauben durch die Analyse des Erodierprozesses, die Steuerung in der Art zu optimieren, dass wir genau definierte Oberflächenstrukturen generieren. Mithilfe des Digitalisierungsprozesses wird zu jedem Bauteil ein Protokoll erstellt, wo alle Parameter, die auf die Qualität Einfluss haben, ersichtlich sind. Diese Daten werden für weitere Analysen genutzt, um letztlich den Erodier-Prozess zu perfektionieren. Wir werden am SMM-Kongress unsere digitale Kompetenz am Beispiel eines Luft- und Raumfahrt-Unternehmens aufzeigen, das ist recht eindrücklich. SMM
Stand vom 30.10.2020
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