August ging auch auf die in Industrie 4.0 implizierten mechatronischen Konzepte ein. Bisher war deren Entwicklung ein eher serieller Ansatz, bei dem die elektronische Entwicklung der mechanischen folgte und die Software oft erst implementiert wurde, als die Anlage fertiggestellt war. Augusts Vision zeigte, dass alle Bereiche des Unternehmens zusammenarbeiten müssen und die einzelnen Entwicklungsdisziplinen parallelisiert werden müssen, damit echte Industrie-4.0-Lösungen entstehen. Dazu müssen alle Handlungsfelder auf den Prüfstand und darauf analysiert werden, wie sie mit modernen Softwarelösungen unterstützt, vereinfacht und automatisiert werden können.
Unterstützung bei der Entwicklung smarter Produkte
August brachte auch Beispiele der Einsparungen, die Siemens-Kunden bei diesen Optimierungen erzielten. Wenn das Anforderungsmanagement durchgängig organisiert und mit den Produkteigenschaften verlinkt wird, könnten beispielsweise 15 bis 25 % Einsparung gegenüber anderen Unternehmen erreicht werden. Werden in der Entwicklungsumgebung strukturierte und zielgerichtete Stücklistenstrukturen implementiert und ein Varianten- beziehungsweise Konfigurationsmanagement eingeführt, sind weitere 20 bis 40 % Einsparung möglich. Die Zusammenarbeit der drei Entwicklerdisziplinen bringt 10 bis 15 %. Abgesicherte, nachvollziehbare Prozesse im Änderungsmanagement sparen weitere 5 bis 15 %.
August sieht Siemens mit seinem Portfolio aus PLM, MES und Automation bestens positioniert, um Kunden bei der Entwicklung, der Fertigung und dem Service smarter Produkte zu unterstützen. Das Portfolio umfasst für jeden Schritt des Produktentstehungsprozesses die passenden Lösungen mit Teamcenter als Backbone für den gesamten Informationsfluss.
Virtuelle Automation könnte in Zukunft Produktionsprozess beschleunigen
Ein neues Produkt, dessen Namen August noch nicht verraten wollte, kommt zur nächsten Hannover Messe auf den Markt. Es scheint sich um eine integrierte Engineeringlösung zu handeln, bei der beispielsweise die Automatisierung aus dem CAD-System NX gespeist wird, was wiederum virtuelle Automation ermöglicht. Letzteres bedeutet, dass das Einfahren eines neuen Produktionsprozesses nicht an der fertigen Maschine stattfindet, sondern am virtuellen Modell. Dies spart viel Zeit, denn die Inbetriebnahme kann schon starten, wenn die Anlage noch gar nicht aufgebaut ist. Dabei ist heute schon Hardware-in-the-loop möglich, das heisst, dass die echte Siemens-Steuerung das virtuelle Modell im CAD-System steuert. So lassen sich Fehler schnell erkennen und ohne kostspielige Crashes ausmerzen.
In der laufenden Produktion ermöglicht es die virtuelle Automation, neue NC-Bearbeitungen am virtuellen Modell zu testen, statt die reale Maschine zu belegen. Letztere kann normal weiterproduzieren, die neue Bearbeitung wird am virtuellen Modell getestet und optimiert und muss nur noch sehr kurz eingefahren werden, bevor die reale Produktion startet.
Nur 42 % der Unternehmen haben eine Strategie zur digitalen Transformation
Augusts Fazit: Industrie 4.0 verändert die Entwicklungs- und Produktionswelt, die Herausforderungen sind nur mit Datendurchgängigkeit und einer intelligenten Collaboration-Plattform adressierbar. Die BCT-Geschäftsführer Klaus Erdrich und Jürgen Hillemann schlossen mit ihrem Vortrag nahtlos an. Sie sehen für das Jahr 2016 ein positives wirtschaftliches Umfeld, es gibt jedoch auch Entwicklungen, die zu Sorgen Anlass geben, vor allem die stagnierende Produktivität in Deutschland. Hillemann und Erdrich sehen die Lösung in Automatisierung, Digitalisierung und Vernetzung. Anhand einer Crisp-Research-Studie zeigten sie jedoch, dass nur 42 % der Unternehmen überhaupt eine Strategie zur digitalen Transformation entwickelt haben. Dabei sei jedes zweite Unternehmen von der Digitalisierung bedroht.
„Industrie 4.0 ist nicht in wenigen Tagen umsetzbar“, so Erdrich, „Industrie 4.0 erfordert Produktionsarbeit 4.0.“ Ganzheitliche Zusammenarbeit benötige Vertrauen und eine offene Kommunikation aller am Produktentstehungsprozess Beteiligten. Sie gaben den Zuhörern eine ganze Reihe von Handlungsansätzen mit, von der Internationalisierung über den Ausbau des After-Sales-Geschäfts bis hin zur Optimierung des Produktportfolios.
Am Nachmittag des ersten Tages wurde eine ganze Reihe interessanter Vorträge angeboten, unter anderem zur Unterstützung der frühen Entwicklungsphase in NX. Innerhalb des CAD-Systems ermöglicht das Modul Layout for NX das freie Skizzieren von Lösungen, die dann sukzessive in reale Produkte ausgebaut werden können. Dazu lassen sich Skizzenelemente durch vordefinierte Blöcke aus einer Bibliothek ersetzen. Wechselt man dann in die 3D-Modellierung, werden die 2D-Blöcke gegen ihre 3D-Pendants ausgetauscht. Parallel entsteht schon im Skizziermodus eine Baugruppenstruktur. MM
* Ralf Steck ist freier Fachjournalist in 88046 Friedrichshafen
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Stand vom 30.10.2020
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