Markus Petschnig: «Das macht uns als Mechanik-Präzisionsfertiger konkurrenzfähig» «Hier sind wir weltweit führend»

Redakteur: Matthias Böhm

>> Die Produktion der Polymeca AG beeindruckt. Das Fertigungs-Know-how des Unternehmens sucht seinesgleichen. Geschäftsführer Markus Petschnig hat mit seinem Team die Produktion auf Höchstleistung getrimmt. Das ist alles andere als einfach, weil die Serien eher klein sind und die Toleranzen im Mikrometerbereich liegen. Der SMM sprach mit M. Petschnig über die Anforderungen an eine moderne Schweizer Produktion.

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Markus Petschnig (re.,), Heinz Staub (M., Verkaufsleiter, Polymeca AG) und Matthias Böhm (Chefredaktor SMM) in der Hochpräzisionsschleiferei.
Markus Petschnig (re.,), Heinz Staub (M., Verkaufsleiter, Polymeca AG) und Matthias Böhm (Chefredaktor SMM) in der Hochpräzisionsschleiferei.
(Thomas Entzeroth)

Warum ist Polymeca im Hochlohnland Schweiz derart erfolgreich?

Markus Petschnig: Generell gilt für unser Unternehmen: Genauigkeit im Mikrometerbereich ist unser Kerngeschäft. Unsere Stärke basiert auf dem hohen Automatisierungsgrad unserer Fertigung im Allgemeinen, der Fokussierung der Produktion auf Teile für die Präzisionstechnik , unserer hohen Fertigungstiefe – vom Beschaffen des Rohmaterials bis zur Oberflächenbehandlung – qualifizierten Mitarbeitern und nicht zuletzt der Messtechnik als Grundlage der Präzisionsfertigung.

Sie sind auch in der Lohnfertigung aktiv.

M. Petschnig: Richtig, und die Lohnfertigung ist ein Sektor, den wir kontinuierlich ausbauen wollen. Wir profitieren dabei von unserer ausgesprochen hohen Technologiekompetenz, die wir mit unseren anspruchsvollen Messtechnik-Partnern aufgebaut haben. Unsere grosse Stärke ist unsere Kosten-Effizienz. Dank des hohen Automationsgrades sind wir in der Lage selbst kleinere Losgrössen mannarm und prozesssicher bei geringen Kosten zu fertigen. Das drückt die Preise und macht uns konkurrenzfähig.

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Da Sie Messgeräte wie Theodoliten, Messarme und Messrundtische herstellen, müsste Ihre Messtechnik in der allerobersten Liga angesiedelt sein.

M. Petschnig: Ja, denn das ist die grösste Herausforderung für ein Unternehmen. Die bei Polymeca produzierten Achssysteme bilden schliesslich die Grundlage des Messens. Dreh-oder Kippachsen werden für Tracker, Theodoliten und Messarme benötigt. Ihre Herstellung stellt höchste Anforderungen an die gesamte Produktion. Hier sind Rundheitstoleranzen von 0,5 Mikrometer und Lagerspieltoleranzen von 1 Mikrometer einzuhalten. Für die Fertigungsüberwachung haben einen 3D-Messroboter mit Temperaturkompensation und automatischer Werkstückzuführung in den Fertigungsprozess integriert. Hochpräzise Messungen werden hingegen im klimatisierten Messlabor durchgeführt, das eine umfassende Infrastruktur aufweist. Wir beherrschen die Messtechnik und profitieren dabei vom konzernweiten Know-how der Leica Geosystems und der Hexagon-Gruppe.

Wie erreichen Sie eine nachhaltige Qualität im Mikrometerbereich in der Fertigung?

M. Petschnig: Garant für gleichbleibende Fertigungsbedingungen und Produktionsqualität sind unsere temperaturstabile Fertigungshalle, das gelebte Qualitätsmanagement und natürlich unsere qualifizierten Mitarbeiter. Nicht zuletzt durch unsere enge langjährige Zusammenarbeit mit Leica und Kunden der Messtechnik und Medizintechnik und deren Ansprüche mussten wir hier schon früh in neue Messtechnik als auch perfektionierte Fertigungsprozesse investieren.

Welche Fertigungsverfahren bieten Sie an?

M. Petschnig: Unsere Stärken liegen im Fräsen, Dreh-Fräsen, Schleifen und Honen. Unser Credo: Wir wollen immer noch präziser und prozesssicherer werden. Beim Dreh-Fräs liess sich durch Investitionen in Komplett-Bearbeitungsmaschinen die Prozesssicherheit und die Produktivität wesentlich erhöhen. Gedreht wird ab Stange oder Futter mit engsten Toleranzen, bis 0,006 mm und Rundheiten von bis zu 0,003 mm. Auch das Hartdrehen, ein Verfahren zwischen Drehen und Schleifen, bieten wir an. Wir haben diesen Prozess im klimatisierten Schleifzentrum integriert.

Beim Paarungsschleifen, einem neuen vollautomatiserten Verfahren, lässt sich das Innen- und Aussenschleifen unserer Drehachsen präzise, im Mikrometerbereich, aufeinander abstimmen und dies mannlos auch über das Wochenende innerhalb Geisterschichten.

Ich würde behaupten, hier sind wir in der Welt die Nummer 1 im Bereich der Präzision in Serie. Ich lasse mich aber gerne eines Besseren belehren.

Führen Sie die Oberflächenbehandlungen selber, im Hause, durch?

M. Petschnig: Ja, unsere eigene moderne Galvanikabteilung ist eine weitere Stärke von Polymeca. Hier geht es nicht nur darum, dass die Teile ansprechend aussehen. Genauso wichtig sind die Reflexionsverminderung bei optischen Anwendungen und der Korrosionsschutz. Neben Prozessen wie Eloxal, Chromatieren und Nickel (galvanisch chemisch) bieten wir auch das Nasslackieren innerhalb einer staubfreien Kabine an.

Wie der Presse zu entnehmen war, haben Sie neulich in eine neue High-Tech-Maschine investiert.

M. Petschnig: Es sind zwei Werkzeugmaschinen, für 2,3 Mio. Franken, die wir in Betrieb nahmen. Die erste «Index R 300» in der Schweiz ist ein kombiniertes Dreh-/Fräscenter. Die Maschine ermöglicht die Komplettbearbeitung in einem Schritt und damit eine Beschleunigung beziehungsweise Produktivitätssteigerung von bis zu 30 Prozent gegenüber dem bis dahin üblichen Fertigungsprozess. Das Werkzeugmagazin des Bearbeitungszentrums ist mit 150 Werkzeugplätzen ausgestattet. Durch diese hohe Flexibilität sinkt die Rüstzeit der Maschine und die Produktivität steigt, so dass wir wesentlich preisgünstiger produzieren können.

Bei Investitionen in Maschinen zählen Zuverlässigkeit und Lebensdauer. Hoch automatisierte Maschinen haben bei uns den Zweck, Fachkräfte zu entlasten, nicht zu ersetzen. Die zweite Maschine dieses Types wird im März 2014 bei uns den Betrieb aufnehmen.

Sind die beiden Teile daneben Referenzstücke?

M. Petschnig: Ja. Dieser Tubus ist ein typisches Bauteil für ein hochpräzises Vermessungsgerät. Die wichtigsten Operationen: Vordrehen, Fräsen und Schleifen. Seriengrösse: 50 Stück. Diese dürfte später auf 600 bis 800 Teile im Jahr ansteigen. Mittelgrosse Serien sind unsere Stärke. Hier handelt es sich um eine Aufspannvorrichtung aus Aluminium für ein modernes Nachtsichtgerät. Eine der wichtigsten Anforderungen: Die 4-fach Spannvorrichtung muss absolut schwingungsfrei sein und darf das Bauteil durch die Spannkraft nicht deformieren. Hier kam uns mal wieder unser jahrzehntelanges Know-how in den Bereichen Fertigungstechnik und Messtechnik zugute.

In ihrem Schleifzentrum stehen allein von Studer sieben CNC Rundschleifmaschinen …

M. Petschnig: … und sie sind alle gut ausgelastet, so zum Rundschleifen, innen und aussen, zum Gewinde und neu auch für das Kurvenschleifen und für weitere hochpräzise Bearbeitungen. Nicht zu vergessen das schon erwähnte Paarungsschleifen. Unsere vollautomatische Rundschleifmaschine misst permanent den Output über eine komplexe, hochgenaue Messsystemtechnik und korrigiert sich dank Trendanalyse laufend selbst.

Welche Aufträge fallen in der Medizintechnik an?

M. Petschnig: Hier sind wir bisher «nur» im Gerätebau involviert. Die Qualitätsanforderungen sind jedoch sehr anspruchsvoll speziell auch betreffend der Rückverfolgbarkeit.. Nicht selten umfasst die Prozessdokumentation ein bis zwei Dutzend Seiten.

Welche Erfahrungen haben sie mit der Konkurrenz aus Asien?

M. Petschnig: Diese Märkte und Angebote verfolgen wir besonders aufmerksam. Denn das Messtechnikgeschäft in dem wir uns bewegen ist international. Ich erachte die asiatischen und osteuropäischen Lohnfertiger durchaus dann als interessant, wenn für langlebige Produkte eher ungenauere Teile in grossen Serien hergestellt werden sollen. Schon wiederholt kontaktierten uns Kunden mit Produkten, die sie in Asien herstellen liessen und keinesfalls den Anforderungen entsprachen. In der Regel wurden die Toleranzen und Qualitätsanforderungen der Präzisionsteile bei weitem nicht eingehalten. Hier haben wir insbesondere durch automatische Prozesse in Herstellung und Messtechnik einen Vorsprung. Aber wir werden uns sicher nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen.

Zu Ihrem Portfolio gehören auch Montagearbeiten.

M. Petschnig: Die Herstellung von Einzelteilen ist das eine, die Montage kompletter Baugruppen und ganzer Systeme das andere. Als Generalunternehmer decken wir auch diesen Teil der Wertschöpfungskette ab. Wir montieren und prüfen für unsere Kunden selbst komplexe Baugruppen, auf Wunsch geschützt vor elektrostatischen Entladungen.

Wie weit sind Ihre Mitarbeitenden an Problemlösungen und Entwicklungen beteiligt?

M. Petschnig: Das Vorschlagswesen der Polymeca fördert das aktive Mitdenken unserer Mitarbeiter. Zu neuen Lösungen führen jährlich 50 bis 60 Vorschläge, die honoriert werden. Das motiviert natürlich. Unsere Mitarbeitenden schätzen es, dass bei den Gesprächsrunden für neue Vorschläge auch Vertreter des Managements teilnehmen. Das kritische Mitdenken und Mitwirken sowie das Einreichen von Vorschlägen wird speziell gefördert.

Der Werkplatz Schweiz hat aus Ihrer Perspektive also durchaus seine Berechtigung?

M. Petschnig: Absolut, das kann ich nur unterstreichen. Wenn Sie unsere Produktion betrachten, holen wir derart viel aus den Maschinen heraus, dass die eigentliche Maschinenbedienung und somit der personelle Kostenfaktor beim Produzieren kaum mehr ins Gewicht fällt. Deshalb sind wir derart konkurrenzfähig mit unseren Produkten. Hinzu kommt die nachhaltige Präzision, die wir erzielen. Hier sind wir weltweit führend.

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