Medizintechnik erweitert EPHJ-EPMT

Redakteur: Matthias Böhm

>> Im Vorfeld der Lausanner Fachmesse EPHJ-EPMT hat unsere Westschweizer MSM-Redaktion die beiden Direktoren und Initiatoren Olivier Saenger und André Colard interviewt. Wie sich zeigt, nimmt die Medizintechnik im Rahmen der beiden Technologiemessen EPHJ und EPMT einen höheren Stellenwert ein.

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«In Anbetracht der steigenden Bedeutung der Medizintechnik in der Schweiz haben wir uns entschlossen, diesem aufstrebenden Industriezweig einen eigenen Bereich zu widmen.« Olivier Saenger (li.) und André Colard, Direktion EPHJ - EPMT (Bild: Gonthier)
«In Anbetracht der steigenden Bedeutung der Medizintechnik in der Schweiz haben wir uns entschlossen, diesem aufstrebenden Industriezweig einen eigenen Bereich zu widmen.« Olivier Saenger (li.) und André Colard, Direktion EPHJ - EPMT (Bild: Gonthier)

MSM/SMM: Der neue Slogan «Swiss Medical Technologies» gehört künftig zur Fachmesse EPMT. Wie war die Reaktion des Marktes und insbesondere die der potentiellen Aussteller?

EPHJ-EPMT: Die Aufnahme eines Medtech-Pavillons ist die logische Konsequenz der Fachmesse EPMT, welche ja bereits alle Mikrotechnologien ausserhalb der Uhrenindustrie zusammenfasst. Der Bereich Medizintechnik war bis anhin ein Teil der EPMT, gleichbedeutend wie die Luftfahrttechnik, die Automobiltechnik, die Messtechnik, die Photonik oder die Robotertechnik. In Anbetracht jedoch der steigenden Bedeutung der Medizintechnik in der Schweiz und als Antwort auf die wiederkehrenden Anfragen einschlägiger Industrieunternehmen haben wir uns im letzten Herbst entschlossen, diesem aufstrebenden Industriezweig ab 2011 einen eigenen Bereich zu widmen. Zuerst wird im Rahmen der EPMT ein Pavillon «Swiss Medical Technologies» eröffnet. Ab 2012 soll dann diesem Sektor eine spezifische Halle zugeordnet werden.

Was unternehmen Sie konkret, um sich im Medizintechnik-Bereich zu etablieren?

EPHJ-EPMT: Wir haben uns auch die Zusammenarbeit mit renommierten Partnern gesichert (in alphabetischer Reihenfolge: A3P – BioAlps – EPFL – Medical Cluster – Micronarc – Waadtländer Wirtschaftsförderung), damit die Forscher, Hersteller und Lieferanten im weiten Bereich der Schweizer Medizintechnik eine gemeinsame Plattform ersten Ranges finden. Sämtliche Reaktionen sowohl in der Schweiz (einige Basler Fachmessen) wie auch im Ausland (insbesondere der Compamed in Düsseldorf) waren grösstenteils ausserordentlich positiv. Unsere Gesprächspartner haben sich sehr interessiert gezeigt und schätzten ganz besonders, dass diese Fachmesse parallel zu den Ausstellungen anderer Mikrotechnologie-Sektoren stattfindet, mit denen es Synergien gibt. Es braucht sicher eine gewisse Zeit, bis sich das neue Konzept «Swiss Medical Technologies» durchsetzen kann; die Budgets für 2011 waren ja bereits verteilt. Unsere diesjährigen Ambitionen sind also eher noch bescheiden. Im Jahr 2012 wollen wir aber mit der Unterstützung unserer Partner die Fachmesse Medtech in der Schweiz werden.

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2010 hatten Sie die ausgezeichnete Idee, die beiden sich ergänzenden Ausstellungen EPHJ und EPMT unter demselben Dach in der gleichen Halle durchzuführen. Welche Neuheiten bezüglich Einrichtung und Struktur können wir dieses Jahr erwarten?

EPHJ-EPMT: Für die Ausstellung 2011 (vom 24. bis zum 27. Mai) haben wir die verfügbare Raumfläche in den gleichen Hallen mit neuen Ständen belegt. Die hohe Nachfrage erklärt sich dadurch, dass ehemalige Aussteller grössere Stände wünschen und immer neue dazukommen. Zu Beginn des Jahres verzeichneten wir bereits mehr Platzreservierungen als für die gesamte Fachmesse 2010.

Die Messehallen haben zwei Etagen. Haben Sie Strategien, damit sich die Besucher gleichmässig verteilen?

EPHJ-EPMT: Weil die Ausstellung auf zwei Ebenen stattfindet, haben wie dieses Jahr die Ausgänge in den oberen Stock verlegt. Die Eingänge bleiben jedoch im Erdgeschoss; dadurch ergibt sich ein Besucherstrom sowohl in vertikaler als auch horizontaler Richtung. Wie bereits gesagt, wird der Medtech-Pavillon dieses Jahr im Sektor EPMT zu finden sein.

Wie schaffen Sie es, jedes Jahr zur Neuauflage zusätzliche Dienstleistungen für Aussteller und Besucher bereitzustellen? Woher kommen diese Inspiration und das Bedürfnis nach permanenter Erneuerung?

EPHJ-EPMT: Wir pflegen einen engen Kontakt mit den Ausstellern sowie den Besuchern und versuchen deren Anregungen bei der folgenden Auflage im Rahmen unserer Möglichkeiten umzusetzen. Überdies sind unsere Entwicklungen eigentlich nur die natürliche Folge unseres Ausgangskonzepts. Wir wollen jeweils den aktuellen Stand aller Facetten der Mikrotechnologien einem Fachpublikum vorstellen. Dabei war schon bei Beginn der EPHJ im 2002 klar, dass wir mit dem Bekanntwerden dieser Fachmesse nach und nach auch die weiteren Mikrotechnologien im Rahmen der EPMT mit einbeziehen werden. Nur so haben die Hersteller und Lieferanten auch die Möglichkeit, von den vielen Synergien und wechselseitigen Ergänzungen voll zu profitieren. Heute hat sich die EPMT derart gut entwickelt, dass auch einem Teilbereich – der Medizintechnik –, künftig ein seiner Bedeutung entsprechender Platz eingeräumt werden kann.

Was bedeutet für Sie die Tatsache, dass die MCH Beaulieu Lausanne (ehemals Beaulieu Exploitation SA) der MCH-Messe-Schweiz-Gruppe, dem grössten Schweizer Ausstellungsorganisator, angehört? Ist das langfristig eine zusätzliche Unterstützung oder gar ein Risiko?

EPHJ-EPMT: Wie Sie sicher wissen, sind unsere Fachmessen unabhängige Organisationen; deshalb berührt uns das nicht direkt. Natürlich ist dies ein Pluspunkt, der den Fortbestand von Beaulieu als Kongress- und Ausstellungszentrum längerfristig sichert. Von dieser Dynamik werden wahrscheinlich auch andere Messen und Ausstellungen profitieren, welche Beaulieu zum Standort gewählt haben.

Die Fachmesse EPHJ/EPMT 2011 beinhaltet ebenfalls ein reichhaltiges Konferenzprogramm. Können Sie uns bereits Namen von Referenten oder Themen nennen?

EPHJ-EPMT: Natürlich organisiert die Eidgenössische Technische Hochschule Lausanne (EPFL) wie jedes Jahr die Mikrotechnik-Tage im Rahmen der EPMT. Ihr viertägiges Konferenzprogramm wird mit Präsentationen anderer Partnerorganisationen ergänzt. Im Zusammenhang mit der Einführung der «Swiss Medical Technologies» befassen sich alle Vorträge mit der Medizintechnik. Die Mikrotechnik-Tage der EPFL mit BioAlps, Micronarc und Alliance werden sich mit dem Thema «Biomedizinische Mikrotechnologien» befassen. Zudem werden Micronarc und Alliance Vorträge über «Werkstoffe und Biokompatibilität» halten. Die Organisationen A3P, Medical Cluster und Swiss Laser Net werden mit ihren Beiträgen, deren Themen sind noch nicht definitiv bestimmt sind, das Konferenzprogramm ergänzen. Fest steht jetzt schon, dass die A3P ihre jährliche Frühjahrstagung am 25. Mai im Rahmen der EPMT zum Thema «Hochreines Wasser» durchführen wird.

Eigentlich ist es schade, dass die Micronarc (Mikrotechnologisches Zentrum der Westschweiz) und die SSC (Schweizerische Gesellschaft für Zeitmesskunde) Veranstaltungen ausserhalb der Daten der EPHJ/EPMT 2010 angeboten haben. Gelingt diesmal eine gute synergetische Gruppierung in Lausanne, ohne Konflikt mit der Micro 10 in Neuenburg?

EPHJ-EPMT: Darauf haben wir keinen Einfluss. Wir denken, dass unsere Fachmesse eine repräsentative Plattform darstellt, die allen peripheren Veranstaltungen ein hervorragendes Schaufenster offeriert – Einigkeit bringt Erfolg … Das Aufsplittern von Kräften dient eher nicht dem gemeinsamen Ziel, das Ansehen und Know-how unserer Mikrotechnologien auf internationaler Ebene zu festigen. Wir wissen natürlich um die verschiedenen Interessen; trotzdem bedauern wir manchmal, dass bestimmte Veranstaltungen nicht in Lausanne stattfinden. Dies hindert uns allerdings nicht daran, mit allen Verantwortlichen sehr gute Beziehungen zu pflegen.

Werden Sie nächstes Jahr eine neue Erweiterung vorstellen, zum Beispiel «GreenTech«?

EPHJ-EPMT: Wir befassen uns immer mit möglichen längerfristigen Entwicklungskonzepten; zunächst geht es jedoch darum, die aktuellen Strukturen zu fixieren. Dieses Jahr findet die 10. Auflage der EPHJ sowie die 5. der EPMT statt. Die EPHJ entwickelt sich sehr gut und zieht immer mehr Aussteller und Besucher an. Dasselbe gilt für die EPMT, die schon bei der letzten Ausgabe fest im Sattel sass und ein spezifisches Zielpublikum gefunden hat, das in den nächsten Jahren noch zunehmen wird. Gewisse Bereiche wie zum Beispiel die Automatisierung und die Robotik befinden sich zurzeit in einem grösseren Entwicklungsschub. Die Medtech mit «Swiss Medical Technologies« wird sicher auch einige Jahre zur Etablierung benötigen. Nach Abschluss dieser Konsolidierungsphase werden ohne Zweifel andere Bereiche der EPMT in den Vordergrund rücken und an Bedeutung zunehmen.

Wir danken Ihnen für das Gespräch und freuen uns, Sie und unsere Leser am Stand des MSM/SMM begrüssen zu dürfen. Bis zur Eröffnung dieser wichtigen Fachmesse sind unsere Leser herzlich eingeladen, am Wettbewerb EPHJ-EPMT teilzunehmen. Dieser ist online unter www.smm.ch aufgeschaltet; zahlreiche Preise warten auf die Gewinner. <<

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