SMM-Exklusivinterview mit Bruno Malinek, Feintool

Königsklasse Feinschneiden

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Thema Elektromobilität, was bedeutet das für Ihr Geschäftsumfeld?

B. Malinek: Wir liefern in die Bereiche Chassis, ­Seating und Interieur und Antriebstechnik. Die grosse Abhängigkeit zum Verbrennungsmotor haben wir gar nicht. Am meisten würden wir von Hybridfahrzeugen profitieren, die beide Technologien vereinigen. Wir bekommen bereits heute Aufträge aus dem Bereich der Elektromobilität. Allerdings sind hier die Stückzahlen noch weit unter unseren Erwartungen. In der Zukunft kann sich das ändern. Für uns wäre das ein zusätzlicher Markt.

Können Sie die technologischen Stärken von Feinschneiden beschreiben?

B. Malinek: Wir können ein 15-mm-Blech in einer H7er-Qualität schneiden ohne Nachbearbeitung. Solche Genauigkeiten bekommt man ansonsten nur mit spanabhebenden Verfahren. Mit Stanzen kommen Sie nie in diese Bereiche. Das ist ein Riesenvorteil für uns. Wir können bis zu 15 mm dickes Stahlblech feinstanzen und -formen. Machbar ist auch, ein 0,5-mm-Loch in ein 2-mm-Blech zu schneiden mit einer H7er-Präzision und extremer Wiederholgenauigkeit. Wir können sozusagen «dick und dünn». Je nach Anwendung wird es ggf. noch spanend bearbeitet, gehärtet, geschliffen usw. Wir bilden dabei die komplette Prozesskette ab. Unser Kunde bekommt das fertig einsetzbare Werkstück oder eine gesamte Baugruppe.

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Von welchen aktuellen Technologieentwicklungen profitieren Sie?

B. Malinek: Wir profitieren immer dann, wenn es im Automobil komplexer wird. Wir freuen uns auf die Hybrid-Technologie, aber dazu gehört beispielsweise auch der Allrad, das ist ein Boom ohne Ende. Da stecken etliche Bauteile drin, die von uns feingeschnitten werden müssen. 18 % aller Fahrzeuge haben aktuell Allrad; das wird in den kommenden Jahren mehr. Da steckt weiter Potenzial für uns drin.

Welche Rolle spielt der Automobil-Leichtbau für Ihre Unternehmensstrategie?

B. Malinek: Das wird noch ein ganz wichtiger Umsatz- und Technologietreiber für unser Unternehmen. In Zukunft wird mit höherfesten Stählen dünnwandiger gebaut. Solche Stähle feinzuschneiden, ist hochanspruchsvoll und hier laufen einige Forschungsprojekte. Da geht es von Machbarkeitsaspekten bis hin zu Massnahmen zur Verschleissreduzierung der Feinschnittwerkzeuge. Auch das Thema hoher Glattschnittanteil ist bei hochfesten Stählen alles andere als gelöst. Das Feinschneiden von Titan wird eine echte Herausforderung für die Zukunft. Aber das passt zu unserer Strategie «Expanding Horizons»: Wir versuchen, die Machbarkeits-Grenzen ständig weiter nach aussen zu verschieben.

Welche Rolle spielt Forschung und Entwicklung für Feintool?

B. Malinek: F&E ist massgeblich entscheidend für unsere Zukunftsfähigkeit. Wir arbeiten z. B. sehr eng mit dem Werkzeugmaschinenlabor (WZL) der RWTH Aachen zusammen. Dort steht auch eine Versuchsanlage von uns, wo wir intensiv forschen. Auch mit der ETH Zürich arbeiten wir an verschiedenen Projekten. Aktuell prüfen wir, wie der Feinschneidprozess verläuft, wenn wir Dickbleche vor dem Feinschneiden erwärmen.

Und wie sieht die Entwicklungszusammenarbeit mit Ihren Industriepartnern aus?

B. Malinek: Wir haben Zugang zu den F&E-Bereichen verschiedener Automobilzulieferer. Am besten ist es, wenn der Kunde vor dem Entwicklungsprozess mit einem Problem auf uns zukommt und wir dieses Problem gemeinsam mit ihm lösen können. Schwieriger wird es, wenn er bereits mit dem fertigen Bauteil kommt und uns sagt: Schaut mal, wie ihr das für mich feinschneiden könnt. Je früher wir in den Entwicklungsprozess eingebunden sind, umso besser können wir den Gesamtprozess positiv beeinflussen.

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