Brütsch/Rüegger Tools: Industrie 4.0 in Smart Factory lernen

Industrie 4.0 trainieren und begreifen

| Redakteur: Konrad Mücke

Nach den Regeln des Lean Managements gestaltete modulare und flexible Montagelinie.
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Nach den Regeln des Lean Managements gestaltete modulare und flexible Montagelinie. (Bild: Brütsch/Rüegger Tools)

Eine der betrieblichen Praxis entsprechende «Smart Factory» hat der Werkzeugspezialist Brütsch/Rüegger Tools in Urdorf verwirklicht. Dort können Interessenten die vielfältigen Systeme und Funktionen rund um das Konzept Industrie 4.0 kennenlernen und trainieren.

Bei Brütsch/Rüegger Tools in Urdorf sind in einer «richtigen» Fabrik sämtliche Prozesse entlang der Wertschöpfungskette digitalisiert und miteinander vernetzt. Alle Systeme in der Fertigung, vom Werkzeugentnahmesystem über die Arbeitsvorbereitung, die CNC-Fertigung bis zur anschliessenden Montage, Qualitätsprüfung und Verpackung, sind mit der Industrie-4.0-Software Jellix verbunden. In Echtzeit werden die Informationen mit den Solldaten verglichen, die Effektivität der gesamten Anlage wird permanent überwacht und das gesamte System nach Gesichtspunkten des Lean Managements laufend optimiert. Somit kann der Werkzeugspezialist das Potenzial des Konzepts Industrie 4.0 von der praktischen Seite her vermitteln. Hier können Interessenten erkennen, dass Industrie 4.0 nicht einfach als Modernisierung per se zu sehen ist. Auch kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) bietet Industrie 4.0 ein grosses Potenzial, Kosten zu senken, produktiver und wirtschaftlicher zu
arbeiten.

Tool-Management und Tool-Logistics

An der ersten Station des Parcours durch die Smart Factory in Urdorf stehen ToolBox-Systeme. Diese Werkzeugausgabeschränke in unterschiedlichen Ausführungen tragen dazu bei, Werkzeuge und Betriebsmittel effizient zu bewirtschaften. Als Entnahme­systeme sorgen sie dafür, dass bei Bedarf unverzüglich nachbestellt und somit die durchgängige Verfügbarkeit gewährleistet wird. Zudem lässt sich die Entnahme zurückverfolgen. Daraus kann man beispielsweise beim Optimieren von Fertigungsprozessen wertvolle Daten ableiten. Zudem werden in den Werkzeugausgabesystemen auch Messwerkzeuge aufbewahrt. Deren Verwendung lässt sich somit zum einen für die Qualitätssicherung zurückverfolgen, zum anderen stehen fortlaufend Daten zu Kalibrierzyklen und -zertifikaten zur Verfügung. Die Software Jellix verbindet die ToolBox-Systeme einerseits mit der Konstruktion und der Arbeitsvorbereitung, anderseits mit der Werkzeugmaschine und der nachgelagerten Montage und Qualitätskontrolle. Anhand der Erfahrungen aus Fertigungsbetrieben lässt sich zeigen, dass diese automatisierte Ausgabe von Werkzeugen und Betriebsmitteln die Kosten für Werkzeuge, Messmittel und deren Kalibrierung bis zu 20 Prozent verringern. Je nach betrieblichem Umfeld können sich diese Ausgabe­systeme innert weniger als einem Jahr amortisieren.

Auf CNC-Maschinen optimiert fertigen

An der nächsten Station der Smart Factory werden auf einem 5-Achs-Bearbeitungszentrum Bauteile gefertigt. Zerspanungsexperten zeigen den entscheidenden Einfluss von Frässtrategien, Schneidwerkzeugen, Spannmitteln sowie der Arbeitsvorbereitung und der Werkstückkonstruktion auf die Qualität und die Bearbeitungszeit eines Werkstücks. Eine optimale Frässtrategie kann dazu beitragen, die Herstellungskosten eines Werkstücks um bis zu 50 Prozent zu senken.

Die produktionsübergreifende Software Jellix zeigt sämtliche Informationen zum Stand des Produktionsvorgangs in der Maschine übersichtlich auf einem Smartphone, einem Tablet-PC oder einem anderen Endgerät. Mit der Tracking-Funktion kennt die Software jederzeit die aktuelle Position eines Werkstücks im gesamten Produktionsprozess.

Lean Management und Ergonomie

Als weitere Station folgt eine nach aktuellen Erkenntnissen des Lean Managements angelegte, modulare Montagelinie. Sie verdeutlicht zahlreiche Vorteile des Konzepts Industrie 4.0. Beispielsweise lassen sich Bestände um 30 Prozent verringern und Durchlaufzeiten bis zu 25 Prozent verkürzen. Dadurch erschliesst sie zusätzliche, produktiv nutzbare Flächen. In Urdorf demonstriert ein Spezialist unterschiedliche Lean-Technologien. Das betrifft beispielsweise die Wertstromanalyse und fliessend und ziehend getaktete Montage- oder Fertigungsprozesse. Einzelne Tätigkeiten im Montageprozess, zum Beispiel das Prüfen und das Messen von Werkstücken und Verschraubungsvorgängen, deren Drehmomente über das Werker-Assistenzsystem gesteuert werden, protokolliert die Software der Montageanlage automatisch. Zusätzlich zum Lean Management sind die Arbeitsplätze und Arbeitsabläufe entsprechend aktuellen ergonomischen Erkenntnissen gestaltet. An ihnen können die Beschäftigten ermüdungsfrei und motiviert arbeiten.

Von Experten lernen

In der Smart Factory in Urdorf trainieren zum einen die Mitarbeitenden von Brütsch/Rüegger Tools. Zum anderen können Interessenten und Kunden Workshops und Seminare absolvieren. Dabei ermöglicht die Struktur der Smart Factory, unterschiedliche Themen rund um das Konzept Industrie 4.0 zu behandeln. Schwerpunkte können beispielsweise die Digitalisierung oder das Lean Management sein. Dies stimmen die Experten in Urdorf jeweils individuell auf den Bedarf und das Interesse der Teilnehmer ab. kmu SMM

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