SMTI Report

Medizintechnik: Goldgräberstimmung vorbei

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Wechselkursproblematik verstärkt Auslandinvestitionen

Als weitere der drei grössten Herausforderungen für die Branche wird die Schweizer-Franken-Stärke genannt. So hatte die Export-Industrie – trotz der Kursuntergrenze – seit Anfang 2010 eine Aufwertung von 23 Prozent gegenüber dem Euro zu verkraften. Von dieser Problematik sind laut Umfrage 81 Prozent aller SMTI-Firmen betroffen. Auch hier leiden die Zulieferer unter den aktuellen Bedingungen besonders. 98 Prozent unter ihnen geben an, dass die aktuellen Wechselkurse einen negativen Einfluss auf ihr Geschäftsergebnis haben. Dieser Wettbewerbsnachteil liess sich in der kurzen Zeit nicht vollständig durch Produktivitätssteigerungen auffangen, und das Halten des Umsatzes ging auf Kosten der Margen, so das Ergebnis der Studie.

Loyalität schwindet

Um sich gegen Wechselkursschwankungen besser abzusichern, planen 15 Prozent aller Unternehmen in den nächsten drei Jahren Investitionen in Produktionsstätten im günstigeren Ausland. Dies ist, gemessen an der ausgeprägten KMU-Struktur der Schweizer Medtech-Industrie, ein hoher Anteil. Auch werden Zulieferer und Hersteller ihre Vorleistungen und Investitionsgüter vermehrt ausserhalb der Schweiz beschaffen. Damit einhergehend schwindet die Loyalität gegenüber traditionell etablierten Partnerschaften zwischen Herstellern und Zulieferern – bislang eine der Stärken des Medtech-Ökosystems Schweiz. Zusätzlich gehen immer mehr Schweizer Medtech-Firmen in ausländischen Besitz über: So hängen bereits 50 Prozent der zehn grössten international tätigen Medtech-Unternehmen der Schweiz von Entscheidungen in ihren weiter entfernten Hauptsitzen ab.

Spitäler professionalisieren Beschaffung

Daneben sorgen die gestrafften Budgets im Schweizer Gesundheitswesen für zusätzliche Restriktionen: Kliniken sind spätestens seit Einführung der neuen Spitalfinanzierung im Januar 2012 dazu gezwungen, ihr Beschaffungswesen zu professionalisieren und ihre Prozesse zu rationalisieren. Um gezielt Kosten zu sparen, schauen Medtech-Abnehmer stärker auf die Preise und beziehen ihre Produkte über Einkaufsgesellschaften bzw. über immer weniger ausgewählte, grössere Anbieter. Kleine Hersteller werden damit zu zweitrangigen Zulieferern zurückgestuft.

Expertenwissen stärken, neue Geschäftsmodelle entwickeln

Doch nicht nur externe Faktoren, sondern auch interne Strukturschwächen beschleunigen den Trend zur Konsolidierung. So mangelt es den Unternehmen an Management-Skills und Expertenwissen. Vor allem Marketing-, Compliance-, Regulatory Affairs- und QM-Spezialisten sind sehr gesucht, um den aktuellen Herausforderungen im Markt begegnen zu können. Traditionelles Ingenieur-Know-how allein reicht nicht mehr aus, um im immer härteren internationalen Wettbewerb zu bestehen.

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