Kunststoff Verband Schweiz (KVS): Kunststoffbranche erholt, Fachkräftemangel enorm

Redakteur: Anne Richter

>> Der Kunststoffverband Schweiz (KVS) hat die Wirtschaftsdaten 2010 veröffentlicht. Demnach hat sich die Schweizer Kunststoffindustrie entscheidend erholt. Die Zunahme in 2010 gegenüber 2009 lag bei rund zehn Prozent. Grösster limitierender Faktor ist dabei ein eklatanter Arbeitskräftemangel, den die Unternehmen der Kunststoffindustrie als schwerwiegender als die Frankenstärke ansehen. Nationalrätin Doris Fiala wurde als KVS-Präsidentin wiedergewählt.

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ari. Auf der ordentlichen Mitgliederversammlung des Kunststoffverbandes Schweiz (KVS) wurde Nationalrätin Doris Fiala einstimmig in ihrem Amt als Präsidentin für die nächsten drei Jahre bestätigt. Die Mitgliederversammlung fand am 1. Juli 2011bei der EMS-Chemie AG in Domat statt.

Zehn Prozent mehr Umsatz

Laut Jahresbericht erzielte die Schweizer Kunststoffindustrie im Jahr 2010 einen Umsatz von CHF 15,8 Mrd. Dies entspricht einer Zunahme von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr und liegt nur knapp unter dem Rekordumsatz von 2008 mit CHF 15,9 Mrd. Die Anzahl Unternehmen wuchs demnach von 843 im Jahr 2009 um ein Prozent auf 854. Diese Firmen beschäftigten 2010 insgesamt 35 101 Mitarbeiter, drei Prozent mehr als im Vorjahr. Die Produktivität stieg im vergangenen Jahr um 6,8 Prozent auf CHF 451 000 Umsatz pro Mitarbeiter. Das entspricht CHF 29 000 mehr als im Vorjahr. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 910 000 Tonnen Kunststoff und Kautschuk (+10,9 Prozent) verarbeitet. Für das laufende Jahr rechnet die Kunststoffindustrie mit einer anhaltend guten Branchenkonjunktur.

Fachkräftemangel besorgniserregend

Gemäss Doris Fiala, Präsidentin des KVS, «hat sich die Kunststoffindustrie von einem schwierigen 2009 deutlich erholt und hat wieder zu ihrem jährlichen Wachstum von rund zehn Prozent zurückgefunden». Doch laut Bericht hinkt die Mitarbeitersteigerung gegenüber der Steigerung des Umsatzes leicht nach. «Trotz allen Anstrengungen, ist und bleibt der Fachkräftemangel die grösste Herausforderung», betont Doris Fiala und verweist gleichzeitig auf die Bedeutung der Personenfreizügigkeit: «Im Kader und in unseren Forschungsabteilungen sind wir dringend auf ausländische Arbeitskräfte der neuen Zuwanderung angewiesen und nehmen einen gewissen gehässigen Stimmungswandel betreffend die neue Zuwanderung mit grosser Sorge zur Kenntnis.»

Standortfaktor: starker Franken

Natürlich stellt der starke Schweizer Franken auch für die Kunststoffindustrie eine Herausforderung dar. Doris Fiala sieht aber durchaus positive Aspekte daran: «Unsere Wirtschaft ist global wettbewerbsfähig dank Innovation und Produktivität und letztlich ist der starke Franken Ausdruck unseres eigenen Erfolges. Selbstverständlich hat der starke CHF auch Positives für unsere Industrie: Die Importe sind billiger und Expansionswillige haben die Möglichkeit, Firmenkäufe im Ausland günstiger zu tätigen.» Für Ernesto Engel, Geschäftsführer des KVS «ist der Wechselkurs, auf den wir keinen Einfluss haben, nur ein Standortfaktor. Für die Branche gibt es noch andere Faktoren und Rahmenbedingungen, welche die Position der Schweizer Wirtschaft bedrohen und ernster zu nehmen sind, wie zum Beispiel Sozialwerke, Strompreis und Stromversorgung oder die zunehmende Bürokratie.»

Steigende Produktivität

Die Kunststoffbranche investiert seit Jahren viel Know-how und finanzielle Mittel in die Modernisierung und Innovationstätigkeit der Produktionsanlagen. Damit nimmt die Produktivität in der Kunststoffverarbeitung von Jahr zu Jahr zu. Gemessen am Umsatz pro Mitarbeiter stieg diese von CHF 287 000 im Jahr 2002 um 57,1 Prozent auf CHF 451 000 im Jahr 2010 an. Die Schweizer Kunststoffindustrie wird mehrheitlich durch kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) mit durchschnittlich 40 bis 50 Mitarbeitern geprägt. Damit weist dieser Wirtschaftszweig eine typisch schweizerische Zusammensetzung auf, erreichen die KMU hierzulande doch einen Anteil von 99,7 Prozent an der Gesamtzahl der Unternehmen mit einer Gesamtbeschäftigungsrate aller einheimischen Arbeitnehmenden von 69 Prozent. Zu den Mitgliedern des KVS gehören zudem global agierende Weltunternehmen wie EMS Chemie, Sika, Geberit oder Georg Fischer. <<

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