Schweizer Qualitätszulieferer 2017: Mikron Tool SA Agno Herausragende Bohr- und Fräsleistungen

Redakteur: Matthias Böhm

Mikron Tool ist ein stark wachsender Schweizer Werkzeughersteller. Kein Wunder, denn die Werkzeuge sind technologische Weltklasse. Spezialisiert hat sich die «Tessiner Werkzeugschmiede» auf Hochleistungsbohrer und -fräser bis 6 mm Durchmesser für schwierig zerspanbare Werkstoffe mit extremen Zerspanleistungen, wenn nicht gar sensationell.

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Typische Bauteile aus der Medizintechnik. Erst kürzlich konnte Mikron Tool SA Agno dank der hervorragenden Schnittleistungen die Fertigungszeit eines Implantats von 2 Stunden auf unter eine Stunde reduzieren.
Typische Bauteile aus der Medizintechnik. Erst kürzlich konnte Mikron Tool SA Agno dank der hervorragenden Schnittleistungen die Fertigungszeit eines Implantats von 2 Stunden auf unter eine Stunde reduzieren.
(Bild: Thomas Entzeroth)

In 1998 begann Mikron Tool SA Agno mit 25 Mitarbeitern. Heute, knapp 20 Jahre später, ist das Unternehmen auf über 200 Mitarbeiter gewachsen. Damit ist Mikron Tool einer der am stärksten wachsenden Werkzeughersteller der Schweiz. Dass das kein Zufall ist, liegt in den enorm leistungsfähigen Vollhartmetall-Mikrowerkzeugen, die weltweit zur obersten technologischen Liga gehören.

Warum Mikron-Tool derart stark agiert, erklärt Markus Schnyder (President, Mikron Tool International): «Unser Fokus liegt in den Segmenten Medizin, inklusive Dental, Uhren, Luft- und Raumfahrt, Lebensmittelindustrie, Energietechnik bis hin zur Schreibgeräteindustrie. Unsere F&E-Spezialisten sind ständig gefordert, neue noch leistungsfähigere Werkzeuge zu entwickeln. Ich möchte anhand eines Beispiels aufzeigen, wie wir Prozesse optimieren können. Wir haben kürzlich eine Anfrage eines Medizintechnikherstellers bekommen, um die Fertigungszeit eines Titan-Implantats von zwei Stunden auf eine Stunde zu reduzieren.

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Die Halbierung der Prozesszeit eines komplexen und filigranen Fräswerkstücks aus einem schwierig zu zerspanenden Werkstoff ist für uns eine echte Herausforderung. Zumal sich unsere Möglichkeiten als Werkzeughersteller auf die Wahl der Werkzeuge und die Optimierung der Fertigungsstrategien beschränken. Bei diesem Projekt kamen die Stärken unserer Mikron-Tool-Werkzeuge zusammen mit den hierfür entwickelten Frässtrategien voll zur Geltung.»

Statt 2 Stunden nur noch 57 Minuten

Verkaufsleiter Marco Cirfeta ergänzt: «Das war eine schwierige Aufgabe. Unser Entwicklungsteam freut sich über solche Herausforderungen. Das ist wie im Sport. Wir messen uns gerne mit den Besten. Als wir dann die Werkzeuge ausgewählt, die Fertigungsstrategien entwickelt und schliesslich das Bauteil gefertigt hatten, konnten wir es selbst kaum glauben. Statt zwei Stunden brauchten wir nur noch 57 Minuten. Wir sind sogar leicht über das Ziel hinausgeschossen. Entscheidend ist: Die Anwender unserer Mikron-Werkzeuge müssen deren extreme Leistungsfähigkeit auch nutzen. Denn um mehrfache Geschwindigkeiten zu fahren, da braucht es schon einiges an Vertrauen in die Werkzeuge. Das heisst konkret, dass Schnittgeschwindigkeiten und Vorschübe entsprechend den Möglichkeiten unserer Mikron-Hochleistungswerkzeuge hochgefahren werden müssen. Wer das nicht macht, kann nur noch von der erhöhten Standzeit unserer Werkzeuge profitieren. Das ist auch schon was, aber nur ein Bruchteil vom Erfolg.»

Bohren schneller als Erodieren

M. Schnyder: «Zweites Beispiel. Ein Turbinenhersteller muss Kühlungsbohrungen in die Leitschaufeln aus Inconel fertigen. Als er in unserem Entwicklungszentrum sah, wie extrem schnell wir die Bohrungen mit unseren Mikron-Bohrern bohrten, war die Zusammenarbeit beschlossene Sache. Unsere Hochleistungsbohrer waren erheblich schneller und billiger als das bisherige Erodierverfahren. Kurz: Erodieren war gestern, dem Hochleistungs-Bohren gehört die Zukunft.»

Sensationell: 60 × 1-mm-Tieflochbohren unter 2 Minuten

Drittes Beispiel: Auch im Mikro-Tieflochbohren setzt das Unternehmen Massstäbe. Wie beispielsweise ein Tieflochbohrer 60 × 1 mm (60 × 1 – ist kein Schreibfehler) eindrücklich aufzeigt. In Titan bohrt er – mit Ausspanhüben – auf die volle 60 mm Tiefe mit einem Versatz von nur 0,02 mm am Austritt, das alles unter knapp 2 Minuten. Das sind sensationelle Bohrleistungen: extrem schnell, extrem präzis. Dr. Alberto Gotti (Entwicklungsleiter): «Bereits die Geschwindigkeit ist eindrücklich. Aber 0,02 mm Versatz bei diesem Durchmesser und dieser Bohrlänge, das glaubt Ihnen niemand, der etwas vom Tieflochbohren versteht. Das muss man gesehen und eigenhändig gemessen haben. Damit das möglich wird, müssen die Schneidgeometrien extrem ausgeklügelt konzipiert werden. Der Bohrer muss sich sozusagen selbst zentrieren, nur dann ist so etwas realisierbar. Letztlich ist es das perfekte Zusammenspiel unserer Entwicklungsingenieure sowie der Anwendungs- und Produktionstechniker.»
M. Schnyder: «Wir haben in den letzten Jahren zudem massiv in unser Technologiezentrum investiert. Wir haben einen bemerkenswerten Maschinenpark, wo wir Versuche fahren können. Auch das ist entscheidend für unsere enormen Fortschritte in der Werkzeugentwicklung.»

Basis des Erfolgs: die Mitarbeiter

Elio Lupica (General Manager, Mikron Tool): Die oben genannten Erfolge gründen, wie Herr Schnyder sagt, auf den Kompetenzen und der Motivation unserer MitarbeiterInnen. Ihnen ist bewusst, dass wir nur dann erfolgreich sind, wenn wir national und international führend in der Zerspanung anspruchsvollster Werkstoffe im Mikrobereich sind. Das Know-how unserer Mitarbeiter ist die Basis unseres Erfolges. Damit wir auch in Zukunft über ein ausgezeichnetes Mitarbeiter-Know-how verfügen, haben wir ein ausgeklügeltes internationales Trainee-Ausbildungsprogramm entwickelt. Die Trainees durchlaufen ein anspruchsvolles 18-monatiges Technologieprogramm an unseren Standorten der Schweiz, Deutschland, USA und China. Angefangen von der Produktion über das CAD/CAM bis hin zur Verkaufsberatung. In diesem Trainee-Programm entwickeln wir Persönlichkeiten, welche die Zukunft von Mikron Tool prägen.

  • Autor: Matthias Böhm, Chefredaktor SMM

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