Mathys AG: Spitzenqualität und Innovation im Gelenkersatz

Redakteur: Anne Richter

>> Spitzenqualität und Innovation – beides braucht es, um den medizinischen Fortschritt möglich zu machen. Und beide Elemente hat das Schweizer Familienunternehmen Mathys fest in seine Unternehmensstrategie implementiert. Sie sind Teil der Mathys-Kultur.

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Arne-C. Faisst, CEO der Mathys AG in Bettlach. (Bild: Mathys)
Arne-C. Faisst, CEO der Mathys AG in Bettlach. (Bild: Mathys)

Das Schweizer Orthopädie-Unternehmen, 1946 gegründet, hat im Bereich Medizintechnik inzwischen 53 Jahre Erfahrung. Seit dem 1.11.2003 konzentriert sich Mathys ausschliesslich auf die Entwicklung, Produktion und den Vertrieb von Produkten für den Gelenkersatz. Produziert wird vorwiegend in der Schweiz, aber auch in Deutschland. CEO Dr. Arne-C. Faisst beantwortet hier SMM vier Fragen zur Geschäftspolitik des Unternehmens.

SMM: Mathys ist ein Familienunternehmen mit 65-jähriger Geschichte. Welche Orientierungsgrössen bestimmen heute das unternehmerische Handeln?

Arne-C. Faisst: Es sind im Kern 2 Dinge, auf denen Mathys basiert: Erstens sind wir es gewohnt, zusammen mit Ärzten und Patienten langfristig zu denken. Das ist notwendig, weil die Erwartung an die Haltbarkeit eines Implantats bei 15–20 Jahren liegt. Im Gegensatz zu amerikanischen Mitbewerbern, die das Quartalsabschluss-Management pflegen, sind wir dank der soliden Eigenfinanzierung in der Lage, unsere Aktivitäten nachhaltig zu gestalten. Zweitens produzieren wir sozusagen ‹um die Ecke› in Bettlach. Diese Nähe zum produktiven Geschehen ist emotional spürbar, auch die damit verbundene Begeisterung aller Beteiligten für das Produkt. Management und Kunden erhalten so mehr Sicherheit.

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Mega-Fusionen prägen den Markt. Wo sehen Sie Ihren Wettbewerbsvorteil?

Arne-C. Faisst: Mathys unterscheidet sich von Mitbewerbern in dreifacher Weise: Erstens sind wir näher an den europäischen Themen, welche die Ärzte «vor Ort» setzen. Zweitens prüfen wir immer konsequent und genauestens die erforderliche Materialtechnologie und bauen das entsprechende Know-how mit kompetenten Mitarbeitern im Hause auf. Drittens verfügen wir heute nach erst 6 Jahren im Markt über Technologien, die für unsere Branche wegweisend sind, zum Beispiel eine mit Vitamin E angereicherte Polyethylen-Schale der Pfanne, was sich positiv auf den Abrieb auswirkt.

Die Herstellung von Highend-Implantaten setzt qualitative Höchstleistungen voraus. Wie können Sie die Qualität auf Dauer hoch halten?

Arne-C. Faisst: Die Herstellung von Highend-Implantaten setzt Höchstleistungen bezüglich Qualität, Service und Produktdesign voraus. Damit dies bei Mathys gesichert ist, liegt die oberste Qualitätsverantwortung beim CEO. Wir können das Thema so kontinuierlich ansprechen. Die Mitarbeitenden verstehen inzwischen ganz gut, dass man im Geschäftsleben zwar viele Kompromisse machen muss, dass das aber nicht gilt, wenn es um die Qualität geht. Quelle unseres Qualitätsdenkens ist das QM-System, welches wir zusammen mit der Schweizerischen Vereinigung für Qualitäts- und Management-Systeme SQS weiterentwickelt haben. Das System hat für uns einen nachweisbar unternehmerischen Wert, die Mitarbeitenden können daraus konkreten Nutzen ziehen. Entscheidend ist dabei, dass das System für alle Anwender transparent ist, jedermann bei Bedarf den nächsten Prozessschritt hin zur Lösung angezeigt bekommt. Mathys hat das Thema Qualität voll in die Führung integriert, mehr noch, Qualität ist Bestandteil unserer Führungsleitlinien. Dort ist unser Anspruch an die Mathys-Qualität definiert, da findet sich auch das Meldesystem bei erkannten Fehlern. Das System bedingt eine offene Kommunikation und basiert auf dem Gedanken des KVP. Mit erkannten Fehlern beispielsweise gehen wir pro-aktiv um, entsprechende Meldungen werden vom CEO persönlich verdankt. Oder: In unserer Mitarbeiterinformation bauen wir regelmässig ein Qualitäts-Topic mit Erfahrungsberichten ein. Das dient der Bewusstseinsbildung, denn wir produzieren ja etwas, das einem Patienten die Lebensqualität sichern soll. In den letzten 4,5 Jahren haben wir punkto Qualitätsmentalität der Mitarbeitenden beeindruckende Verbesserungen erzielt. Im Betrieb herrscht ein gewisser Berufsstolz. Selbstverständlich wird der Audit-Bericht der SQS in der Geschäftsleitung besprochen. Qualität ist immer ein GL-Thema. Der Chef der Qualitätsabteilung berichtet direkt an den CEO und hat das Recht, seine Anträge persönlich an der GL-Sitzung einzubringen.

In der Medtech-Branche sind Innovationen der Lebensnerv. Wie ist Ihr Innovationsmanagement aufgestellt?

Arne-C. Faisst: Vor drei Jahren haben wir in Form einer eigenen Abteilung einen Innovationstrichter geschaffen. Projektideen, Produktentwicklungen und neue Materialtechnologien werden hier «eingefüllt», gemeinsam besprochen und schliesslich selektiert. So entsteht ein Innovationsgefäss, das Potenzial hat. Kommt von der Ärzteschaft Bedarf nach einer bestimmten neuen Anwendung, gehen wir daran, die Innovation marktfähig zu machen. Mit diesem Prozedere stärken wir unsere Innovationskraft und halten uns immer an vorderster Front möglicher Entwicklungen in der Orthopädie. Daneben verfügt Mathys über eine Entwicklungsabteilung, die rein projektbezogen arbeitet. Aus der Forschung erhalten wir Problem- und Design-Inputs. Bereits im Produktedesign ist eine Ärzte-Gruppe involviert, unterstützt uns mit ihrer Erfahrung in Anatomie. Von Mathys kommt dabei sein Ingenieurwissen und sein grosses medizinisch-technisches Material-Know-how zum Tragen, denn Mathys ist in Bettlach in der Lage, relativ komplizierte Metalle wie Kobaltchrom und vor allem das heikle Titan zu verarbeiten. Zusammenfassend gesagt: Spitzenqualität und Innovationen sind die zentralen Treiber von Mathys. Aber nicht nur Forschung, Qualität und Innovation sind für uns enorm wichtig, sondern auch die gezielte Aus- und Weiterbildung und die Identifikation der Mitarbeitenden mit den Werten des Unternehmens.<<

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