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Von Praktikern für Praktiker Manuell und im CNC-Einsatz einfach top

Redakteur: Anne Richter

>> Handrad und Bohrhebel waren kaufentscheidend. Bei solch einer Aussage fühlt man sich im Werkzeugmaschinenbereich um Jahrzehnte zurückversetzt. Nicht so beim Unternehmen Staedtler Mars GmbH & Co. KG, denn mit der Investition in das vertikale 3-Achs-CNC-Zentrum Picomax 56 Top von Fehlmann hat man nicht nur eine manuelle wirtschaftliche Lösung für einfachste Bauteile, sondern setzt die Maschine inzwischen auch für das Elektrodenfräsen ein.

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Manfred Köhler, Fräser bei Staedtler
Manfred Köhler, Fräser bei Staedtler
(Bild: Fehlmann)

Kollegen hatten die Maschine erstmals auf der Euromold 2011 gesehen und sofort davon geschwärmt. Warum es dann zwei Jahre gedauert hat, bis in die Maschine investiert wurde, weiss heute keiner mehr so genau. Fakt ist, die konventionellen Maschinen waren in die Jahre gekommen und man dachte zunächst über deren Retrofitting nach. Zunächst, denn da entschied man sich doch für eine moderne Maschine. Konkret für eine Präzisionsfräs- und Bohrmaschine Picomax 56 Top von Fehlmann.

Manuelle Maschine mit integrierter CNC-Steuerung

Eine Maschine, bei der es Fehlmann gelungen ist, in eine manuelle Maschine eine CNC-Steuerung zu integrieren und die sich so sowohl für den manuellen Einsatz wie über die voll digitale Heidenhain-Steuerung TNC620 eignet. Top steht deshalb für Touch Or Program. Für Thomas Weissfloch, Leiter Formenbau, war das aus heutiger Sicht die einzig richtige Entscheidung: «Meines Erachtens wächst der Markt des Retrofittings, weil am Markt keine konventionellen Maschinen mehr angeboten werden. Diese Maschinen haben aber nach wie vor ihre Daseinsberechtigung, denn bei einfachen Bauteilen will man kein 5-Achs-Bearbeitungszentrum blockieren. Meist reichen ja auch drei Achsen. Mit den Kosten für Geometrie und eine neue Steuerung ist man allerdings fast schon bei den Kosten einer neuen Maschine. Mit der Picomax 56 Top dagegen investiert man in eine Maschine, die nun wirklich einzigartig ist.»

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Vorausgesetzt das Produktspektrum passt, denn in Sugenheim war man auf der Suche nach einer Werkstattmaschine mit CNC-Steuerung, die man auch manuell einsetzen kann. Das heisst, schnell mal drei Bohrungen oder eine Kreis- oder Rechtecktasche fräsen ist damit ebenso möglich wie das Elektrodenfräsen. Gegenüber herkömmlichen konventionellen Maschinen mit 4000 min–1 verfügt man damit über 12 000 min–1 und eine ölgekühlte Motorspindel.

Maschine von Praktikern für Praktiker

Ausserdem hat man bei Staedtler für Elektroden oder auch das Hartfräsen eine 5-achsige Picomax 90 mit einer Heidenhain-Steuerung TNC530 plus einem Postprozessor, der allerdings auch auf der TNC620 läuft. So ist die Picomax 56 TOP zwar nicht an das CAD/CAM-System angebunden, die Datenübertragung aber problemlos, also ohne extra Postprozessor über einen Datenstick möglich. Für Manfred Köhler, Fräser bei Staedtler, der keinerlei Erfahrung mit Heidenhain hatte, reichten so nur 2,5 Tage Schulung, um in die Produktion einzusteigen: «Meine Erfahrung zeigt, dass diese Maschine wirklich von Praktikern durchdacht ist. Das zeigt sich an den Ablagen, Schiebern oder auch dem Drehkarussell für die Werkzeugaufnahme an der Maschine. Die Werkzeuge hängen, wie sie in der Maschine eingesetzt werden. So bleibt der Kühlschmierstoff nach der Bearbeitung nicht in der Aufnahme, sondern kann ausfliessen.»

Obwohl die Maschine auch mit Werkzeugwechsler angeboten wird, hat man diese Option nicht gezogen, sondern arbeitet mit 15 Werkzeugen auf besagtem Drehkarussell. In Sugenheim sind es aber vor allem die Top-Funktionen, die begeistern. Top sind unter anderem die Bohrzyklen. Gibt man beispielsweise eine definierte Bohrtiefe vor, veranlasst nach dem Erreichen der vorgegebenen Tiefe ein elektronischer Anschlag einen Leerlauf des Bohrhebels oder man löst automatisch einen Bohrzyklus aus. Das heisst, die gesteuerte Achse wird über den Bohrhebel bedient.

In der Praxis springt der Funke schnell über

Die Picomax 56 Top ist in Sugenheim mittlerweile über ein halbes Jahr im Einsatz und wie sich zeigt, rechnet sich die Maschine in allen Belangen. Handrad, Bohrhebel und Top-Funktion sorgen dafür, dass ein einfaches Bauteil in der Zeit angefertigt werden kann, die man auf einer CNC-Maschine allein für das Programmieren brauchen würde.

Dazu Christian Kemmer, stellvertretender Leiter Formenbau: «Bei uns hat die Funktionalität einen hohen Stellenwert und die erfüllt die Picomax 56 Top ausgezeichnet. Die Fertigung von einfachen Bauteilen mit Losgrössen bis zehn Stück kann auf einem Bearbeitungszentrum plus Programmieren nicht wirtschaftlich sein. Diese Maschine passt deshalb nahezu ideal zu unserem Produktportfolio, zumal wir damit die Präzision von einem Hundertstelmillimeter problemlos erreichen.»

Ergebnis jahrelanger Entwicklungsarbeit

Die Picomax 56 Top ist bei Fehlmann das Ergebnis jahrelanger Entwicklung. Das Vorgängermodell war noch die Picomax 54. Wegen zusätzlicher aktueller Kundenwüsche wie Werkzeugwechsler, der 3-Achsigkeit und mehr Verfahrweg musste man bei Fehlmann allerdings umdenken, den Markt wollte man aber weiter bedienen. Dieses Vorhaben scheint gelungen, denn Roland Sandmeier, Verkaufsleiter Deutschland bei Fehlmann, macht damit ausschliesslich positive Erfahrungen: «Es mag widersprüchlich klingen, aber die Picomax 56 Top lässt sich nicht über einen Prospekt oder Gespräche erklären. Wenn Interessenten allerdings an der Maschine sehen, wie einfach es ist, springt der Funke sehr schnell über.» Und Thomas Weissfloch bemerkt dazu: «Es geht ja nicht nur um die Maschine, das Verhältnis Nutzen zur Investition muss auch stimmen. Hinzukommt, bei Fehlmann und wie das Unternehmen geführt wird, sind wir uns sicher, dass die Ersatzversorgung für die nächsten 20 Jahre gesichert ist.» <<

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