Interview Kanya AG: Neue Perspektiven in China

Mit dem Produktionsstandort China hat die Kanya AG ein neues Kapitel aufgeschlagen. Das Potenzial ist gross. Doch es gilt, umsichtig vorzugehen, denn andere Mentalitäten sind zu berücksichtigen, wie Geschäftsführerin Tanja Bell im Interview erklärt.

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Das Betriebsgebäude der Kanya China liegt in einem Industriepark in Suzhou bei Shanghai.
Das Betriebsgebäude der Kanya China liegt in einem Industriepark in Suzhou bei Shanghai.
(Bild: Kanya)

SMM: Tanja Bell, China gilt generell als Markt mit enormen Perspektiven, aber auch hohen Risiken. Wie sehen Sie die Lage?

Tanja Bell: Die Regierung steuert den Markt in China, und diese Regeln sind nicht immer transparent und können in verschiedenen Städten, ja Stadtteilen durchaus unterschiedlich sein. Ich rechne über kurz oder lang mit einer Abschwächung des Booms, etwa im Baubereich mit hohen Leerständen und einer zu wenig konsequenten Politik, die der Spekulation nicht Einhalt gebietet. Steigende Lohnkosten gefährden die Konkurrenzfähigkeit. Ich sehe darin aber auch eine Chance, weil immer mehr Unternehmen in die Automatisation investieren. Das Produktionsgebäude ist in einem Industriepark unweit von Shanghai angesiedelt, der Vorteile bietet bezüglich der Infrastruktur und kurzer Logistikwege, speziell für uns auch die Nähe zu unseren Grosskunden und anderen potenziellen Kunden.

Die chinesische und europäische Mentalität seien im wirtschaftlichen Alltag zuweilen schwer vereinbar, heisst es. Stimmt das?

T. Bell: Die Einstellung und das Verständnis sind grundverschieden, aber nicht unbedingt schwer vereinbar. Man muss das Land und die Leute kennen, offen sein und ein Miteinander schaffen, dann kann man gute Teams aufbauen und viel erreichen. Es braucht jedoch viel Zeit, Erklärungen und Training, um den Mitarbeitern unseren Standard nahezubringen und ihn umzusetzen.

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Das Grundverständnis, wie man Dinge angeht, entspricht nicht der europäischen Einstellung?

T. Bell: Man muss auch hier sehen, wie die Dinge gehandhabt werden und gegebenenfalls nachfragen und ins Detail gehen, um das gewünschte Resultat zu erreichen. So darf man bei Offertanfragen oder Lieferantenaufträgen keinen Spielraum für Interpretationen lassen und nicht einfach davon ausgehen, dass die gleichen Spielregeln gelten, wie wir sie kennen.

Welche Ziele verfolgen Sie für den weiteren Aufbau?

T. Bell: Wir sind dabei, den Verkauf aufzubauen, Marktinformationen zu sammeln und potenzielle Kunden zu eruieren. Das sind im ersten Schritt europäische Unternehmen, die uns bereits kennen. Dies findet in der ersten Phase im näheren Umfeld statt. Später werden wir weitere Vertretungen aufbauen, um auch in anderen Landesteilen in Kundennähe zu sein. Wir planen neben Kanya auch Altratec in China einzuführen, um die Produktepalette zu erweitern. <<

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