Wire & Tube 2016 Infrastruktur für morgen

Redakteur: Luca Meister

Anfang April präsentieren die beiden Fachmessen Wire & Tube bereits zum 15. Mal gemeinsam technologische Highlights aus ihren Branchen auf dem Düsseldorfer Messegelände. Beide Branchen sind aktuell hochrelevant. Unsere auf Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) beruhende Gesellschaft ist angewiesen auf Produkte der Kabelindustrie und Rohrsysteme bilden die Lebensadern unserer Staaten. Schadhafte Anschlüsse, Rissbildungen, Abflusshindernisse und Korrosion haben unsere Kanalnetze befallen und müssen erneuert werden.

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Impressionen der letzten Messeausgabe der Tube: Die Messe zeigt die gesamte Palette von der Herstellung über die Bearbeitung bis hin zur Verarbeitung und dem Handel von Rohren.
Impressionen der letzten Messeausgabe der Tube: Die Messe zeigt die gesamte Palette von der Herstellung über die Bearbeitung bis hin zur Verarbeitung und dem Handel von Rohren.
(Bild: Messe Düsseldorf)

Zahlreiche Branchen nutzen das Messeduo Wire/Tube, um sich umfassend über die neuesten technologischen Entwicklungen zu informieren.

Wire: Draht und Kabel

Die Wire zeigt Maschinen zur Drahtherstellung und Veredelung, Werkzeuge und Hilfsmaterialien zur Verfahrenstechnik sowie Werkstoffe, Spezialdrähte und Kabel. Ausserdem werden Innovationen aus den Bereichen Mess-, Steuer- und Regeltechnik sowie Prüftechnik und Spezialgebiete präsentiert. Die Internationale Veranstaltung belegt mit den Bereichen Draht-, Kabel- und Glasfasermaschinen, Draht- und Kabelprodukten und -handel die Hallen 9 bis 13, 16 und 17. Innovationen aus der Umformtechnik werden in Halle 15 gezeigt. Halle 16 öffnet ihre Tore für die Bereiche Gitterschweissmaschinen und Federfertigungstechnik. Traditionell stark vertreten sind Aussteller aus Italien, Belgien, Frankreich, Spanien, Österreich, den Niederlanden, der Schweiz, der Türkei, Grossbritannien, Schweden und Deutschland. Aus Übersee gibt es viele Anmeldungen aus den USA, Südkorea, Taiwan, Indien, Japan und China.

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Tube: Rohrfachmesse

Die Tube zeigt die gesamte Palette von der Rohrherstellung über die Rohrbearbeitung bis hin zur Rohrverarbeitung sowie den Bereich Handel mit Rohren. Das Angebot reicht von Rohmaterialien, Rohren und Zubehör, Maschinen zur Herstellung von Rohren und Gebrauchtmaschinen über Werkzeuge zur Verfahrenstechnik, Hilfsmittel und Mess-, Steuer-, Regel- und Prüftechnik. Pipelines und der Bereich der OCTG-Technologie, Profile und Maschinen sowie das Plastic Tube Forum (PTF) ergänzen das Angebot. Auch bei der Tube sind die ausstellerstärksten Länder Italien, Grossbritannien, Niederlande, Österreich, die Schweiz, Polen, Spanien, die Türkei und Deutschland. Aus Übersee kommen die meisten Aussteller aus den USA, Indien, Südkorea und China. Die Messe belegt mit dem Bereich Rohrzubehör die Hallen 1 und 2, der Rohrhandel und die Rohrherstellung schliessen sich in den Hallen 2, 3, 4, 7.0 und 7.1 an. Der China-Pavillon findet erneut in Halle 2 statt. Die Umformtechnik befindet sich in Halle 5, in den Hallen 6 und 7a schliessen sich Maschinen zur Rohrbearbeitung an. Maschinen und Anlagen präsentieren sich in Halle 7a. In den Hallen 1 bis 7.0 sind ausserdem Profile für verschiedenste Anwendungen zu finden. Die Sonderschau «PTF» (Plastic Tube Forum) wird in Halle 7.1. gezeigt.

Signalübertragung via Kupferkabel und Lichtwellenleiter

Die gewaltigen Mengen an Daten und Signalen, die mit hoher Geschwindigkeit durch das Internet übertragen und mit ausgeklügelten IKT-Systemen verarbeitet werden, ermöglichen die Fernüberwachung von Maschinen und die Steuerung von Produktionsabläufen. Auch eine effiziente Nutzung von Elektrizität aus erneuerbaren Energiequellen wird durch das Internet möglich, denn darauf basierende «smarte Lösungen» helfen, Stromflüsse bedarfsgerecht zu steuern. In der Verkehrstechnik wirken unterschiedliche IKT-Systeme zusammen. Damit diese Systeme überhaupt funktionieren können, müssen Signale – die Träger der Informationen – übermittelt werden. Diese Aufgabe übernehmen metallische Leiter, meist aus Kupfer, und optische Leiter, beides Produkte der Kabelindustrie.

Drahtprodukte für die Eisenbahnindustrie

Die Erzeugnisse der Draht- und drahtverarbeitenden Industrie sind aber auch zum Beispiel für die Schienenfahrzeugbranche von Bedeutung. Drahtprodukte sind dort in allen technischen Systemen anzutreffen, beispielsweise in den Radlagern und Bremsen, in den Antriebs- und anderen Motoren, in der Bordelektronik, in Klimaanlagen, in Beleuchtungs- und Informationssystemen, in den Türmechanismen, in den Sitzen oder in der Innenraumverkleidung.

Die auf den ersten Blick auffälligsten Drahtprodukte dürften die Schraubendruckfedern in den Drehgestellen der Reisezugwagen sein und, bei elektrifizierten Strecken, die Oberleitungen. Die erwähnten Federn sind Teil eines komplex aufgebauten Federungssystems, das die Fahrzeuge mitsamt Insassen vor Erschütterungen schützt, Vibrationen und Geräusche dämpft, die Laufruhe der Fahrzeuge verbessert, den Verschleiss verringert und hilft, die Zugkraft effizient zu übertragen.

Viele Komponenten benötigen elektrischen Strom, um funktionieren zu können. Er wird über Kabel zugeführt, deren zentrales Element Draht mit hoher elektrischer Leitfähigkeit ist. Gut drei Kilometer Kabel sind beispielsweise in einem Doppelstockwagen verlegt. Gesteuert wird der Stromfluss durch Kontakt- und Schaltelemente, in denen unzählige Federn, Biegeteile und Schrauben wirken. Rund 15 000 elektrische Klemmstellen sind in dem schon erwähnten Wagen installiert. Noch beeindruckender mögen die Zahlen sein, die eine moderne Hochgeschwindigkeits-Lokomotive wie die «109E» von Škoda aufweist: In der E-Lok, die für Geschwindigkeiten von bis zu 200 km/h zugelassen ist und Gebiete mit unterschiedlichen Stromspeisesystemen durchfahren kann, sind Kabel mit einer Gesamtlänge von gut 30 Kilometer verlegt.

Das grosse Reinemachen: von Russland bis China

Rohre sind die Lebensadern der Industriestaaten. Sie versorgen Unternehmen und Haushalte mit Wasser und entsorgen ihre Abwässer. Fehlende oder mangelhafte Kanäle stören den Wirtschaftskreislauf empfindlich. Daher investieren Staaten und Unternehmen immens hohe Summen in die Reparatur, Renovierung und Erneuerung der Leitungen – damit am Ende niemand in die Röhre gucken muss.

Es gibt viel zu tun für die Hersteller von Rohren, denn der Handlungsbedarf ist weltweit gross. Beispielsweise in St. Petersburg, wo sowohl bei Trinkwasser als auch bei Abwasser die Versorgungslage kritisch ist. Laut Germany Trade and Invest – Gesellschaft für Aussenwirtschaft und Standortmarketing mbH (GTI) sind 40 Prozent des 6755 Kilometer langen Wasserleitungsnetzes der Stadt «verschlissen». Dagegen liegt in westeuropäischen Städten der Verschleissgrad im Schnitt bei zwölf Prozent. Bis 2025 sollen in umgerechnet knapp 2,3 Milliarden Euro in die Wasserversorgung fliessen.

Während sich in Russland einige Investitionsstaus beim Leitungsbau an der maroden Kanalisation bildeten, stellt sich China auf eine zunehmende Industrialisierung und Urbanisierung ein. Der Mangel an industriellen und öffentlichen Abwasserreinigungssystemen ist immens. Investitionen sind in China daher längst beschlossene Sache. Unter anderem für die Fertigstellung des Süd-Nord-Wassertransferprojektes, ein Kanalsystem, das Wasser aus dem Süden in den Norden transferieren wird.

Auch in den USA: Rohrleitungen in schlechtem Zustand

Teure Erneuerungen sind in den nächsten Jahren auch in den USA notwendig – bis 2020 werden fast 42 Prozent der Rohrleitungen in einem schlechten oder sehr schlechten Zustand sein. So ist beispielsweise die Wasserinfrastruktur von Chicago teilweise bereits über 100 Jahre alt. Stark marode sind im Bezirk Miami-Dade in Florida rund 14 000 Meilen Wasserleitungen. Die Gesamtbilanz ist ernüchternd: Denn zahlreiche Leitungen in den USA stammen noch aus den 1940er bis 1960er Jahren. Eine Folge ist, dass etwa 3000 Milliarden Liter an unbehandelten Abwässern jährlich in das Oberflächengewässer sickern. Und das vor dem Hintergrund, dass es bereits durch starke Regenfälle zu Überlastungen kommt.

Von schadhaften Anschlüssen, Rissbildungen, Abflusshindernissen, wie zum Beispiel Wurzeln, und Schäden wie Korrosion sind auch die Kanalnetze Deutschlands befallen. Die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V. (DWA) geht von einem hohen Sanierungsbedarf aus. Rund ein Fünftel aller Kanalanlagen wiesen Schäden auf, die kurz- bis mittelfristig zu sanieren seien.

Werkstoffe für dauerhaften Schutz

Wichtig bei der Erneuerung ist die Wahl passender Werkstoffe für die Rohrherstellung. Als Materialien wurden bisher überwiegend Steinzeug sowie Beton/Stahlbeton verwendet – je nach Medium und Belastung. Bei wässrigen Medien ist vor allem auf einen dauerhaften Korrosionsschutz zu achten. Eine Möglichkeit ist die Auskleidung des Rohres mit Zementmörtel, der direkte Kontakt zum – beispielsweise – Stahlrohr wird vermieden. Gleichzeitig ermöglicht die Alkalität des Mörtels einen aktiven Korrosionsschutz. Bei der Wahl des Werkstoffes zeichnet sich ein Trend ab: Kunststoffrohre holen bei neuen Netzen langsam auf. Auch wenn laut DWA ihr Anteil noch «nur» sieben Prozent des Gesamtnetzes beträgt. Neben dem Werkstoff sind für ein Kanalsystem natürlich auch die Rohrlänge und Wanddicke von entscheidender Bedeutung. <<

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