Beruhigt in den Urlaub

Intelligenter Boden passt daheim auf

| Redakteur: Silvano Böni

Die Balkontür war leicht zu knacken. Noch ein Schritt, und dann löst der intelligente Fussboden CapFloor Alarm aus.
Die Balkontür war leicht zu knacken. Noch ein Schritt, und dann löst der intelligente Fussboden CapFloor Alarm aus. (Bild: Fraunhofer IGD)

Ein berührungsempfindlicher Fussboden erkennt von allein, wenn ein Mensch ihn betritt. Damit bietet er in der Urlaubszeit Schutz vor Einbrechern. Darüber hinaus registriert die Technologie, wenn Menschen stürzen und Hilfe benötigen.

Urlaubszeit ist Einbruchszeit. Wenn Menschen verreisen und Wohnungen verwaist sind, steigen Einbrecher durch schlecht gesicherte Fenster und Türen ein. Allein in Deutschland wurden vergangenes Jahr nach Angaben der Polizeilichen Kriminalprävention durch Einbrüche in der Urlaubszeit ein Schaden von 39,4 Millionen Euro verursacht. Die Polizei rät deshalb regelmässig vor Beginn der Reisezeit, Türen und Fenster gut zu sichern. Doch Schutz bietet auch eine Technologie ganz anderer Art: der CapFloor, ein berührungsempfindlicher Fussboden, der wahrnimmt, wenn ein Mensch ihn betritt. Steigt ein Einbrecher in ein Haus ein, lösen Sensoren im Boden Alarm aus. «Mitte kommenden Jahres wollen wir ihn in Kooperation mit einem Industrieunternehmen als Produkt auf den Markt bringen», sagt Dr. Reiner Wichert vom Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD in Darmstadt. Unter seiner Leitung hat ein Forscherteam die intelligente Trittfläche entwickelt.

Alarm bei Berührung

Die Basis des berührungsempfindlichen Bodens ist ein Gitter aus einfachen Drähten, das unter dem Parkett oder Teppich montiert wird. Die Drähte werden von einem sehr schwachen elektrischen Feld umgeben. Bewegt ein Mensch seinen Fuss hindurch, ändert sich das elektrische Feld in diesem Bereich. Für die Gesundheit ist dies risikolos: Während zum Beispiel Touchpads in Laptops mit Spannungen von bis zu 20 Volt arbeiten, nutzt CapFloor lediglich etwa eineinhalb Volt. Das System meldet eine Bewegung – beispielsweise beim Einbruch, wenn das Haus verlassen und verschlossen ist. Ganz gleich über welchen Weg ein Dieb in ein unbewohntes Haus einsteigt – sobald er den Boden berührt, gibt es Alarm. Je nach Wunsch des Besitzers kann das System dann über die Haustechnik eine Sirene auslösen oder eine Warnmeldung an ein Smartphone oder einen Sicherheitsdienst absetzen.

Zahlreiche Anwendungsfelder

Die Entwicklung des Fraunhofer IGD eignet sich auch für andere Anwendungen. «Zunächst wollten wir erkennen, ob ein Mensch gestürzt ist», sagt Wichert. «Doch uns wurde schnell klar, dass ein solches System mehr kann.» So lässt sich die Technologie einfach im bestehenden Schaltschrank mit der Gebäudetechnik verbinden, etwa mit der Licht- oder Heizungssteuerung. Betritt eine Person einen Raum, geht das Licht von alleine an. Verlässt sie das Zimmer, wird das Licht gelöscht. Zudem fährt automatisch die Raumheizung herunter, wenn sich länger niemand im Raum aufhält. Weitere Funktionen sind Warnmeldungen per SMS: zum Beispiel, wenn Kleinkinder nachts das Bett verlassen oder wenn sich im Haus länger nichts mehr bewegt hat und der Herd trotzdem noch eingeschaltet ist.

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