SMTI Report Medizintechnik: Goldgräberstimmung vorbei

Redakteur: Anne Richter

>> Der international steigende Kosten-, Preis- und Wettbewerbsdruck, wachsende regulatorische Auflagen, die knappen Expertenkapazitäten und die Frankenstärke stellen die schweizerische Medtech-Branche vor enorme Herausforderungen. Das zeigt der «Swiss Medical Technology Industry 2012»-Bericht, der am 20.9.2012 von den Autoren von Medical Cluster, Medtech Switzerland und IMS Consulting Group in Zürich vorgestellt wurde.

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Standorte Schweizer Medizintechnik-Unternehmen.
Standorte Schweizer Medizintechnik-Unternehmen.
(Bild: Medical Cluster)

ari. Medical Cluster, Medtech Switzerland und IMS Consulting Goup haben am 20. September 2012 in Zürich den inzwischen 7. «Swiss Medical Technology Industry 2012»(SMTI)-Bericht vorgestellt, der auf der Befragung von 320 Unternehmen der Branche basiert. «Die Goldgräberstimmung ist vorüber», fasst Medical-Cluster-Geschäftsführer Peter Biedermann die allgemeine Lage in der schweizerischen Medizintechnikindustrie zusammen.

Denn gegenüber der erstmaligen Publikation der Untersuchung 2006 hat sich das Umfeld für die Schweizer Medizintechnikfirmen extrem gewandelt. Die aktuellen Erhebungen und wirtschaftlichen Kennzahlen zeigen, dass die Medtech-Industrie zwar nach wie vor gut aufgestellt ist, die Herausforderungen allerdings zugenommen haben.

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Standort Schweiz attraktiv für Medizintechnik

International verglichen ist der Schweizer Standort immer noch ein globaler Hotspot für die Medizintechnik. Unternehmen schätzen hier die politische und wirtschaftliche Stabilität, die attraktiven steuerlichen Bedingungen, den Zugriff auf hochqualifizierte Arbeitskräfte und den flexiblen Arbeitsmarkt. Ein weiteres Plus ist die Spitzenforschung, die ausgeprägte Spital- und Ärztedichte, das moderne Gesundheitswesen sowie die vergleichsweise rasche Zulassung von neuen Diagnose- und Therapiemethoden.

Die Schweiz besitzt zudem eine hohe Zahl von langfristig orientierten Familienbetrieben und KMUs, die auf ein starkes Netzwerk von Partnern in räumlicher Nähe zugreifen. All diese Standortvorteile führten bisher dazu, dass die gesamte Wertschöpfungskette der Medizintechnik innerhalb der Schweiz abgedeckt werden kann.

Wachstum im einstelligen Bereich, schrumpfende Margen

Doch die Rahmenbedingungen verändern sich. Ein immer rauerer Wind bläst den Unternehmen entgegen: Der SMTI-Bericht 2012 zeigt gegenüber den letzten beiden Studien eine schleichende Trendwende auf. Zwar liegt die durchschnittliche Wachstumserwartung für 2012 immer noch bei 5,9 Prozent und für 2013 bei 6,6 Prozent, doch hat sich das Wachstum in den letzten Jahren nahezu halbiert und wird laut den Autoren der Studie in Zukunft auch im einstelligen Bereich bleiben. Das durchschnittliche Wachstum der Beschäftigten über die letzten zwei Jahre ist mit drei Prozent zwar weiterhin positiv, hat sich jedoch in dieser Zeit ebenfalls verringert.

«Unser Medtech-Ökosystem ist ein Paradies, das zunehmend unter Druck gerät», betonen die beiden Autoren der Studie, Patrick Dümmler, Medtech Switzerland, und Beatus Hofrichter, IMS Consulting Group. Eine grosse Herausforderung für die Schweizer Medizintechnik-Industrie ist dabei der wachsende internationale Preis- und Wettbewerbsdruck, worunter am meisten kleine Firmen aus der Zulieferindustrie leiden.

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