Industrie 4.0-Schaufensterfabrik

In der Schaufensterfabrik von SEW-Eurodrive Industrie 4.0 erleben

| Redakteur: Frank Jablonski

Die Linien auf dem Hallenboden führen die Module zum Stellplatz für Waren.
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Die Linien auf dem Hallenboden führen die Module zum Stellplatz für Waren. (Bild: Jablonski)

Als die Bundesregierung im Jahr 2011 das Projekt Industrie 4.0 auf den Weg gebracht hatte, klang es für viele nach Science Fiction, auch für den damaligen und heutigen Geschäftsführer bei SEW-Eurodrive Johann Soder. Heute zeigt er stolz wie in einem seiner Betriebe daraus Realität geworden ist.

Die Rolle des Menschen im Arbeitssystem 4.0 wird sich definitiv verändern. Auf der Hannover Messe wird der Besucher vielfältige Ansätze dazu sehen. Die Marketing- und Entwicklungsmaschinerien der Aussteller laufen im Vorfeld der Messe auf Hochtouren, um eine eigene Version des Umgangs mit Industrie 4.0 erlebbar zu machen. Für Johann Soder sind die grundlegendsten Parameter dabei längst gesetzt.

Das von seinem Unternehmen gezeigte Modell stellt bei aller Ergänzung durch Technik und Robotik den Menschen ins Zentrum. Humanzentrierte Technik nennt das der Geschäftsführer von SEW-Eurodrive aus Bruchsal. Ein Roboter kann in dieser Welt dann komplett autonom arbeiten, beispielsweise einen Motor greifen und zum Menschen bringen, sich dem Menschen anbieten und in Ruhe auf die Reaktion und das Führen des Menschen warten.

Das Erledigen des Jobs merkt der Roboter selbständig und holt autonom ein Bauteil für den nächsten Auftrag. «Der Roboter ist dem Mensch Untertan nicht umgekehrt!», betont Soder. Auf der Hannover Messe soll der Besucher am SEW-Stand in die Rolle des Produktions-Dirigenten schlüpfen: In einem Cockpit, das nach den Gesichtspunkten aus der Welt der Computerspiele gestaltet ist.

Hier prallen unter der Überschrift «Gamification» für Soder zwei Welten aufeinander und zwei gänzlich unterschiedliche Arbeitsweisen. Während der Technik-Innovator bei SEW seit Jahrzehnten gewohnt ist linear in Produktionskategorien zu denken und zu handeln, treibt ihn die Arbeitsweise der meist jungen Programmierer und Software-Entwickler manchmal «schier in den Wahnsinn», wie er sagt.

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Aus dem Scheitern von CIM für die Zukunft lernen

Dabei hat Soder eine ganz besondere Beziehung zu den Themen rund um Digitalisierung der Produktion. Er war in den 1980er Jahren Feuer und Flamme, die starre Linienproduktion durch Computer Integrated Manufacturing zu flexibilisieren. Den Insidern und alten Hasen in der Branche ist dieser Industrie-4.0-Vorfahre unter dem Kürzel CIM wohlbekannt. SEW hat seinerzeit versucht, die Wertschöpfungskette mit intelligenten IT-Systemen zu unterstützen.

60 Millionen DM sind damals in die Erneuerung der Fabrik geflossen, nur, um sie nach zwei Jahren wieder zurückzubauen, da die erhoffte Steigerung bei weitem nicht erreicht werden konnte. Man produzierte ineffizienter als vorher. Mit einer gehörigen Portion Frust wurde das alte System wieder eingeführt. «Dennoch hat CIM uns wichtige Grundlagen gebracht, die uns geholfen haben, neue Methoden wie die Lean-Fertigung einzuführen», wertet Soder im Rückblick die aufregende Zeit.

In den Jahren danach lauteten die Ziele beherrschbare und störungsfreie Prozesse zu erreichen. Die Produktion in Graben-Neudorf wurde unter dem Lean-Gedanken entschlackt und organisatorische Neuerungen eingeführt. Den Unternehmer im Unternehmen geschaffen, kleine Fabriken in der Fabrik realisiert. Diese Massnahmen haben eine grosse dezentrale Verantwortung geschaffen und signifikante Produktivitätssteigerungen.

«Wir waren gerade fertig mit dieser Geschichte und dachten, wir gehen mit Lean in die nächsten Jahre, – da kam Industrie 4.0 und Cyber-Physikalische-Produktionssysteme.» Daraufhin haben Soder und seine Ingenieure «die Köpfe zusammen gesteckt» und mussten an alte Zeiten und CIM denken. Heraus kam eine intelligente Kombination aus Mensch und Technik und die Erkenntnis, dass Industrie 4.0 ein guter Ansatz sein könnte, die Produktivität noch einmal zu steigern.

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