SMM-Exklusivinterview mit Bruno Malinek, Feintool

Königsklasse Feinschneiden

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Zurück zum Status quo: Wann lohnt sich das Feinschneidverfahren?

B. Malinek: Die Wirtschaftlichkeit im Feinschneiden liegt dann vor, wenn es in die Massenproduktion geht, ab 100 000 wird es interessant. Es gibt aber auch Ausnahmen bei mittleren Stückzahlen: Wenn ein hochpreisiges Bauteil gefertigt werden muss, können auch kleinere Stückzahlen wirtschaftlich für das Feinscheiden sein.

Welche Rolle spielt Swiss Made?

B. Malinek: Ich glaube es hat eine gewisse Bedeutung, würde es aber nicht überbewerten. Die Schweiz hat einen ausgezeichneten Ruf in Sachen Präzision. Das ist im Bereich der Feinschneidtechnik das A&O. Aber wir sind ein internationales Unternehmen mit Mitarbeitern aus den verschiedensten Nationen. Wir spielen das Thema Swiss Made nicht in der Art aus, wie das die Uhrenhersteller machen. Wir müssen von jedem Standort aus herausragende Qualitäten liefern. Die Schweiz hat aber hervorragende Voraussetzungen.

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Wie schätzen Sie den Standort Schweiz ein?

B. Malinek: Wir haben ja eine ausgezeichnete Vergleichsbasis mit unseren weltweit verteilten Standorten. Wir haben zwei Standorte in Japan, fünf Standorte in Deutschland und zwei Standorte in Amerika. Die Schweiz schneidet ausgezeichnet ab, verglichen mit unseren anderen Standorten.

Können Sie sich das erklären?

B. Malinek: Nehmen wir Deutschland als Vergleich. In der Schweiz steht mir ein Mitarbeiter 30 % mehr zur Verfügung als in Deutschland. Das liegt an den längeren Arbeitszeiten, geringeren Ferien und geringerem Krankenstand. Drei Jahre in der Schweiz arbeiten ist wie vier Jahre in Deutschland arbeiten. Das ist für den Standort Schweiz ein echter Vorteil. Weitere Stärke der Schweiz ist die Sozialpartnerschaft. Das funktioniert richtig gut. Solche Dinge lernt man erst dann zu schätzen, wenn man zuvor als Manager oder Geschäftsführer in Deutschland gearbeitet hat. Die Voraussetzungen in der Schweiz erfolgreich zu sein, sind aufgrund der Rahmenbedingungen hervorragend.

Ist die Schweiz gleichwohl ein teurer Standort?

B. Malinek: Der Standort Schweiz ist teuer, aber man bekommt auch sehr viel dafür. In 2008 lag der Wechselkurs zum Euro bei 1.65 heute liegt er bei 1.08. Da muss man ein Fitnessprogramm durchlaufen, das geht an die Schmerzgrenze. Es sind Schweizer Unternehmen auf der Strecke geblieben, aber die, die es geschafft haben, stehen heute gut da.

Wie hat Ihr Unternehmen auf die Freigabe des Wechselkurses reagiert?

B. Malinek: Das war in etwa so, als würde Ihnen der Boden unter den Füssen weggezogen. Wir haben für den Standort Schweiz wie folgt reagiert: Wir produzieren nur noch hochvolumige Bauteile, die sehr komplex und präzise sind. Alles andere haben wir verlagert. Die schwierigsten Bauteile produzieren wir in der Schweiz.

Was hat das gebracht?

B. Malinek: Wir hatten früher 45 Kunden vom Standort Schweiz aus beliefert, heute haben wir nur noch 15 Kunden. Allerdings mit hochanspruchsvollen Teilen. Das Beste: Wir sind in der Schweiz gewachsen mit diesen Tätigkeiten. Einfache Produktionen haben wir nach Deutschland verlagert. Gleichwohl haben wir 40 zusätzliche Arbeitsplätze in der Schweiz generiert. Solche Bauteile brauchen ein sehr grosses Know-how und Fachwissen. Weiterer Vorteil: Unser Stammsitz profitiert zu der unmittelbaren Nähe der hochkomplexen Serienproduktion.

Sie sagen, Sie würden an allen Standorten hervorragende Qualität liefern. Wie schaffen Sie das?

B. Malinek: Die Schweizer haben eine hervorragende Ausbildung, Europa im Generellen. Das System in den USA ist diesbezüglich im Hintertreffen, aber: Wir bilden in den USA unsere Werkzeugmacher nach dem Schweizer, respektive europäischen System selbst aus. Wir haben darüber hinaus eine Art Know-how-Transfer. In Cincinnati ist die Hälfte der Führungskräfte aus der Schweiz. In Japan ist das ganz ähnlich. Wir haben zudem einen guten Austausch mit unseren deutschen Standorten. Wir bieten diese internationalen Standortwechsel unseren Mitarbeitern an und das wird sehr gerne in Anspruch genommen. Das Gleiche wird auch an unserem chinesischen Standort praktiziert.

Welche Investitionen planen Sie in Zukunft?

B. Malinek: Wir müssen kontinuierlich investieren, aktuell steht eine neue Härterei an. Wir investieren in Kürze in eine Anlage für Feinschnittteile, die bisher mittels Sintern hergestellte Teile ersetzt. Wir investieren mehrere Millionen pro Jahr in Pressen, damit unser Maschinenpark leistungsfähig bleibt. Im Werkzeug- und Formenbau sind wir ebenfalls technologisch hochmodern aufgestellt. Es ist ein riesiger Maschinenpark, der zur Spitzenklasse Europas im Werkzeug- und Formenbau zählt. Kurz: wir investieren in unsere Zukunft. SMM

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