Wie quasi alle Unternehmen in der Schweiz und in der ganzen Welt ist auch die Reiden Technik AG von der Covid-19-Pandemie betroffen. Im Interview mit dem SMM berichtet Geschäftsführer Ruedi Willimann, wie das Unternehmen mit der Krise umgeht und welche Lösungen es gefunden hat.
Reiden hat in der Montage ein Zwei-Schicht-System eingeführt. Bild von der Montage der RX 18, die grösste Maschine der RX-Baureihe. Ausgestattet ist das Bearbeitungszentrum mit einem Trigonalkopf, welcher eine unteräquatoriale Bearbeitung erlaubt.
(Bild: Anne Richter, SMM)
SMM: Wie wurde Ihr Unternehmen von der Covid-19-Pandemie insgesamt getroffen und wie hat Ihr Unternehmen reagiert?
Ruedi Willimann: Durch das grosse Auftragsvolumen, welches wir im 2019 erarbeitet hatten, konnten wir die Produktion und Montage im Frühling normal weiterarbeiten lassen. Die Schliessung der Grenze und das Besuchsverbot einiger Firmen trafen am Anfang vor allem den Verkauf-Aussendienst. In dieser Abteilung mussten wir das erste Mal überhaupt in unserer Firmengeschichte Kurzarbeit anmelden.
Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat die aktuelle Situation auf Ihr Unternehmen. Können Sie Angaben machen bezüglich der Entwicklung des Umsatzvolumens und des Auftragseingangs gegenüber Vorjahr?
R. Willimann: Der Auftragseingang brach nach dem Lockdown natürlich ein. Wir generieren rund 80% unseres Umsatzes im Ausland. Trotzdem konnten wir auch in der Zeit des Lockdowns das eine oder andere Geschäft machen. Dies vor allem dank den bestehenden Kundenbeziehungen und dem Vertrauen, welches wir von unseren Kunden geniessen. Wir rechnen aber in diesem Jahre mit rund 40% Einbruch beim Auftragseingang.
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Welche Massnahmen haben Sie innerhalb Ihres Unternehmens umgesetzt, um die Gesundheit Ihrer Mitarbeiter zu schützen?
R. Willimann: Wir haben sofort die Hygienemassnahmen im ganzen Betrieb nach Empfehlung des BAG umgesetzt. Es wurde in regelmässigen Abständen alles desinfiziert, was nötig zum Anfassen war und auf was nicht verzichtet werden konnte. Die Mitarbeiter, welche Homeoffice machen konnten, wurden ins Homeoffice geschickt und Pausenzeiten flexibel gestaltet. Sitzungen wurden abgesagt oder nur im kleinen Rahmen mit Abstand durchgeführt. Einfach gesagt: alles, um Gruppierungen möglichst zu verhindern. Für auswärtige Leute wie Vertreter, Lieferanten usw. wurden Hausbesuche untersagt!
Homeoffice ist in Teilen möglich. In der Produktion praktisch nicht. Welche Massnahmen haben Sie in Ihrer Produktion umgesetzt?
R. Willimann: Wir haben in der Montage ein 2-Schicht-System eingeführt, um einen grösseren Abstand der Mitarbeiter zueinander am Arbeitsplatz möglich zu machen und so die Ansteckungsgefahr der möglichen Kontakte zu minimieren.
Wie sind die Reaktionen Ihrer Mitarbeiter auf die Massnahmen gewesen?
R. Willimann: Die Mitarbeiter haben sehr gut mitgemacht, auch wenn es natürlich schwerfällt, plötzlich im Schichtmodell zu arbeiten oder von heute auf morgen auf die persönliche Kommunikation zu verzichten. Wir waren seitens IT sehr gut vorbereitet, so dass wir per sofort Homeoffice möglich machen konnten. Die Mitarbeiter, welche mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen, haben das sehr geschätzt.
Was ist aus Sicht Ihres Unternehmens notwendig, um die Pandemie so gut wie möglich zu überstehen?
R. Willimann: Am wichtigsten ist es sicher, dass wir in einen stabilen Zustand kommen und die wellenartige Zeit hinter uns lassen können. Wir haben schon im Sommer gemerkt, dass sofort wieder positives Denken aufkommt, wenn das Gröbste überstanden ist. Wenn es uns gelingt, diesen Zustand über längere Zeit aufrechtzuerhalten, wird sich die Wirtschaft auch wieder erholen. Viele Firmen aus der MEM-Branche werden mit Einbussen aus der Pandemie kommen. Diese gilt es möglichst schnell wieder gutzumachen.
Was sind Ihre Erwartungen an Politik und Gesellschaft in Bezug auf die Covid-19-Pandemie?
R. Willimann: Die Politik ist sicher in einer Situation, die es schon länger nicht mehr gab in der Schweiz. Das Ziel muss es nun sein, ohne grosse Bürokratie zu helfen und den Schaden möglichst klein zu halten. Viele Firmen, die in den letzten Jahren gut gearbeitet haben, sind nun wegen der Pandemie ohne eigenes Verschulden in Schieflage geraten. Hier gilt es nun, die Arbeitsplätze zu schützen und die Firmen zu unterstützen. Betreffend Produkte für die Grundversorgung aus dem asiatischen Raum sollte die Politik über die Bücher! Der Bundesrat sollte bei der nächsten Lockerung der Massnahmen vorsichtiger sein, um einen «Ping-Pong»-Effekt zu vermeiden.
Die Covid-19-Situation ist eine absolute Ausnahmesituation. Konnten Sie auch positive Erkenntnisse aus der Situation ziehen?
R. Willimann: Der Zusammenhalt der Firma wird bei solchen Krisen immer gestärkt. Man will gemeinsam durch die Krise durch und möglichst schnell wieder zurück in den Normalbetrieb. Wir sind gezwungen, Dinge heute digital zu machen, über welche man früher nicht mal nachgedacht hat, z. B. eine Maschinenabnahme via Livestream oder Konferenzen mit Videotelefonie. Das ganze Reiseverhalten wird durch die Covid-19-Pandemie nachhaltig geprägt werden. -ari- SMM
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