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Datenlogger auf dem Weg zur ISS Hoch hinaus

Redakteur: Silvano Böni

Bereits zum dritten Mal in Folge begleiteten in diesem Jahr die Datenlogger der MSR Electronics GmbH zwecks Transportmessungen die Flüge des unbemannten Raumfrachters «Cygnus» zur Internationalen Raumstation ISS. Die nächste Mission war für Oktober geplant. Wie allgemein bekannt, wurde daraus leider nichts, da der Transporter kurz nach dem Start explodierte. Die Datenlogger könnten jetzt aber bei der Aufklärung des Unglücks helfen.

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Das Ladegut mit befestigten MSR165-Datenloggern wird in den Raumtransporter «Cygnus» verladen.
Das Ladegut mit befestigten MSR165-Datenloggern wird in den Raumtransporter «Cygnus» verladen.
(Bild: Orbital Sciences Corporation)

«Diese kleinen Datenlogger liefern uns wirklich spektakuläre Daten», so Michael Bain, ISS Cargo Integration and Operations Services Manager von der Orbital Sciences Corporation. Die Orbital Sciences ist neben SpaceX eine von zwei privaten US-Firmen, die für die US-Raumfahrtbehörde NASA Nachschub zur Internationalen Raumstation bringen.

Präzise Überwachung des Frachtraums

Eingesetzt werden die MSR-Datenlogger, um den Transportweg des Versorgungsraumschiffes Cygnus zur ISS bezüglich Schock und Vibrationen aufzuzeichnen. Besonders beim Start der Trägerrakete ist das Ladegut, welches nebst Lebensmitteln und medizinischen Bedarfsartikeln für die Astronauten auch Material für die Forschungsarbeit auf der Raumstation umfasst, hohen G-Kräften ausgesetzt. Die hochempfindlichen 3-Achsen-Beschleunigungssensoren der Datenlogger messen diese G-Kräfte während des gesamten Fluges ins All bis zum Andocken an die ISS und zeichnen sie im internen Speicher auf. Aufgrund dieser Aufzeichnungen kann die Crew erkennen, ob kritische Belastungen auf dem unbemannten Flug auf die teilweise sehr empfindliche Fracht eingewirkt haben. Dazu Michael Bain: «Wir können buchstäblich jedes physikalische Ereignis nachvollziehen, das auf den Transporter wirkt: vom Rollen auf die Abschussrampe, über die Rotation der Rakete in die Vertikale, die Zündung, den Abschuss, die Abtrennung des Hauptantriebs, die Separation der Stufen, die Zündung und das Ausbrennen der Oberstufe, die Abtrennung der Verkleidung, bis hin zur Bewegung des Raumtransporters während der Roboterarm der Raumstation ihn im Griff hat.» Die Daten der MSR-Logger werden von den Astronauten auf der ISS via microSD-Karte auf dem PC ausgelesen und an die Orbital-Crew zurück auf die Erde übermittelt. Orbital vergleicht die aufgezeichneten Daten mit vorgängig durchgeführten Modellberechnungen und Prognosen und übermittelt danach eine Analyse über die Ladegut-Belastungen als Best-Practice-Nachweis an die NASA.

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Aufklärung des Unglücks

Da die Datenlogger von MSR selbst kleinste Erschütterungen, Schock, Vibrationen oder Druck- und Temperaturveränderung aufnehmen, könnten sie einen Beitrag zur Aufklärung des Unglücks leisten. Wendelin Egli, Geschäftsführer der MSR Electronics GmbH, schätzt die Wahrscheinlichkeit, dass die Logger gefunden werden und den Absturz schadlos überstanden haben, als hoch ein. Insgesamt wurden zehn Datenlogger des Seuzacher Unternehmens im Frachtraum installiert. Sobald die Messgeräte in den Trümmern gefunden wurden, kann mit der Auswertung der kleinen Datenträger begonnen werden.

Strenges Auswahlverfahren

Ausgewählt wurden die MSR165-Datenlogger von Orbital gemäss Wendelin Egli mitunter deshalb, weil sie mit ihren Sensoren autonom während langer Zeit und mit hohen Messraten exakte Messungen durchführen können. «Eine weitere Voraussetzung für den Flug ins All war, dass die Logger über ein sehr geringes Gewicht, ein kleines Format sowie eine sehr grosse Speicherkapazität verfügen – Bedingungen, welche der MSR165 ideal erfüllt.» Die in den MSR-Loggern verwendeten Akkus werden jeweils vor den Missions in der Akku-Prüfstelle der NASA im Johnson Space Center in Houston, Texas, einzeln intensiv getestet und nummeriert. Nach erfolgreichen Tests werden sie an den Firmensitz der MSR Electronics GmbH in Seuzach geliefert und dort in die MSR-Datenlogger eingebaut. Jeder dieser Logger wird von MSR mit einer Seriennummer und einem Zertifikat versehen, welches bestätigt, dass die eingebauten Akkus von der NASA getestet wurden. Anschliessend wird jeder einzelne MSR-Datenlogger bei der Orbital Sciences Corporation in Dulles, Virginia, nochmals überprüft und aktiviert, bevor er zum Startgelände, der Wallops Flight Facility (WFF) auf Wallops Island, an der Küste von Virginia, gebracht wird. Nach ihrer Aktivierung und Vorbereitung werden die Datenlogger an vorab bestimmten Stellen im Frachtraum installiert. <<

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