SMM-Interview: Stefan Dahl, Head of Technology Unit New Technologies, GF Machining Solutions Innovationen sind entscheidend für den Erfolg

Redakteur: Matthias Böhm

GF Machining Solutions ist der grösste Werkzeugmaschinenbauer der Schweiz. Technologisch absolute Spitzenklasse, und zwar vom Fräsen über das Erodieren bis hin zu Lasertechnologien. Welche Rolle Innovation bei GF Machining Solutions spielt, wird Stefan Dahl, Head of Technology Unit New Technologies, am SMM Kongress aufzeigen. Im Vorfeld lesen Sie ein Interview mit dem Innovations- und Technologieexperten.

Firmen zum Thema

«Digitalisierung verbunden mit neuartigen Technologien wie z.B. Additive Manufacturing langfristig einen erheblichen Einfluss auf die Fertigungsindustrie haben wird.» Stefan Dahl, Head of Technology Unit New Technologies, GF Machining Solutions
«Digitalisierung verbunden mit neuartigen Technologien wie z.B. Additive Manufacturing langfristig einen erheblichen Einfluss auf die Fertigungsindustrie haben wird.» Stefan Dahl, Head of Technology Unit New Technologies, GF Machining Solutions
(Bild: Bild: GF Machining Solutions)

SMM: GF Machining Solutions ist der grösste Werkzeugmaschinenhersteller der Schweiz und innovationsgetrieben. Welche Bedeutung haben neue Technologien für den zukünftigen Erfolg von GF Machining Solutions?

Da wir sehr stark vom Export abhängen und im globalen Wettbewerb aufgrund unserer starken Währung nie die billigsten sein werden, sind Innovationen für GF Machining Solutions ein Schlüsselfaktor, um erfolgreich zu sein. Eine der drei Stossrichtungen unserer Strategie 2020 ist es daher, uns als Innovationsführer mit Schweizer Qualität zu positionieren. Dies betrifft zum einen unsere klassischen Technologien wie EDM und Fräsen, bei denen wir ständig daran arbeiten, durch Innovationen unseren Kunden Mehrwert zu schaffen, parallel dazu beobachten wir aber auch permanent vielversprechende Technologien und integrieren sie in unser Produktportfolio, um unseren Kunden so den Einstieg in neuartige Technologien wie die Laser-Oberflächenstrukturierung, die Laser-Präzisionsbearbeitung oder das Additive Manufacturing mit einem etablierten und verlässlichen Partner zu ermöglichen.

Können Sie beispielhaft wichtige Innovationen, die in den letzten Jahren bei GF Machining Solutions entwickelt wurden, kurz beschreiben und ihre technologische Bedeutung einordnen?

In den letzten Jahren hat sich insbesondere im Bereich der Laser-Bearbeitung einiges getan. GF Machining Solutions hat hier eine neuartige Technologie entwickelt, mit der dreidimensionale Oberflächen absolut präzise texturiert und strukturiert werden können. Zum einen ersetzt diese Technologie das chemische Ätzen von Werkzeugeinsätzen und liefert eine absolut digitale und umweltschonende Alternative. Zum anderen entdecken unsere Kunden aber mehr und mehr Anwendungsfälle, bei denen diese Technologie mit funktionalen Oberflächen bei Bauteilen ganz neuartige Eigenschaften erzeugen kann, z. B. werden solche Oberflächen bei orthopädischen Implantaten in der Medizintechnik verwendet. Aber auch in unseren klassischen Technologien führen wir immer wieder bahnbrechende Neuheiten ein, z. B. haben wir für unsere Fräsmaschinen ein Spindel-Schutzsystem entwickelt, welches bei einem Crash verhindert, dass die Spindel beschädigt wird. Hier sind wir führend im Markt und ein Grossteil unserer Maschinen wird inzwischen mit diesem Machine Spindle Protection System verkauft.

Wie werden Innovationen in Ihrem Unternehmen konkret gefördert und entwickelt?

Wir haben dedizierte Teams, die an angewandter Forschung arbeiten, zudem arbeiten wir in der Schweiz und weltweit mit führenden Universitäten und Instituten zusammen, um einen direkten Draht zur universitären Forschung zu haben.

Können Sie Beispiele nennen, dass Innovationen sich konkret positiv auf die Nachfrage ausgewirkt haben?

Wie gesagt beobachten wir neben unseren internen Entwicklungen auch permanent technologische Trends am Markt. So wurden wir vor einiger Zeit auf das enorme Potential der Bearbeitung mit Femto­sekundenlasern aufmerksam. Einige Applikationen, die traditionell mit Drill EDM hergestellt werden, können inzwischen mit diesen Lasern hergestellt werden. Anstatt uns diesem Substitutionstrend entgegenzustellen, haben wir uns dazu entschlossen, ein in diesem Bereich führendes Start-up aus Chicago, die Firma Microlution, zu akquirieren und diese technologische Entwicklung aktiv mitzugestalten. Zum Beispiel beim Fertigen von Diesel- und Benzin-Injektoren, bei denen wir bisher stark mit der EDM-Technologie vertreten waren, führen wir nun die Laser-​Technologie ein und sind bereits bei fünf der acht führenden Hersteller vertreten.

Welche Rolle spielen die Kundennähe und das Kunden-Feedback an die Forschungs- und Entwicklungsabteilung? Werden solche Prozesse in Ihrem Unternehmen strukturiert umgesetzt?

Am Ende zählt natürlich nur, was der Kunde an Nutzen von der Innovation hat. Vor diesem Hintergrund wollen wir den Kunden in den Mittelpunkt unseres Innovations- und Entwicklungsprozesses stellen und führen daher «Design Thinking» ein. Dieser Prozess basiert darauf, den Kunden sehr früh miteinzubeziehen und auch sehr früh erste Anschauungsmuster mit ihm zu diskutieren, um sicher zu sein, dass wir genau das entwickeln, was der Kunde benötigt. Dies ist ein Programm, welches wir im gesamten Georg-Fischer-​Konzern einführen, und wir haben bereits über 800 Mitarbeiter in dieser Methodik geschult.

GF Machining Solutions bildet mit seinem Produktportfolio eine hochkomplexe Prozesskette im Bereich der Fertigung/Produktion ab. Welche Rolle spielt hier das Thema Industrie 4.0 und die Vernetzung der unterschiedlichen Technologien untereinander?

Ja, mit unserem Technologieportfolio können wir die gesamte Fertigungslösung für die Präzisionsbearbeitung aus einer Hand anbieten, daher haben wir die Firma in 2013 auch in GF Machining Solutions umbenannt. Da die Digitalisierung in der Fertigungsindustrie immer schneller voranschreitet und in Zukunft einen wichtigen Teil der Gesamtlösung darstellt, beschäftigen wir uns sehr intensiv mit diesem Thema. Basis der Industrie 4.0 ist die Konnektivität der Maschinen und wir haben uns hier bewusst dazu entschlossen, dass wir eine Strategie der offenen Standards verfolgen. Daher werden z. B. alle unsere Maschinen in Zukunft den OPC-UA-Standard unterstützen, so dass sie «plug-and-play» in digitale Systeme integriert werden können. Zudem bringen wir aktuell unsere Konnektivitätsplattform «rConnect» auf den Markt, mit der wir unseren Kunden digitale Services wie Fernwartung, aber auch Messenger- oder Cockpit-Funktionen zur Verfügung stellen.

Das Thema Industrie 4.0 hat anscheinend eine grosse Bedeutung?

Absolut, das Thema Industrie 4.0 / Digitalisierung hat für uns einen extrem hohen Stellenwert, es ist uns aber auch bewusst, dass unsere Kunden oft auch Maschinen anderer Hersteller haben, daher ist es wichtig, dass sich unsere Maschinen und Lösungen basierend auf Standards vernetzen und so alle Drittanbieter mit einbinden können. Um in diesem Feld weitere Kompetenz aufzubauen und dieses Thema weiter zu beschleunigen, haben wir Ende September die Firma Symmedia akquiriert, die sich seit 20 Jahren auf Maschinenkonnektivität verschiedenster Maschinen und Branchen spezialisiert hat.

Wie sieht aus Ihrer Sicht die Fertigung der Zukunft aus?

Ich denke, dass die Digitalisierung verbunden mit neuartigen Technologien wie z. B. Additive Manufacturing langfristig einen erheblichen Einfluss auf die Fertigungs­industrie haben wird. Bisher wurden alle Industrien, die eine Digitalisierung erfahren haben, buchstäblich «auf den Kopf gestellt». In der fertigenden Industrie wird dies wahrscheinlich etwas langsamer geschehen, nichtsdestotrotz denke ich, es ist ratsam, dieses Thema aktiv mitzugestalten, anstatt davon überrumpelt zu werden. SMM

(ID:44962866)