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SMM-Innovationsforum Fertigung 2019 Innovationen für den Werkplatz Schweiz

| Redakteur: Anne Richter

Um auf dem internationalen Markt bestehen zu können, müssen Schweizer Fertigungsbetriebe innovativ sein – in ihren Produkten und in den Prozessen. Beim letzten SMM-Innovationsforum Fertigung haben verschiedene Unternehmen entlang der Fertigungswertschöpfungskette ihre Lösungen und Innovationen vorgestellt.

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Auf der begleitenden Ausstellung zum SMM Innovationsforum Fertigung konnten die Besucher die Thematiken der Vorträge in persönlichen Gesprächen mit den Referenten vertiefen.
Auf der begleitenden Ausstellung zum SMM Innovationsforum Fertigung konnten die Besucher die Thematiken der Vorträge in persönlichen Gesprächen mit den Referenten vertiefen.
(Bild: Thomas Entzeroth)

Das SMM-Innovationsforum Fertigung ist ein Treffpunkt von Fertigungsprofis in Luzern: Fertigungsleiter, Entwickler und Produktionstechniker kommen zusammen, Unternehmen präsentieren neue Technologien und Lösungen in der Fertigung. In den Pausen gibt es genügend Zeit zum Networking und in der begleitenden Tischausstellung können die Teilnehmer ihre Neuheiten direkt präsentieren. «Das SMM-Innovationsforum soll die Unternehmen, die Produkte herstellen und entwickeln, mit den Unternehmen zusammenbringen, die diese Produkte auch einsetzen, um ihre Produktion zu optimieren», erklärt Verlagsleiter Matthias Böhm, der auch in Forum 2 moderiert hat. Das dritte SMM-Innovationsforum Fertigung hat am 18. November 2019 stattgefunden. Rund 180 Teilnehmer und Besucher interessierten sich für neue Technologien und Lösungen rund um die Fertigung. Dabei wurden die verschiedensten Aspekte der Fertigung dargestellt: von der Werkzeugmaschine über die Automation bis hin zu Werkzeugen, Antrieben und Messtechnik. Auch die Potenziale des 3D-Drucks wurden erörtert.

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«Ich finde das Innovationsforum super, weil es die Möglichkeit bietet, neue Leute kennenzulernen und sich über Technik und Innovationen auszutauschen. Ich bin hier, weil ich Freude habe, neue Lösungen zu präsentieren und zu schauen, wie das Publikum darauf reagiert», berichtet Marco Cirfeta, Marketing- und Verkaufsleiter Europa von Mikron Tool SA. Auch Stefan Zecha, Geschäftsführer Zecha Hartmetall-Werkzeugfabrikation GmbH, freut sich: «Eine wunderschöne Veranstaltung hier in der schönen Schweiz, wo ich die richtigen Leute treffe, wo ich Innovationen sehe, aber auch selber zeigen kann.» Denn es ging bei der Veranstaltung nicht nur um Innovationen, sondern auch darum, Kontakte zu knüpfen und Networking zu betreiben. Vor allem Dr. Heiko Visarius, Moderator in Forum 1, motivierte die Teilnehmer, untereinander in Kontakt zu kommen, und gab wertvolle Tipps zur Kontaktaufnahme auf Social-Media-Plattformen.

Zukunftsorientierte Fertigung mit hoher Profitabilität

Die Vorträge während des SMM-Innovationsforums Fertigung haben die vielen Aspekte der Fertigungswertschöpfungskette abgedeckt. Zentral für jede Fertigung ist die Werkzeugmaschine. Mit DMG Mori und Yamazaki Mazak, in der Schweiz vertreten durch die Wenk AG, konnten zwei grosse internationale Werkzeugmaschinenhersteller gewonnen werden, die vor allem auf die Automatisierung der Werkzeugmaschinen fokussiert haben. DMG Mori sieht die Automation als einen festen Bestandteil seiner Digitalisierungsstrategie für eine zukunftsorientierte Fertigung, in der die Profitabilität der Anwender gesichert sein muss. Das Ziel muss dabei sein, mehr Mannlosstunden und mehr Spindelstunden zu erzielen. Ein Mittel dafür ist Technologieverschmelzung mit dem Fokus Prozessoptimierung. Dafür bietet das Unternehmen ein grosses Repertoire an Automationslösungen – vom modularen WH-Flex-Baukasten über die flexible Roboterautomation Robo2go bis hin zum fahrerlosen Transportsystem PH-AGV-50. Auch Losgrösse 1 ist hier kein Hindernis für die Automation. Der japanische Werkzeugmaschinenhersteller Yamazaki Mazak überzeugt mit einer hohen Fertigungstiefe. Rund 80 Prozent aller Komponenten werden inhouse gefertigt. Die Automationstiefe liegt inhouse bei 60 Prozent, wobei die Spindeln vollautomatisiert auf Dreh-/Fräszentren gefertigt werden. Auch Mazak setzt auf Technologieverschmelzung in Form von Multitasking-Maschinen in Kombination mit Automation. Für die Schweiz und alle Hochlohnländer sieht das Unternehmen die Lösung in der Fertigung hochkomplexer Bauteile, beispielsweise komplexe Dreh-/Frästeile mit Verzahnungen. Zu einer zuverlässigen Maschine gehört eine perfekt an die Aufgabenstellung angepasste Automationslösung. Hier bietet Mazak mit dem Palletech-System und dem MPP (Multi Pallet Pool)-System sehr flexible Konzepte. Ausserdem bietet das Unternehmen verschiedene Software und Systeme für Factory Management, zur zentralisierten Werkzeugeinrichtung sowie für langfristige Fertigungsplanung und Einrichtassistenten für Roboter.

Der dritte Werkzeugmaschinenhersteller GF Machining Solutions hat Lösungen für die vollautomatisierte Grafitbearbeitung vorgestellt. Grafit bietet viele Vorteile gegenüber anderen Werkstoffen wie beispielsweise Kupfer und Stahl. Die Wärmeausdehnung ist sehr gering, sodass hohe Genauigkeiten gewährleistet werden. Auch die geringen Kosten und die vielfältigen Möglichkeiten sprechen für Grafit. Doch Grafitbearbeitung ist «ein dirty Job», wie im Referat erwähnt wurde. Die Lösung ist Nassbearbeitung von Grafit mit verbesserten Werkzeugstandzeiten sowie verbesserte Genauigkeit und Oberflächengüte. GF Machining Solutions hat ausserdem vorgestellt, wie eine kombinierte Elektroden- und Hartbearbeitung in einer Fertigungszelle in Kombination mit Senkerodieren und Automation stattfinden kann.

Werkzeuge für mehr Produktivität, Qualität und Effizienz

Auch zahlreiche Werkzeughersteller haben ihre Innovationen und Neuheiten vorgestellt. Die Mikron Tool AG hat dabei den Fokus auf Anwendungen in der Medizintechnik gelegt und aufgezeigt, wie für die Herstellung von Knochenschrauben ein komplett neues Fertigungskonzept entwickelt wurde. Das Innensechsrund wird jetzt zu 50 % schneller bearbeitet mit garantierter Masshaltigkeit und einem stabilen Prozess. Auch Horn hat eine Lösung mit Anwendung in der Medizintechnik vorgestellt. Das Unternehmen hat mit dem Jet-Wirbeln ein innengekühltes Wirbelverfahren entwickelt, welches aufgrund der direkten Kühlung der Schneiden hohe Werkzeugstandzeiten ermöglicht. Ausserdem erzielt das Jet-Wirbeln bessere Oberflächengüten am Werkstück, was bei der Fertigung von Knochenschrauben ein wichtiges Qualitätsmerkmal ist. Auf Anforderungen in der Schmuck- und Uhrenindustrie sowie Medizintechnik und im Formenbau sind die Iguana-Werkzeuge von Zecha abgestimmt. Die Kugel-, Torus- und Schaftfräser von Iguana sind diamantbeschichtete und lasergeschärfte Mehrschneider im kleinen Durchmesserbereich von 0,4 bis 6 mm. Besonders dabei sind die bei geschlossener Diamantschicht gezielt herstellbaren Schneidkantenradien von 1 µm, die dann zur Anwendung kommen, wenn klassische PKD-Werkzeuge zu labil sind. Haimer hat seine stabile und hochgenaue Schnittstelle Duo-Lock zum Drehen und Fräsen vorgestellt. Das System eröffnet einen Leistungsbereich mit grossen axialen Zustellungen und damit ein erheblich erweitertes Anwendungsgebiet gegenüber bisherigen modularen Werkzeugsystemen. Der EWA von Big Kaiser ist ein intelligentes, vollautomatisches Feinbohrwerkzeug, das ohne menschliche Bedienung auskommt. Es ermöglicht ein äusserst genaues, zeitsparendes und kostengünstiges Feinbohren.

Digitalisierung für mehr Produktivität

Digitalisierung spielt in der heutigen Zeit bei vielen Innovationen eine wichtige Rolle. Mapal hat eine Digitalisierungslösung vorgestellt, mit der Unternehmen ihre Fertigung schnell und unkompliziert digitalisieren können, ohne hohe Investitionen tätigen zu müssen. Das Modul c-Connect ermöglicht die digitale Übertragung der Werkzeugmessdaten und die Überwachung des Maschinenzustands. Auch die Brütsch/Rüegger Werkzeuge AG hat die Digitalisierung von KMU im Fokus. Mit Jellix bietet das Unternehmen eine integrale Lösung zur Optimierung vom Einkauf über die Produktion bis zum Versand. Ein Best-Practice-Beispiel zeigt, wie der Hersteller von Präzisionsteilen Tectri SA seine Produktionsabläufe digitalisiert und damit seine Prozesse optimiert hat, z. B. die Werkzeugbereitstellungskosten um 30 Prozent reduziert und die Maschinenkapazität um 9 Prozent erhöht. Auch Getriebe können smart sein, das hat die Wittenstein AG mit dem neuen Cynapse-Feature präsentiert. Das Feature verfügt über ein integriertes Sensormodul mit elektronischem Typenschild und IO-Link-Schnittstelle. Es kann Vibrationen, Temperatur, Betriebsdauer und Einbaulage erfassen, speichern, ausgeben und verarbeiten.

Die Möller-Wedel Optical GmbH hat den Einsatz von hochgenauen elektronischen Autokollimatoren für typische Messaufgaben im Maschinenbau vorgestellt. Elektronische Autokollimatoren erfüllen die Kriterien nach einfacher Bedienbarkeit, niedriger Rüstzeit und fertigungsbegleitender Einsetzbarkeit zur Vermessung von Maschinenbetten und Rundtischen. Grundlagen, Inhalte und Hintergründe für das Kalibrierzertifikat standen im Fokus des Referates der Testo Industrial Services SA. Testo ist Dienstleister auf dem Gebiet der Mess- und Kalibriertechnik und verfügt über Wissen und Ausrüstung, um aktuelle Qualitätsanforderungen umzusetzen. Der 3D-Druck bietet zahlreiche technologische Möglichkeiten. Die Alphacam Swiss GmbH hat diese Möglichkeiten aufgezeigt und hatte dabei vor allem Unternehmen im Fokus, die noch am Anfang bezüglich der Leistungen von 3D-Druck stehen. Neben Prototypenherstellung und Kleinserien haben generative Verfahren viel mehr Potenzial. Wichtig dabei ist, schon bei der Konstruktion der Bauteile die Möglichkeiten von 3D-Druck auszuschöpfen.

Insgesamt 14 Unternehmen haben ihre Innovationen, Neuheiten und Lösungen rund um die Fertigung vorgestellt. Stefan Weber, Vice President der Rego-Fix AG, fasst zusammen: «Schlussendlich geht es immer darum, den Werkplatz Schweiz zu stärken und dass die einzelnen Betriebe innovativ bleiben, neue Produkte entwickeln und den Kunden einen Mehrwert bieten.» -ari- SMM

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