Medizintechnik an der Empa im Fokus

Redakteur: Anne Richter

>> Am 12. November hatten Unternehmen der Schweizer Medizintechnik-Unternehmen die Gelegenheit, Forschungsaktivitäten und Entwicklungen auf dem Gebiet der Medizintechnik kennenzulernen. Zusätzlich zu den Vorträgen, bei denen die einzelnen Bereiche ihre Aktivitäten auf dem Gebiet der Medizintechnik vorstellten, gab es die Möglichkeit des Science Speed Datings, bei dem die Teilnehmer persönliche Kontakte knüpfen konnten.

Firmen zum Thema

Mehr als 80 Teilnehmer interessierten sich für die Themen am Medtech-Day an der Empa.
Mehr als 80 Teilnehmer interessierten sich für die Themen am Medtech-Day an der Empa.
(Bild: Anne Richter, SMM)

ari. Die Empa ist eine Forschungs- und Dienstleistungsinstitution für Materialwissenschaften und Technologieentwicklung. Ein bedeutendes Forschungsgebiet innerhalb der Empa ist die Medizintechnik.

Von der Idee bis zum fertigen Produkt

Von den 30 Empa-Forschungsabteilungen beschäftigen sich zehn mit diesem Gebiet. Materialentwicklung, Bauteil- und Implantatdesign, Oberflächenbeschichtungen und Materialcharakterisierungen inklusive In-vitro-Biokompatibilität sind dabei die Themen.

Am 12. November 2012 veranstaltete die Empa in Dübendorf unter dem Motto «Von der Idee zum Medtech-Produkt» einen Medtech-Day, an dem Unternehmen der Medizintechnik-Industrie die Gelegenheit hatten, Einblicke in die verschiedenen Tätigkeiten und Möglichkeiten der Empa zu erhalten und mit den Experten persönlich zu diskutieren. Angesprochen waren Schweizer Firmen im Medizintechnik-Bereich, die Materialien, Bauteile oder Fertigprodukte herstellen. Mehr als 80 Teilnehmer von Herstellerfirmen und Zulieferern nutzten die Gelegenheit, die Aktivitäten der Empa im Medizintechnik-Bereich kennenzulernen.

Speed Dating für gemeinsame Projekte

Während am Vormittag die einzelnen Empa-Bereiche ihre Aktivitäten und Dienstleistungen auf dem Gebiet der Medizintechnik vorstellten, erlaubte das Science Speed Dating am Nachmittag, den Teilnehmern die relevanten Themen direkt mit den jeweiligen Experten der Empa zu besprechen. In zehn Runden mit jeweils 15 Minuten konnten erste Kontakte geknüpft oder vertieft bzw. Fragestellungen aufgeworfen werden. So konnten auch mögliche Ansatzpunkte für gemeinsame Projekte bzw. Projektideen in Erfahrung gebracht werden oder Möglichkeiten der Unterstützung eruiert werden. Die zu treffenden Experten der Empa beschäftigen sich mit den Themen rund um Biopolymere im medizinischen Bereich, temperatursensitive Polymere, Materialverarbeitung, Biomechanik, DLC-Beschichtungen, Polymer- und Metallbeschichtungen, Korrosion, bildgebende Messmethoden, Biokompatibilität sowie nachgiebige Systeme.

Korrosion und Spaltbedingungen

Auch in den Vorträgen während des Vormittagprogramms stellten sich die verschiedenen Bereiche der Empa vor, die sich mit Medizintechnik beschäftigen. Dabei geht es unter anderem um Aktivitäten in der Biotechnologie mit Biopolymeren, der Herstellung von im Körper abbaubaren Polyestern, Tissue Engineering oder auch um Drug Release. Ein anderes Thema ist die experimentelle und rechnerische Biomechanik von Medizinprodukten, z.B. um Bandscheiben-Steifigkeit und Degeneration festzustellen oder iterative Verfahren zur Kerbspannung-Optimierung an Hüftgelenkskugeln bis hin zur Simulation des menschlichen Bewegungsapparates.

Ein anderes Thema sind DLC-Beschichtungen. Die dünnen Kohlenstoffschichten für verschleissbeanspruchte Anwendungen wie z.B. für Gelenkimplantate haben perfekte Abriebeigenschaften, doch trotz aller bestandener Tests gibt es im menschlichen Körper immer wieder ausfälle. Ein Grund dafür sind Spaltbedingungen für Silizium, die im Körper austreten können. Auch Defekte am Implantat können Korrosion verursachen und damit einen Ausfall des Implantates. Gewollt dagegen ist die Korrosion von bioresorbierbaren Implantaten, die aus Magnesium bestehen. Wichtig in der Forschung und Entwicklung von Medizinprodukten sind bildgebende Messmethoden. Von der Röntgen-Computertomografie über Focussed Ion Beam und Ultraschall-Diagnostik bis hin zu Lasermethoden gibt es vielfältige Methoden zur Untersuchung.

Nachgiebige Systeme sparen Kosten

Ausserdem wurden auch zwei erfolgreiche Projekte der Empa vorgestellt, bei denen schlussendlich Spin-off-Unternehmen die Produkte im Markt etablierten. Ein Beispiel ist die Firma Monolitix, die Einweginstrumente für die Medizintechnik entwickelte. Bei diesen sogenannten nachgiebigen Systemen wird die Verformbarkeit von Materialien genutzt, um auf Gelenke verzichten zu können.

Die Vorteile liegen im geringeren Kostenaufwand bei der Herstellung, da durch den monolithischen Aufbau der Instrumente keine Montage mehr notwendig ist. Ausserdem arbeiten die Instrumente auf Grund des fehlenden Spiels im Gelenk mit höherer Präzision und weniger Verschleiss. <<

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