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Die von der Führung in Weinfelden eingeleiteten Veränderungen trafen die meisten Sektionen völlig unvorbereitet. Bis anhin fühlten sich die Sektionen in der Entscheidfindung und in der Umsetzung anstehender Aufgaben autonom. Die vom Präsidenten und Direktor eingeleiteten Neuerungen hatten nicht das primäre Ziel der Zentralisierung. Die anstehenden, neuen, auf wenige Berufe zusammengefassten Lehrberufe verlangten einheitliche gesamtschweizerische Lösungen. Gleiches galt auch für die Umsetzung der EKAS-Richtlinien für die Arbeitssicherheit und den Gesundheitsschutz. Dazu kam, dass zur Stärkung des Verbandes dringend notwendige Reformanstösse im Bereich von Wirtschaft, Sozialem und Politik umgesetzt werden mussten. Belange, die bis anhin von den Sektionen überhaupt nicht oder nur stiefmütterlich behandelt wurden.
Anton Renggli: All diese von der Zentrale kommenden Neuerungen bereiteten uns vorerst wenig Freude. Speziell in der Berufsbildung wurde die Autonomie der Sektion in Frage gestellt, in der Lehrlingsausbildung, insbesondere mit der Erstellung der entsprechenden Ausbildungs- und Prüfmittel. Beim immensen Aufwand und dem persönlichen Engagement, die jede Sektion zu führen hatte, gewann nach geraumer Zeit die objektive Argumentation die Oberhand, wonach eine nationale Vereinheitlichung der Lehr- und Prüfmittel für unsere SWISSMECHANIC-Berufe nur von Vorteil sein konnte. Nebst der enormen Entlastung unserer im Milizsystem arbeitenden Funktionäre war die mit der Zentralisierung einhergehende Stärkung unserer Lehrlingsausbildung und damit des Verbandes nicht mehr abzustreiten.
Nebst der für den Verband wichtigen Berufsbildung war es immer ein Anliegen der zentralen Leitung, SWISSMECHANIC vom ehemaligen Berufsverband zu einem echten Arbeitgeber-, Berufs- und Branchenverband weiterzuentwickeln. Dieses Anliegen stiess bei den Sektionen jedoch auf wenig Gehör. Insbesondere das vermehrte politische Engagement auf regionaler oder kantonaler Ebene, das von der Dachorganisation gefordert wurde, nahm man eher kopfschüttelnd zur Kenntnis. Die Wichtigkeit, der eigenen Branche auch politisch in den entsprechenden Gremien Gehör zu verschaffen, wird teilweise bis in die heutigen Tage hinein als unwichtig abgetan. Dies obwohl gerade SWISSMECHANIC als typischer Vertreter der KMU-MEM Branche eine wirtschaftlich bedeutungsvolle Rolle auf nationaler Ebene darstellt.
Vreny Stamm: Das ist gerade der springende Punkt. Es sind tatsächlich beinahe alle Verbandsmitglieder Kleinunternehmer, die im Gegensatz zur Grossindustrie die für ein politisches Engagement notwendige Zeit nicht aufbringen konnten oder wollten. In unserem Kanton war es Anton Renggli, der als erster im Kantonsrat intensiv politisierte und auch die Interessen der Branche im Kanton wahrnehmen konnte. Gestört hat mich auch das fehlende Engagement in der IVS (Industrievereinigung Schaffhausen). Möglicherweise fühlte man sich dort zu schwach gegenüber den Schwergewichten aus der dominierenden Industrie von SIG oder GF. Dank persönlichen Kontakten zur IVS konnten wir Martin Kessler (Kessler Werkzeugbau AG) als Vertreter der Industriegruppe Klettgau in den Vorstand delegieren. Mittlerweile ist er auch unser Vertreter im Kantonsrat und Vizepräsident und sollte im kommenden Jahr zum Grossratspräsidenten gewählt werden. Hervorheben möchte ich sein Engagement vor dem Grossen Rat, als es gegen die Schaffung eines kantonalen Berufsbildungsfonds zu kämpfen galt. Auch dank seinem Einsatz für die Sache wurde der Vorstoss aus linken Kreisen schlussendlich abgelehnt. Ich würde es gerne sehen, wenn er im Rat vermehrt als Vertreter der KMU-Betriebe von SWISSMECHANIC Stellung beziehen würde. Darum wäre es mein Wunsch, dass nebst Martin Kessler sich noch weitere SWISSMECHANIC-Vertreter auf kantonaler Ebene für ein politisches Amt engagieren würden.
Walter Kessler: Wie gesagt, als eigenständige Sektion wollten wir uns möglichst wenig von Weinfelden vorschreiben lassen, was zu tun sei. Dies hat bestimmt auch mit der eher ablehnenden Haltung gegenüber einem zusätzlichen Engagement ausserhalb der Berufsbildung zu tun. Eine Überlegung, die wir nur langsam abgelegt haben, als wir sahen, dass die Ideen von Weinfelden in der Regel keine Diktate, sondern wohlüberlegte Ideen waren, um den Verband in seiner Gesamtheit weiter zu bringen.
Heinz Schäfer: Für mich war die Situation anfänglich nicht immer einfach. Einerseits war ich Zentralpräsident und hatte keinen direkten Zugang zu den Alltagsproblemen der Sektion Schaffhausen. Manchmal musste man neue Ideen richtiggehend verkaufen, dies war vielfach äusserst zäh, besonders die eher kleinen und eher konservativ ausgerichteten Sektionen von der Notwendigkeit von Veränderungen zu überzeugen.
Mit der innovativen Idee eines Gemeinschaftsstandes an der SWISSTECH waren Anton Renggli und die Sektion Schaffhausen Vorreiter des bis heute sehr erfolgreichen Gemeinschaftsstandes „SWISSMECHANIC-Land“ der SWISSMECHANIC-Dachorganisation. Dies zeigt einmal mehr, dass sehr oft die Zusammenarbeit zwischen Sektion und Dachorganisation durchaus konstruktiv sein konnte.
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